Unterwegs am Familienlauf: Wenn ein süsses Lächeln alles sagt

Gross und Klein feiern bei fast trockenen Bedingungen ein grosses Lauffest. Für Martina und Patrick Beck aus der Stadt Luzern ist es die Premiere im Familienlauf. Auch ihre dreijährige Tochter Fiona lässt sich von der Stimmung am Luzerner Stadtlauf inspirieren.

Stephan Santschi
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Ein letztes Gruppenbild vor dem Start für Martina, Fiona und Patrick Beck. (Bild: Roger Zbinden, 4. Mai 2019)

Ein letztes Gruppenbild vor dem Start für Martina, Fiona und Patrick Beck. (Bild: Roger Zbinden, 4. Mai 2019)

«Als Luzerner gehört das einfach dazu.» Patrick Beck macht keinen Hehl daraus, dass er sich als stolzer Stadtluzerner praktisch zur Teilnahme am Stadtlauf verpflichtet fühlt. «Vor zwei Jahren war ich erstmals dabei, damals mit meinen Arbeitskollegen im Firmenrennen. Dadurch bin ich auf den Geschmack des Laufens gekommen. Rund 1000 Kilometer habe ich seither absolviert.»

Am Samstag nun tauchte der 32-Jährige erstmals mit seiner jungen Familie in das Bad der Volksläufer. Seine Frau Martina (29), ursprünglich aus Kriens und das dreijährige Töchterchen Fiona zählten zu den rund 6000 Teilnehmern, die sich für die Familienläufe angemeldet hatten. In Reussbühl zu Hause, sind sie gemeinsam mit ihrem Hund viel zu Fuss im Wald unterwegs, für Patrick war es daher nur eine Frage der Zeit, bis sie erstmals gemeinsam am Stadtlauf mitmachen werden.

Im Ziel warten Bier, Sirup und ein Schoggistängeli

Eine Stunde vor dem Start machen sie sich vor einem Restaurant im Bahnhof Luzern bereit für den Einsatz. Regenjacke, Startnummer, Rucksack – alles ist bereit. Und die Renntaktik? Martina Beck lacht: «Wenn eine Pfütze kommt, spielen wir mit Fiona ‹Engelchen, Engelchen, flieg!› Sonst bleibt sie stehen und will im Wasser spielen.» Im Ziel wartet ein feiner Sirup und ein Schoggistängeli auf die Kleine, verspricht Martina. Und auf die Eltern ein Finisher-Bier.

Dann geht es weiter zum Start an der Bahnhofstrasse, wo sich zahlreiche Gleichgesinnte bereits eingereiht haben. «Das ist ja ein unglaublich grosses Feld», staunt der Speaker. Vorne stehen ältere Kinder mit ihren Eltern, die, so verraten es ihre fokussierten Gesichtszüge, sich einiges vorgenommen haben. Die Familie Beck befindet sich im hinteren Drittel, lässt die Schnellen flitzen. Und nimmt die 1,51 Kilometer lange Strecke nach dem Startschuss in gemütlichem Tempo in Angriff. «Es wird wohl ein schneller Spaziergang», sagt Patrick Beck noch. Und schmunzelnd fügt er an: «Unser einziges Ziel ist, dass unser Kollege, der eine Kategorie später startet, uns nicht überholt.»

15 Minuten später ist bereits alles vorbei, überraschend früh überqueren sie Hand in Hand die Ziellinie am Kapellplatz. «Hey, bravo Fiona», feiern die beiden Eltern ihr Mädchen. «Ich bin überrascht, wie gut es gegangen ist», sagt Martina Beck, «ich dachte, sie würde mehr bocken.» Patrick hält derweil fest, dass er selber ordentlich ins Schwitzen gekommen sei. Kurz nach dem Start habe er Fiona nämlich auf die Schultern nehmen müssen, just beim Mühlenplatz, wo sich die Zahl der Zuschauer am Strassenrand häuften, erfolgte von oben dann aber das klare Kommando: «Papa, runter lassen!» Die Menge hat den Dreikäsehoch offensichtlich motiviert, den letzten Abschnitt selber unter die Füsse zu nehmen. «Für eine Familie ist das ein mega-schöner Anlass», schwärmt Martina. Und ihr Mann Patrick betont: «Das Wetter blieb trocken, genau so haben wir uns das vorgestellt.» Bleibt noch die Frage an Fiona, wie es ihr gefallen hat. Die Antwort: Ein süsses Lächeln, dann reibt sie sich die Augen. Die Premiere am Stadtlauf hat sie müde gemacht. Höchste Zeit also, die erste Medaille der noch jungen Laufkarriere entgegenzunehmen. Und sich den Ziel-Sirup und das Schoggistängeli schmecken zu lassen.