Die Luzerner Turnerin Sandra Garibay hat Nerven aus Stahl

Geräteturnerin Sandra Garibay (BTV Luzern) wird ihrer Favoritenrolle gerecht und gewinnt zum dritten Mal in Folge Mehrkampf-Gold.

Stefanie Meier
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Sandra Garibay an den Schaukelringen, wo die Luzernerin mit 9,45 Punkten den Grundstein für die erfolgreiche Titelverteidigung setzt. Bild: Janis Fasser (Gland, 16. November 2019)

Sandra Garibay an den Schaukelringen, wo die Luzernerin mit 9,45 Punkten den Grundstein für die erfolgreiche Titelverteidigung setzt. Bild: Janis Fasser (Gland, 16. November 2019)

Die Schweizer Meisterschaften im Geräteturnen der Frauen vom vergangenen Wochenende im waadtländischen Gland hätte kaum spannender und erfolgreicher sein können. Die Innerschweizer Delegation sorgte für einen regelrechten Medaillenregen. Zehn waren es insgesamt. Drei davon gingen auf das Konto der Luzernerin Sandra Garibay. Als Titelverteidigerin im Mehrkampf der K7-Turnerinnen wurde ihr zu Recht die Favoritenrolle zugetragen.

Namhafte Konkurrentinnen wie die diesjährige Turnfestsiegerin Annja Keiser (Rotkreuz) oder die Frauenfelderin Lara Borner machten von Beginn weg an Druck. Und so kam es, dass nach dem ersten Durchgang die Zugerin Annja Keiser in Führung lag. Die Abstände nach hinten waren winzig, gleich mehrere Athletinnen wiesen ihr Potenzial für einen Mehrkampf-Sieg auf. Und die Reaktion von Garibay? Sie verwertete ihre Energie am Sprung in ein wahres Feuerwerk. Für ihren Doppelsalto gebückt mit einer halben Drehung zum perfekten Stand kriegt sie eine glatte 10,00.

Der Konkurrenz einen Schritt voraus

Ab diesem Zeitpunkt an war die Mehrkampf-Siegerin aus den Jahren 2015, 2017 und 2018 nicht mehr zu stoppen. In der Zwischenrangliste zeigte sich das gewohnte Bild: Garibay an erster Stelle. Fehler, Wackler, Standunsicherheiten waren bei ihr fehl am Platz. Bis ganz zum Schluss zeigte die BTV-Turnerin Nerven aus Stahl, liess sich auch durch hohe Noten ihrer Konkurrentinnen nicht aus der Ruhe bringen und holte sich diesen zweiten Schweizer-Meister-Titel in Folge. «Ich bin überglücklich und könnte nicht zufriedener sein. Einzig am Boden wäre mehr drin gelegen, aber da kriege ich ja nochmals eine Chance», so die Luzernerin, die sich gleich für alle vier Gerätefinals qualifizieren konnte.

Dieser Sieg hat viel Energie gekostet

Nicht nur die turnerische Leistung, auch ihre Ruhe, ihr Wille und das grosse Selbstvertrauen waren mitverantwortlich für diesen Sieg. Wo andere sich Fehltritte leisteten, blieb Garibay standhaft, konzentriert und fokussiert. «Der Mehrkampf war mental sehr anstrengend für mich. Das habe ich dann nach dem Wettkampf und vor allem tags darauf gemerkt», erklärte die mehrfache Schweizer Meisterin. Eine, die mit Garibay mithalten konnte, war Lara Borner (Frauenfeld). Am letzten und alles entscheidenden Gerät legte Garibay allerdings die Latte so hoch, dass es auch der Frauenfelderin nicht mehr möglich war, den Rückstand wettzumachen. Borner reichte es schliesslich zu Silber, Annja Keiser holte hervorragend Bronze.

Garibay gewann nebst der Goldmedaille im Mehrkampf zwei weitere Medaillen aus den Gerätefinals an den Schaukelringen (Silber) und am Reck (Bronze). Die erhoffte Goldmedaille im Bodenfinal lässt weiter auf sich warten. Und auch am Sprung musste sie für einmal den anderen den Vortritt lassen. Bei beiden Sprüngen kam die Favoritin leicht aus der Achse und musste die Landung auskorrigieren. «In der Luft hatte ich ein gutes Gefühl, aber die Landung war nicht optimal. Damit war ich im Kampf um den Sieg weg vom Fenster», analysierte Garibay. Die Anstrengung vom Vortag machte sich vielleicht doch ein klein wenig bemerkbar. Bodenständig wie sie ist, zeigt sie sich erfreut über die drei gewonnenen Medaillen.