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Nidwaldner Ski-Talente befinden sich auf dem Vormarsch

Kleiner Kanton, grosses Potenzial – aus Nidwalden schaffen es immer wieder begabte Athleten in die Kader von Swiss Ski. Cheftrainer Heiko Hepperle spricht über die Gründe und verrät, dass bald auch Nachwuchs ins eigene Haus einkehrt.
Stephan Santschi
Schnee ist ihr Element: Corinna Melmer und Heiko Hepperle. Bild: Manuela Jans-Koch (Klewenalp, 17. Januar 2019)

Schnee ist ihr Element: Corinna Melmer und Heiko Hepperle. Bild: Manuela Jans-Koch (Klewenalp, 17. Januar 2019)

Es waren besondere Worte, die der österreichische Superstar Marcel Hirscher vor kurzem an Marco Odermatt richtete: «Der kann Gesamtweltcupsieger, Olympiasieger werden – alles, was er möchte.» Odermatt, 21-jährig und im nidwaldischen Buochs zu Hause, war darob sichtlich gerührt. Sein Vater Walter bezeichnete Hirschers Einschätzung aber als wenig sinnvoll, «der Grat ist schmal», erklärte er, im weiteren Verlauf der Karriere könne noch so viel passieren. Ähnlich äussert sich auch Heiko Hepperle zur Thematik: «Wie viel Potenzial Marco hat, ist spätestens seit dem letzten Jahr mit fünf Goldmedaillen an den Junioren-Weltmeisterschaften bekannt. Ich bin aber einer, der den Ball immer flach hält. Solche Träume sind schön, doch sie nützen nichts, wenn Marco nicht liefert. Jetzt muss er liefern.»

Der 34-jährige Heiko Hepperle ist als Nachfolger von Rumo Lussi seit bald sieben Jahren der alpine Cheftrainer im Nidwaldner Skiverband (NSV). In Odermatts letztem JO-Jahr hatte er noch mit ihm zusammen gearbeitet. Schon damals habe man gemerkt, dass es sich bei diesem aufgeschlossenen, jungen Mann um einen Vollblutrennfahrer handelt, sagt Hepperle.

Wunsch nach mehr Beschneiung in den Skigebieten

Odermatt ist dabei nicht der einzige, der aus dem Kanton Nidwalden den Weg in den nationalen Verband Swiss Ski fand. Zusammen mit Reto Schmidiger, Leana Barmettler, Nathalie Gröbli und den Geschwistern Semyel und Carole Bissig kommen aktuell sechs B-Kader-Athletinnen und Athleten aus dem Kanton, der mit etwas mehr als 40000 Einwohnern zu den fünf Kleinsten der Schweiz zählt. Dazu hat vor einer Woche Andrea Ellenberger aus Hergiswil mit einem elften Platz im Riesenslalom von Kronplatz ein eindrückliches Comeback im Weltcup gegeben, weitere Athleten lauern im C-Kader und im Nationalen Leistungszentrum in Engelberg.

Wie kommt es zu dieser Fülle an Talenten? Hepperle erklärt, dass in Nidwalden verhältnismässig viele Jugendliche Skifahren würden. «Für uns sind die vielen kleinen Skipisten in der Region ein Privileg», sagt er mit Blick auf die Klewenalp, Stockhütte und Bannalp. Die acht Skiklubs aus Beckenried, Büren-Oberdorf, Wolfenschiessen, Buochs, Emmetten, Hergiswil, Stans und Dallenwil würden dem NSV immer wieder viel Nachwuchs liefern. «An der Basis wird gute Arbeit geleistet», betont auch NSV-Präsident Andreas Bossi.

Hepperles Devise: Kein Skitraining im Sommer

Für Heiko Hepperle steht deshalb fest: «Wenn wir diese Skigebiete dereinst nicht mehr haben sollten, wird es für uns schwierig.» Aufgrund der mittlerweile spät einsetzenden Schneefälle im Winter wünscht er sich eine noch intensivere Beschneiung in den Nidwaldner Skigebieten. «Jede Gemeinde hat einen Sportplatz und eine Turnhalle. Mindestens jede dritte oder vierte Gemeinde sollte einen Skilift und Beschneiungsanlagen haben. Wenn man wie jetzt erst im Januar mit dem Skifahren beginnen kann, fehlen sechs Wochen im Schnee. So können unsere kleinen Skigebiete irgendwann nicht mehr mithalten.»

