Der Luzerner Turn-Nachwuchs sorgt für Furore

Die Jugendsektion des BTV Luzern verteidigt den Schweizer-Meister-Titel am Sprung.

Stefanie Meier
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Der BTV Luzern feiert den Schweizer-Meister-Titel in der Disziplin Sprung.

Der BTV Luzern feiert den Schweizer-Meister-Titel in der Disziplin Sprung.

Bild: PD (Bellinzona, 1. Dezember 2019)

Die 28 Turnerinnen und Turner des Bürgerturnvereins Luzern sind Wiederholungstäter und Medaillenjäger im positiven Sinne. Mit Ausnahme eines dritten und eines vierten Ranges in den Jahren 2017 und 2016 stand die Jugendsektion des BTV Luzern seit 2011 in der Disziplin Sprung immer ganz oben auf dem Podest. Kein Verein konnte ihnen bisher das Wasser reichen. Noch nicht, denn der STV Rickenbach-Beromünster hatte in den letzten Jahren Boden gutgemacht und kommt leistungsmässig immer wie näher an die Stadtluzerner heran. Bis sie sich dann vergangenes Wochenende in Bellinzona quasi auf Augenhöhe begegneten. Und das kommt nicht von ungefähr. Beide Vereine gehören längst zu den erfolgreichsten Geräteturnsektionen schweizweit, sei es am Sprung, Barren oder an den Schaukelringen.

Als mehrfache Medaillensieger können sie ihrer Jugend viel an Erfahrung weitergeben. Wie gewinnen funktioniert, muss man ihnen also nicht erklären. Die aufstrebenden Turnerinnen und Turner wurden dem Ruf ihrer beider Vereine zu 100 Prozent gerecht. In puncto Nervosität sind sie ihrem älteren Pendant möglicherweise gar einen Schritt voraus. «Von Nervosität war keine Spur. Im Gegenteil, sie haben vor lauter Vorfreude, Motivation und Ehrgeiz wohl ganz vergessen, nervös zu sein», erklärte Marion Gasser, Technische Leiterin beim BTV Luzern. Letztendlich taten auch die vier Hundertstel Abzug für einen Sturz kaum weh. Mit einer Endnote von 9,46 Punkten gewann der BTV Luzern den Schweizer-Meister-Titel vor Rickenbach-Beromünster (9,38) und dem TV Kirchberg (9,28). Marion Gasser war sich des Sieges jedoch lange nicht sicher. «Rickenbach-Beromünster zeigte eine sehr gute Vorführung. Ihr Programm hat mir gefallen und ich hätte nicht sagen können, wer denn jetzt besser war.»

Nachwuchsförderung wird grossgeschrieben

Der BTV Luzern ist einer von vielen Vereinen, der wertvolle Nachwuchsförderung leistet. So trainieren sie nebst den Trainings im Einzelgeräteturnen ein weiteres Mal für die Jugend-Sprungsektion. Marion Gasser und ihr vierköpfiges Leiterteam unterstützen eine Horde motivierter und technisch gut ausgebildeter Turnerinnen und Turner bei ihrem Hobby. Im Alter von elf, zwölf Jahren kann ein Athlet der Jugendsektion beitreten und bleibt bis ungefähr 17 Jahren, bis zum Übertritt in die Aktivsektion des grossen BTV Luzern.

Die Trainings beim Nachwuchs laufen ganz ähnlich ab wie bei den Aktiven. «Wir brauchen vielleicht ein, zwei Trockendurchgänge mehr – aber sie lernen Abläufe, Haltung und Rhythmus sehr schnell», so die technische Leiterin. Auf die Frage, ob denn die Jungen auch was besser können als die «Alten», gibt sie schmunzelnd zu verstehen: «Ja, sie sind pünktlicher.»

Die Details machen es aus

In den Trainings werden nebst dem eigentlichen Sprungprogramm und der Technik vor allem auch kleine aber enorm wichtige Details geschult: Haltung, Spannung und die Einstellung, auch nach einem vielleicht misslungenen Sprung sich ordentlich hinzustellen und weiterzumachen. Auf die vergangene Saison hin hatte die BTV-Jugendsektion viele Neueintritte zu verzeichnen. «Ich war positiv überrascht, wie schnell die Jungen all die Abläufe gelernt haben. Für sie ist es besonders schwierig, weil sie vom Niveau her eher vorne eingereiht werden», erklärte Gasser und fügte hinzu: «Sie haben die grosse Aufgabe, jeweils als Erstes loszulaufen, und somit müssen sie und natürlich auch alle anderen vom Team das Programm im Schlaf beherrschen.»

Eine Sektion mit Perspektiven

Relativ früh beginnt der BTV im Training zur Musik zu turnen, damit die Turnerinnen und Turner ein Rhythmusgefühl entwickeln. Anfangs gibt das Leiterteam den Rhythmus noch vor, zählt den Takt mit, gibt Armzeichen. Doch schon nach wenigen Trainings sei das nicht mehr nötig. Nach dem erfolgreichen Wochenende in Bellinzona folgt eine Phase der Vorbereitung im Sinne von «neue Elemente lernen». Geplant sind auch einige Schaukelring-Trainings. «Wir turnen bei den Aktiven auch Schaukelringe, und es würde durchaus Sinn machen, diese Disziplin in der Jugendsektion anzubieten», so Gasser vorausschauend. Fakt ist: Den BTV-Newcomern gehen die Perspektiven nicht so schnell aus.

Bellinzona. Schweizer Meisterschaften Vereinsturnen. Jugend A. Boden: 1. Balgach 9,58 Punkte. 2. Aigle-Alliance 9,45. 3. Corsier-Corseaux 9,28. Ferner: 13. STV Sarnen 8,13. – Schaukelringe: 1. Vevey 9,33. 2. Benken 9,29. 3. Siebnen 9,10. Ferner: 5. ESV Eschenbach 8,67. – Sprung: 1. BTV Luzern 9,46. 2. STV Rickenbach-Beromünster 9,38. 3. TV Kirchberg 9,28. – Gymnastik Kleinfeld: 1. Kreuzlingen 9,38. 2. Rohrdorf 9,34. 3. TV Sins und TV Matten 9,27. Ferner: 6. STV Ettiswil 9,18.