Peter will nun andere Squash-Spieler besser machen

2014 hat Reiko Peter Squash zu seinem Beruf gemacht. Der Luzerner gewann fünf PSA-Turniere und rückte in der Weltrangliste bis auf Position 66 vor. Nun macht er einen Schritt zurück – und zieht nach Kanada.

Stefan Kleiser
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Reiko Peter beendet seine Profi-Karriere. (Bild: Stefan Kleiser (Uster. 16. März 2019))

Reiko Peter beendet seine Profi-Karriere. (Bild: Stefan Kleiser (Uster. 16. März 2019))

Für Reiko Peter beginnt am 1. Juni in Kanada ein neuer Lebensabschnitt. «Das ist ziemlich bald», schmunzelt der Krienser. «Aber nach fünf Jahren habe ich genug von einer Fernbeziehung.» Der Luzerner wird nach Burlington ziehen, 50 Minuten mit dem Zug von Toronto. Dort hat er mit seiner Frau eine Wohnung gekauft. «Kanada ist das erste Land, in dem ich ein Turnier spielte und fand, hier könnte ich leben. Darum ist es lustig, dass sie von dort kommt.»

Reiko Peter wird in Toronto nicht mehr Squash-Professional sein, sondern Squash-Coach. Er habe zwar keinen fixen Vertrag unterschrieben, könne aber im Granite Club als Freelancer beginnen, erzählt der 30-jährige Kaufmann mit Berufsmatura. «Sie sagten mir, sie hätten genug Arbeit.» Im Club gibt es Junioren, die den Sprung ins Nationalteam schaffen wollen. «Von Mitte Juni bis Ende August werde ich auch wochenweise Sommercamps leiten.»

Nicht mehr gleich bissig

Die Bilanz seiner letzten Saison als Berufssportler fällt zwiespältig aus. «Ich habe gut gespielt, aber nie gewonnen», analysiert der Spitzenspieler aus dem Squashclub Pilatus Kriens. Zuletzt stieg er mit dem Nationalteam an der Europameisterschaft aus der ersten Division ab. «Ich machte mir wohl zu viel Druck wegen eines guten Abschlusses. Aber ich merke seit längerem, dass ich keine Lust mehr habe auf Druck.» Und keine Lust mehr, Profi-Squasher zu sein: «Ich habe wohl die Freude am Spiel und dem Herumreisen verloren», so Peter. Es waren jeweils mehrere Trips pro Monat, «dazu kamen noch Ligaspiele». Manchmal habe er sich während eines Turniers gefragt, was er denn hier mache. «Auf der Profi-Tour ist das der Untergang, wenn du merkst, dass der andere Spieler das mehr will. Dann hast du keine Chance.»

Fünf Top-100-Spieler in Kriens

Von Dienstag bis Samstag wird im Sportpark Pilatus in Kriens um Punkte für die Weltrangliste gekämpft: am Sekisui Open, zum bereits neunten Mal. Fünf Squasher, die im World Ranking unter den besten 100 klassiert sind, haben sich angemeldet. Mahesh Mangaonkar, die Nummer 61 der Welt, führt die Setzliste an. Im Januar 2015 war der Inder sogar die Nummer 44 der Welt. «Auf ihn darf man gespannt sein, er hat gerade letzte Woche Cesar Salazar, die aktuelle Weltnummer 24, geschlagen», sagt OK-Präsident Christoph Zust. «Dafür, dass gleichzeitig zum Sekisui Open mit dem Allam British Open ein Platinum Event stattfindet, freut es mich sehr zu sehen, dass gleich zwei Spieler aus den Top 70 den Weg nach Kriens auf sich nehmen.» Auch mit dabei sind fünf Schweizer: Reiko Peter, Amadeo Costa, Roman Allinckx sowie Cédric Kuchen, die alle in Kriens ihre Lizenz gelöst haben, sowie der Ustemer Robin Gadola. (skl)

Für ihn sei Squash aber nie das ganze Leben gewesen. «Das ist wohl der Grund, weshalb ich es nie in die Top 30 geschafft habe. Dafür musst du Squash leben. Will ich ausschlafen oder trainieren? Gehe ich in den Ausgang oder nicht?» Reiko Peter ging in den Ausgang – und lernte dort seine Frau kennen. «In der Schweiz hörst du nach einem guten Resultat oft, das sei der Lohn für die harte Arbeit. Aber du machst täglich deinen Lieblingssport. Das würden viele auch gerne machen.»

Was bleibt? «Es hat mir extrem gefallen. Ich habe viele Leute auf der ganzen Welt kennengelernt, viele Freunde. Das ist das Schönste.» Peter berichtet von Erlebnissen auf Märkten in Australien und Dubai, von einer Ankunft in Kanada um 21 Uhr ohne eine Übernachtungsmöglichkeit. «Wir haben ein Clubmitglied gefragt, wo wir übernachten könnten. Er sagte: Ihr könnt zu uns kommen.» Er glaube nicht, dass er irgendwelche negativen Erinnerungen habe. «Aber vielleicht blendet man die aus», lacht er.

Reiko Peter ist fünffacher Turniersieger

Reiko Peter hat viel erreicht. Auf der Profi-Tour gewann er fünf Titel. «Ich bin stolz darauf, zu was für einem Squasher ich mich gemacht habe», sagt der siebenfache Schweizer Vize-Meister. Im World Ranking stiess er bis auf Platz 66 vor. «Aber am wichtigsten für mich war, nach der Verletzung wieder zurückzukommen.» 2017 musste sich Peter an den Hüften operieren lassen. «Als Sportler willst du nie mit einer Verletzung aufhören. Weil es nicht dein eigener Entscheid ist.»

Das Ziel, nach der einjährigen Wettkampfpause wieder unter die besten 80 Spieler der Welt vorzustossen, habe er nicht erreicht. «Vor der Verletzung konnte ich mit Tempo alle aus dem Court powern. Nachher war ich nicht mehr so schnell. Ich musste lernen, wie es anders geht. Ich brauchte lange, um mein Spiel umzustellen. Nun kommt es mehr auf die Tagesform an.» Dafür sei er squashintelligenter geworden, meint Peter.

Die Profi-Karriere von Reiko Peter endet diese Woche mit dem Sekisui Open in Kriens (siehe Box). «Freunde, Kollegen, die Familie werde ich vermissen», sagt Reiko Peter. «Aber es gibt auch viele Leute in Kanada, die ich vermisse, wenn ich in der Schweiz bin.» Wenn es der Job zulasse, werde er für Kriens weiter «ein paar» Interclubspiele bestreiten, die Schweizer Meisterschaft, die Team-WM in Washington im Dezember und die Team-EM bleiben im Fokus. Auch auf der PSA-Tour wird Reiko Peter noch ab und zu starten. «Ich habe die Lizenz noch ein halbes Jahr gelöst. Aber Priorität hat für mich Kanada, dass ich mir dort ein Leben aufbauen kann, das für mich stimmt.»