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Obwaldner Handball-Schiedsrichterin: «Das war krass und respektlos»

Die Kernserin Violeta Ettlin ist seit 25 Jahren Handball-Schiedsrichterin. Für Gerechtigkeit geht sie auf Konfrontationskurs.
Stephan Santschi

44 Jahre lang hat Violeta Ettlin Handball gespielt, noch mit 53 stand sie für den Handball-Drittligisten TV Sarnen als Kreisläuferin im Einsatz. Parallel dazu ist sie seit 25 Jahren in der Region als Schiedsrichterin unterwegs, bei den Männern bis zur 2. Liga, bei den Frauen höchstens in der 1. Liga. Auch letzte Saison seien so noch immer rund 50 Partien zusammengekommen, erzählt die 56-jährige Schweiz-Polin, die in Kerns im Kanton Obwalden zu Hause ist. «Ich habe grossen Spass am Handball, an der Entwicklung unseres Sports. Nach einem Spiel gehe ich auch mal zu einem besonderen Talent hin, lobe und ermuntere es, weiterzumachen.» So erläutert sie ihr langjähriges Engagement.

Violeta Ettlin ist leidenschaftliche Handball-Schiedsrichterin. (Bild: Dominik Wunderli,Sarnen, 13. September 2019)

Violeta Ettlin ist leidenschaftliche Handball-Schiedsrichterin. (Bild: Dominik Wunderli,Sarnen, 13. September 2019)

Aktuell kann Ettlin selber nicht weitermachen, eine Fussverletzung setzt sie ausser Gefecht. Neben dem Platz kämpft sie aber ungebrochen für ihre Leidenschaft. Dass sie damit zuweilen aneckt, ist ihr bewusst. «Ich bin keine einfache Person. Aber ich bin konsequent und habe einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.» Grundsätzlich fühle sie sich in den Zentralschweizer Hallen respektiert, doch da gebe es eben auch den einen oder anderen Aspekt, der sie seit längerem störe. In einem kleinen Büchlein hat sie sich hierzu Notizen gemacht.

Keine eigene Kabine und hohe Parkplatzausgaben

Grundsätzlich wünscht sie sich mehr Fürsorge und Wertschätzung von den Vereinen und vom Schweizerischen Handball-Verband (SHV). «Ein Schiedsrichter sollte dort, wo er im Einsatz steht, immer eine Ansprechperson des gastgebenden Vereins haben.» Es gebe Orte, wo dies funktioniere, wo in der Kabine auch eine Wasserflasche für sie bereitstehe. Es sei aber auch schon vorgekommen, dass sie beim Eintreffen zunächst Jugendliche aus ihrer Garderobe habe schicken müssen. Zudem könne sie selten die Türe abschliessen und müsse daher ihre Tasche meistens an den Spielfeldrand mitnehmen.

Darüber hinaus wünscht sie sich vom SHV eine Person, welche gerade die jüngeren Schiedsrichter in ihren Aufgaben rund um einen Einsatz unterstützt. «Ein Inspizient alleine reicht da nicht aus.» Schwierig sei auch die Parkplatzsituation. «Wenn ich, wie oftmals der Fall, zwei Spiele hintereinander leite, gehen 300 bis 400 Franken pro Saison nur für Parkplatzkosten weg. Weshalb ist es nicht möglich, für uns Schiedsrichter eine Parkkarte zu organisieren?» Auch Schiedsrichtertreffen, bei denen man sich kennen lernen und austauschen könne, gebe es nicht mehr. «Derzeit haben wir keinen Kontakt untereinander.»

Richtig in Wallung gerät ihr Blut sogar, wenn sie auf eine Situation im Verlauf der letzten Saison zu sprechen kommt. «Ich möchte nicht sagen, um welchen Verein es sich handelt. Aber nach einem Zwischenfall, bei dem sich ein Spieler die Hand brach, nahm das Coaching-Duo das Team vom Feld.» Als sie nach 10 Minuten immer noch nicht zurückgekehrt waren, brach sie das Spiel ab. Später habe ihr der Sekretär des Vereins beinahe noch die Türe an den Kopf gestossen. «Das war krass und respektlos.»

