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So einen Stürmer hatte der FC Schötz lange nicht mehr

Elvis Bratanovic war Profi, spielte vor über 50000 Zuschauern in London. Damit ist Schluss, nun geht er für den FC Schötz auf Torejagd.
Stephan Santschi
Elvis Bratanovic ist in der Region heimisch geworden und stürmt nun für den FC Schötz. Bild: Pius Amrein (Altishofen, 29. Juli 2019)

Elvis Bratanovic ist in der Region heimisch geworden und stürmt nun für den FC Schötz. Bild: Pius Amrein (Altishofen, 29. Juli 2019)

Es gibt sie, die besonderen ­Momente in seiner Laufbahn als Profifussballer. In der Saison 2014/15 gelang ihm für die Bohemians aus Prag ein Hattrick gegen den späteren tschechischen Meister Viktoria Pilsen. 2016/17 gewann er mit dem slowenischen Klub NK Domzale den Cup und spielte in der Qualifikation zur Europa League gegen West Ham. Das Hinspiel gewann Domzale mit 2:1, im Rückspiel im ehemaligen Olympiastadion von London vor knapp 54000 Zuschauern verlor es mit 0:3. «Ich wurde 20 Minuten vor Schluss eingewechselt. Die Stimmung war unglaublich und der Fussball, der gespielt wurde, auf einem anderen Level», erzählt Elvis Bratanovic und lächelt. Auch zwei inoffizielle Länderspiele hat der ehemalige Nachwuchs-Internationale Sloweniens bestritten, 2017 in Abu Dhabi gegen Finnland und Saudi-Arabien.

Doch da sind auch die anderen Momente, jene, in denen der Stürmer aus dem slowenischen Celje oft wie ein Suchender wirkt. In Slowenien, Tschechien und Polen läuft er innerhalb von sieben Jahren für fünf Vereine auf, lange bleibt er bei keinem. Woran es liegt, kann er nicht ­genau sagen. Im Sommer 2017 kommt er in die Schweiz, weil seine Brüder Zlatan und Mersad bereits hier leben. Einen Klub auf hohem Niveau aber findet er nicht, und so heuert er beim ­damaligen 1.-Ligisten Sursee an. 15 Tore in 13 Spielen gelingen ihm, und so meldet sich im Winter doch noch ein Verein, der seine Profikarriere verlängert.

Einsatzzeit bei Neuchâtel Xamax: Eine Minute

Bratanovic wechselt in die Challenge League zu Neuchâtel Xamax, steigt mit den Neuenburgern auf – und beendet anschliessend seine Karriere im Leistungssport. Der Grund: Bei Xamax spielt er während eines halben Jahres exakt eine Minute, sitzt sonst auf der Tribüne und fällt am Ende mit einer Diskushernie auch noch verletzt aus. «Trainer Decastel hatte wenig Grund, an seinem Team etwas zu ändern, es verlor ja kaum. Er sprach nur französisch und nicht viel mit mir», erzählt Bratanovic. Im Sommer 2018 kehrt er zu Sursee zurück, 25-jährig ist er da, und er entscheidet: «Fertig, ich habe keine Motivation mehr für den Profifussball.» Nach acht Jahren mit sieben Vereinen in vier Ländern.

In Sursee findet der Torjäger wieder seinen Riecher, markiert letzte Saison für den mittlerweile in die 2. Liga inter abgestiegenen Klub 16 Tore in 19 Spielen. Dann folgt er dem Ruf von André Grüter, der bei seinem ersten Engagement in Sursee sein Trainer war und der nun bei 1.-Ligist Schötz an der Seitenlinie steht. «Ich hatte viele Angebote, auch aus der Promotion League. Ich entschied mich für Schötz, weil Andi ein guter Trainer und ein guter Mensch ist», erklärt Bratanovic. «Er half mir im Fussball, bei der Suche nach einer Wohnung und einem Job. Ihm und dem FC Sursee möchte ich für alles danken.»

Gründet Bratanovic in Altishofen eine Familie?

In Schötz freuen sie sich vor dem Saisonstart am Samstag in Biel auf den neuen Mann im Angriff. «Er war mein Wunschtransfer», sagt Trainer Grüter, «dieser Stürmertyp ist schwierig zu finde, so einen hatte Schötz schon lange nicht mehr.» Mit seiner kampfbetonten Spielweise kann der 26-jährige, 1,83 Meter grosse und kräftige Slowene die Bälle halten. Im Strafraum verfügt er derweil über die Kaltblütigkeit, um aus wenig viel zu machen. Kurz: Bratanovic geht dorthin, wo es weht tut, und er weiss, wo das Tor steht.

Neben dem Fussball ist er mittlerweile berufstätig, bei der Bühlmann AG in Knutwil hat er einen Job in der Metallwarenbranche angetreten. «Es ist streng», sagt er, doch ihm gefällt es so. «Ich brauche ein sicheres Einkommen, denn allmählich denke ich daran, eine Familie zu gründen», verrät Bratanovic. Seine Freundin Hava, die in Slowenien die Ausbildung zur Krankenschwester abschliesst, soll bis spätestens Ende Jahr zu ihm in seine Wohnung nach ­Altishofen ziehen. Gut möglich also, dass Elvis Bratanovic sowohl privat wie auch sportlich im Luzerner Hinterland sesshaft wird. Auch seine Brüder sind nah, sie sieht er oft. Zlatan, ein ehemaliger Profihandballer, wohnt in Geuensee, arbeitet in der gleichen Firma und steht bei 2.-Ligist BSV RW Sursee im Tor. Mersad, früher ebenfalls Handballer, lebt mit Frau und Kind in Oftringen.

Offensives Ziel: Schötz will in die Top 5

Auf die Ziele mit dem FC Schötz angesprochen, gibt Bratanovic, wie es sich für einen Angreifer gehört, eine offensive Antwort: «Wir wollen in die Top 5.» André Grüter sieht das genauso, «wir haben uns sehr gut verstärkt», sagt der Trainer. Mit Innenverteidiger Michal Rakovan zum Beispiel. Mit Mittelfeldmann Cyrill Gasser. Und eben mit Elvis Bratanovic, dem Torgaranten im Sturm.

Transfers

Zugänge: Michal Rakovan (Zofingen), Elvis Bratanovic (Sursee), Cyrill Gasser (Cham), Kaltrim Osaj (Old Boys Basel), Marcel Gänsler (Auslandaufenthalt), Simon Brun (Willisau), Manuel Roth (2. Mannschaft). – Abgänge: Oliver Jonjic (Langenthal), Ndue Daka (Willisau), Lars Fankauser (Menzo Reinach), Emanuel Pinto (Sursee), Ante Pekas (Karrierenende), Yanick Rapelli, Till Fischer (beide?), Dario Kurmann (Auslandaufenthalt), Matthias Erni (Buttisholz).

Testspiele

Zofingen 1:2, Langenthal 4:2, Willisau 3:0, Langenthal 1:2, Muri 6:2, Emmenbrücke 2:4.

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