Neuer Rollstuhl, schnelle Strecke – das Drehbuch zum Rekord für Manuela Schär steht

Die Krienserin Manuela Schär will am Sonntag beim Oita-Marathon das Jahr mit dem 10. Sieg in Serie abschliessen.

Jörg Greb
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Manuela Schär posiert für ein Bild, nachdem sie die Zielgerade beim New York City Marathon in der Kategorie Rollstuhl passiert hat. (Bild: AP Photo/Seth Wenig, New York, 4. November 2018)

Manuela Schär posiert für ein Bild, nachdem sie die Zielgerade beim New York City Marathon in der Kategorie Rollstuhl passiert hat. (Bild: AP Photo/Seth Wenig, New York, 4. November 2018)

Speziell Marcel Hug und Catherine Debrunner sorgten in dieser Woche an den Para-Weltmeisterschaften in Dubai mit Medaillengewinnen für Schlagzeilen. Manuela Schär hätte auch dazuzählen können. Doch die Vorzeigeathletin setzt auf die Marathon-Rennen auf der Strasse und verzichtete deshalb auf die Titelkämpfe auf der Bahn.

Für Schlagzeilen sorgte die 34-Jährige in den letzten Tagen nach dem Sieg am New York Marathon in den Schweizer Medien dennoch. Dabei gewährte die Krienserin Schär tiefe Einblicke in ihr Innenleben. Vor allem der geringe Kalorienbedarf (2000 pro Tag) trotz sportlicher Höchstbeanspruchung gab viel Gesprächsstoff. Und auch die Aussage, dass sie alle ihre Medaillen und Trophäen sofort abgeben würde, könnte sie wieder gehen, ging tief unter die Haut.

Eindrückliche Siegesserie weiterführen

Die Erfolgsserie von Manuela Schär ist eindrücklich, ist sie doch auf der Marathonstrecke seit rund 18 Monaten ungeschlagen. Neun Siege reihte sie bisher an­einander – und sie alle zählen zur Majors-Serie: New York (2 Siege), Berlin (2), Chicago (2), Tokio (1), London (1) und Boston (1). Die letzte «Niederlage» über die 42,195 km musste sie im ­April des vergangenen Jahres in Boston hinnehmen – als sie sich von der Kälte und dem Regen zur Aufgabe gezwungen sah.

Am Sonntag soll diese Serie im japanischen Oita eine Fortsetzung finden. Mit einem weiteren Sieg – es ist der siebte Marathonstart in diesem Jahr – könnte sie ihre Ungeschlagenheit auf zehn Einheiten steigern. Oita ist ein Traditionsrennen, ganz ausgerichtet auf die Rollstuhlsportler. Die Strecke gilt als äusserst schnell. So fuhr Heinz Frei den noch immer gültigen Marathon-Weltrekord in Oita. Und auch Schär schaffte 2014 dieses Kunststück. Mittlerweile unterbot sie diese Bestmarke vor 14 Monaten in Berlin in der Zeit von 1.36.53 Stunden. «Je nach Witterungsbedingungen werde ich einen Rekordangriff planen», sagte Schär vor dem Abflug am Mittwoch. Dabei will sie sich mit Susannah Scaroni absprechen. Die Amerikanerin unterstützte sie bereits beim Weltrekordrennen in Berlin, indem sie der Schweizerin bis Streckenhälfte heftige Gegenwehr leistete.

Noch ausgereifter, noch aerodynamischer

Zusätzliche Zuversicht gibt Manuela Schär ein neuer Rennrollstuhl. Er soll ausgereifter, aerodynamischer und somit noch schneller sein als das bisherige Modell, massgeschneidert von ihrem Ausrüster Honda. Dieses Sportgerät erstmals in Japan an einem Wettkampf einzusetzen, würde perfekt ins Drehbuch eines Weltrekords passen.

Der Sieg und der eventuelle Weltrekordversuch sind nicht die einzigen Schwerpunkte des Japan-Trips. Schär will erkunden, ob sich die Destination Oita für einen längeren Aufenthalt eignen würde. Geplant ist, dass für die Schweizer Rollstuhlsportler die Vorbereitung und somit die Akklimatisation für die Paralympics im August 2020 in Oita stattfinden würde.