Für Respektlosigkeiten gibt es bei Handball-Schiedsrichterin Violeta Ettlin nur eines: die rote Karte. (Bild: Dominik Wunderli,Sarnen, 13. September 2019)

Für Respektlosigkeiten gibt es bei Handball-Schiedsrichterin Violeta Ettlin nur eines: die rote Karte. (Bild: Dominik Wunderli,Sarnen, 13. September 2019)

«Da geht den Jüngeren der Laden runter»

Besagte Partie sei später mit einer Forfait-Niederlage gegen das fehlbare Team gewertet worden, eine Sperre oder Busse hätten die Trainer aber nicht erhalten. «Für diese beiden sind wir Schiedsrichter wohl ein notwendiges Übel. Ich möchte wissen, weshalb gewisse Leute nicht gleich hart bestraft werden wie andere», ärgert sich Ettlin. Eine Antwort darauf oder wenigstens eine Entschuldigung für das aggressive Verhalten habe sie bis heute nicht erhalten. «Wenn jüngere Schiedsrichter von solchen Dinge hören, geht ihnen der Laden runter und sie wenden sich vom Handball ab. Das möchte ich nicht einfach mit ansehen», sagt Violeta Ettlin und betont: «Die meisten Spiele finden in den Regionen statt, wir Regional-Schiedsrichter halten den Betrieb am Laufen. Darum sollte man uns besser unterstützten.»

Roger Felder, der Schiedsrichter-Verantwortliche in der Geschäftsleitung des SHV, hat Verständnis für die Anliegen von Violeta Ettlin und ihren Schiedsrichterkollegen. Der Fall mit dem Spielabbruch sei ihm bekannt, hier könne der Verband aber keinen Einfluss nehmen. «Darüber entscheiden unabhängige Rechtsgremien und in diesem Fall waren gemäss Aussage der zuständigen Rechtsinstanz die Meinungen der Parteien zu unterschiedlich, um eine Sanktion auszusprechen.»

Verband erhöht Budget für Ausbildung von Referees

In Sachen Schiedsrichterbetreuung habe man im Verband aber reagiert. «Wir arbeiten seit einem halben Jahr mit einem neuen Ausbildungskonzept. Das Budget für die Gewinnung von neuen Schiedsrichtern wurde massiv erhöht», berichtet Felder. Zur Veranschaulichung der Problematik, Nachwuchs zu generieren und ihn vor allem bei Laune zu halten, nennt er Zahlen aus der letzten Saison. «Schweizweit hatten wir 100 Anmeldungen, wovon 80 mit der Ausbildung begannen. Ende Saison blieben nur 10 übrig.»

Konkret verbessert werde die Betreuung der Newcomer im Schiedsrichterwesen. «Sie tragen neu ein orange-schwarzes Shirt mit dem Aufdruck ‹Beginners-Respect›. Bei jedem Einsatz wird ein persönlicher Betreuer vom Verband vor Ort sein.» Zudem sollen künftig Gebietsverantwortliche bestimmt werden, welche die Clubs in der Region kennen und bei Problemen vermitteln können. «Wir suchen regelmässig das Gespräch mit den Schiedsrichter-Verantwortlichen in den Clubs, um sie für den respektvollen Umgang mit den Referees zu sensibilisieren.» Thematisiert werden dabei auch verbesserte Bedingungen in den Hallen. Felder weiss aber, dass es im Breitensport oft keine Person gibt, die für den ganzen Spieltag verantwortlich ist und damit für die Schiedsrichter als Ansprechperson dienen könnte. Zudem bestehen Kapazitätsprobleme bei den Garderoben. Auf die Parkplatzsituation könne man derweil keinen Einfluss nehmen, «das ist meistens Sache der Gemeinden».

Violeta Ettlin will nach Verletzung zurückkehren

Aktuell sei man im Stande, die Spiele mit dem Schiedsrichterbestand abzudecken. «Genug Schiedsrichter kann man aber nie haben. Viele Unparteiische sind zudem bereits etwas älter. Wenn die alle aufhören, bekommen wir massive Probleme», erklärt Felder.

Der SHV und die Vereine tun deshalb gut daran, zu Violeta Ettlin und ihren Schiedsrichterkollegen Sorge zu tragen – auch wenn ihre Leistungen analog zu jenen der Spieler keineswegs fehlerfrei sind. Nach ausgestandener Verletzung will sie übrigens zurückkehren. Und weiterhin auch neben dem Handballplatz für ihre Gilde eintreten.

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