Als NSV-Cheftrainer und Sportlicher Leiter des Regionalen Leistungszentrums in Hergiswil liegt bei Heiko Hepperle die Hauptverantwortung dafür, dass der Nachschub an Talenten nicht versiegt. «Heiko ist fachlich sehr kompetent und bringt den Jugendlichen auch viel Empathie entgegen», lobt Verbandspräsident Andreas Bossi. Nach seinem Amtsantritt im Jahr 2012 versuchte Hepperle, den Schneesport wieder in den Schulalltag zu integrieren. Als er merkte, dass dies nicht umsetzbar war, rief er das Talent-Skifahren ins Leben. «Jeden Dienstagnachmittag organisieren wir Trainings für 10- und 11-Jährige», berichtet Hepperle.

Am Sichtungstag im März werden die Begabtesten dann in den U12-Kader des NSV aufgenommen. «Von da an sind sie in unserem System», sagt Hepperle. Vor der Arbeit im Schnee stehen jeweils Konditionstraining und polysportive Tätigkeiten auf dem Programm. «Im Sommer fahre ich nie Ski», stellt Hepperle klar. «Das spart Geld und Energie, die man auf dem Gletscher sofort wieder hergeben würde.»

A-Kader-Fahrerin Priska Nufer ging auch in Hergiswil zur Schule

Nach drei Jahren kommt es zur Selektion für das Regionale Leistungszentrum in Hergiswil. Die Hürde hierzu ist hoch, nur wer wirklich weiterkommen will, schafft diesen Cut. Auch der mittlerweile zurückgetretene Bernhard Niederberger (B-Kader) und die aktuelle Obwaldner A-Kader-Fahrerin Priska Nufer absolvierten diese auf den Sport abgestimmte schulische Ausbildung am Fuss des Pilatus. Danach, im Anschluss an eine sechsjährige Zusammenarbeit, entlässt Hepperle seine Schützlinge ans Nationale Leistungszentrum mit der Sportmittelschule in Engelberg. Dass er ein gutes Auge für Talente hat, zeigt die Statistik: «95 Prozente aller Schüler in Hergiswil, die aufs Skifahren setzten, schafften es nach Engelberg.»

So richtig zu prägen, vermag Hepperle die Talente seit dem Jahrgang 2000, sie waren die ersten, die unter ihm die ganze Ausbildung im NSV mitmachten. Die hoffnungsvollsten Akteure aus seiner Talentschmiede sind Joel Lütolf (C-Kader) und Delia Durrer (Nationales Leistungszentrum). «Viele weitere sind noch in der Pipeline», ergänzt er schmunzelnd. Wozu sie es dereinst bringen könnten, werde man in ein paar Jahren sehen, sagt er zurückhaltend. In Sachen Vorschusslorbeeren hält er es eben wie Marcos Vater Walter Odermatt.

Im Sommer als Wirt auf die Alp

Heiko Hepperle ist als alpiner Cheftrainer im Nidwaldner Skiverband (NSV) und als Sportlicher Leiter des Regionalen Leistungszentrums in Hergiswil seit bald sieben Jahren für die Spitzensportförderung im Kanton Nidwalden verantwortlich. Die Arbeit im Schnee teilte er sich bis vor kurzem mit seiner schwangeren Partnerin Corinna Melmer. Mittlerweile hat sie sich zurückgezogen, in drei Wochen erwartet das Paar erstmals Nachwuchs. «Wir sind beides Sturköpfe, ergänzen uns aber sehr gut», sagt Heiko Hepperle und lacht. Während Corinna die Filigrantechnikerin sei, sieht er sich selber als Vollgastypen. «Meine Priorität liegt auf der Frage, wie schnell ich von A nach B komme.» Bauernsohn wird mit 20 Jahren selbstständiger Skilehrer Für die nächste Saison wird das Arbeitspensum von Hepperle beim Nidwaldner Skiverband wieder von 80 auf 100 Prozent angehoben. In den letzten beiden Jahren verbrachte das Paar den Sommer jeweils im Tirol. Auf rund 1800 Metern bewirtschafteten sie die Bad Kissinger Hütte mit 70 Schlafplätzen. «Den Traum, eine Berghütte zu führen, hatten wir schon länger gehegt», erklärt Hepperle. Rückblickend nutzte ihm diese Arbeit für die Persönlichkeitsentwicklung. «Wir hatten ein paar Angestellte und viele Gäste. Ich musste aus meiner Komfortzone raus. In Sachen Menschenführung und Organisatorisches habe ich Erfahrungen sammeln können.» Aufgewachsen ist der mittlerweile 34-jährige Deutsche auf einem Bauernhof in der Nähe von Ulm. Als 20-Jähriger kam er in die Schweiz nach Appenzell und machte sich als Skilehrer selbstständig. Nach einem Gastspiel als Betreuer des liechtensteinischen FIS- und Europacup-Teams der Frauen kam er 2012 in den Kanton Nidwalden. Gemeinsam mit Corinna lebt er in Beckenried. (ss)

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