Fabian Kuert und Nicole Egger: Mit einer Spontan-Idee zum Doppelerfolg

Die beiden prominentesten Athleten am Luzerner Stadtlauf heissen Fabian Kuert und Nicole Egger, beide von der LV Langenthal und ihres Zeichens Schweizer Elitemeister. Die Rechnung geht resultatmässig aber nur für Egger auf.

Jörg Greb
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Fabian Kuert siegt in der Altstadt Classic. Nicole Egger feiert einen Doppelerfolg: Siegerin der Altstadt Classic und über die 7 Kilometer der Musegg Classic. (Bilder: Pius Amrein, 4. Mai 2019)

Fabian Kuert siegt in der Altstadt Classic. Nicole Egger feiert einen Doppelerfolg: Siegerin der Altstadt Classic und über die 7 Kilometer der Musegg Classic. (Bilder: Pius Amrein, 4. Mai 2019)

Ein Trompeter der «Ziel-Gugge» traf die Stimmung dieses 42. Luzerner Stadtlaufs mit seinen Tönen perfekt: Oh Tannenbaum stimmte er zuerst an, dann Stille Nacht. Das Wetter bildete den Anlass. Zuerst regnete es in Strömen, sodann wurde es immer kälter, was zu Schneeflocken und garstigem Rieseln führte. Winterliche Verhältnisse also an diesem ersten Mai-Samstag.

Die Läuferinnen und Läufer hatten mit der Nässe und Kälte klar zu kommen. Und die schlechte Witterung beeinflusste auch die Schnellsten. So auch die beiden Prominentesten im Feld, Nicole Egger und Fabian Kuert. Sie ist die aktuelle 10-km-Strassenlauf-Meisterin, er der Meister im Langcross. Sie planten ursprünglich grosszügig. Sie nahmen sich die 3,85 km lange Altstadt-Classic vor und wollten anschliessend «etwas noch Zügigeres anhängen» auf der Rundbahn auf der Allmend. Schliesslich, so betonten beide: «Für uns Berner ist der nächste Samstag mit dem GP Bern wichtiger.» Am bedeutendsten Schweizer Volkslauf messen sie sich beide über die Distanz von 10 Meilen (16,1 km).

Eggers Entspanntheit

Das Vorhaben Allmend strichen sie aber nach ihren erfolgreichen Läufen über die Kurzdistanz – Kuert siegte nach 11:41 Minuten sechs Sekunden vor Markus Föllmi (Immensee/23), acht Sekunden vor Andreas Meyer (Luzern/33), und Egger distanzierte die Widersacherinnen noch deutlicher mit 12:50 Minuten und einem Vorsprung von 59 Sekunden auf Jeanne Wildisen (St. Niklausen/21) und 1:05 Minuten auf Myriam Keiser (Rotkreuz/27). Zu nass, zu durchfroren und zu angeschlagen fühlten sie sich jetzt.

Mit einer Billigvariante und dem Heimfahren in die warme Stube aber wollten sie sich nicht begnügen. Stattdessen entschieden sich die beiden zum Start auch über die 7-km-Strecke der Musegg-Classic. Mit identischem Ziel: dem Einfahren des Sieges, des zweiten innert gut einer Stunde.

«Ich gab im ersten Rennen Vollgas», sagte Egger. Zwar hatte sie sich nicht wie befürchtet gegen die Gettnauerin Flavia Stutz zu behaupten. So stand ihr Sieg nie zur Diskussion. Dennoch beschrieb sie ihren Einsatz als Kampf: «Ich musste mich überwinden.» In den rund 30 Minuten, die ihr zur Vorbereitung des zweiten Rennens blieben, machte das Wetter eine normale Vorbereitung illusorisch. Bei der 34-Jährigen bewirkte das eine wohltuende Entspanntheit. «Ich trug nun Handschuhe und das führte zu einem angenehmeren Gefühl», sagte sie. Der Sieg über die 7 km fiel noch deutlicher aus: 1:51 Minuten nahm sie der zweiten Barbara Jurt ab, 2:52 der dritten Christine Wyrsch (Sachseln/38).

Dieselbe Vorgabe wie seine Vereinskollegin steuerte auch Fabian Kuert an. Und er trat mit bleibenden Erinnerungen an: Vor dreieinhalb Jahren gewann er am Lucerne Marathon seinen ersten Meistertitel auf nationaler Ebene. Nun aber scheiterte Kuert bei seinem zweiten Rennen beim Versuch, Geschichte zu schreiben. Nachdem er das Feld lange angeführt und für eine schnelle Vorentscheidung gesorgt hatte, zeigte ihm Yves Cornillie (Huttwil) auf der zweiten Streckenhälfte den Meister. «Es ging einfach nichts mehr, meine Muskeln fühlten sich wie blockiert an», versuchte er das Durchlebte zu erklären. Für den 35-Jährigen kam dieses Verdikt unerwartet. Es war aber erklärt: «Ich schlotterte enorm bis kurz vor dem Start, das war für meinen Motor zu viel.»

Kuert: «Das war nicht so mein Tag»

Wie anscheinend spielend ihn Cornillie stehen liess, machte ihn aber unzufrieden. Er erklärte: «Eigentlich hat Yves gegen mich keine Chance.» Heran zog er dabei die 10-km-Zeiten. Er läuft jene Distanz unter 30 Minuten, Cornillie benötigt über 31. Auf der Zielgeraden zog er zudem gegen Manfred Jauch (Altdorf/44) den Kürzeren.

«Das war nicht mein Tag», fasste Kuert seine zwiespältigen Gefühle in Worte. Gross beschäftigen sollten sie ihn fortan aber möglichst nicht mehr. «Wichtig ist der nächste Samstag und der GP Bern. Das war ein harter Test, und das Resultat versuche ich abzuhaken.» Und vielleicht kann ihn Nicole Egger, die in derselben Trainingsgruppe läuft, wieder inspirieren. Zusammen trainieren sie allerdings selten. Die harten Bahntrainings überschneiden sich aber ab und an. «Wenn Fabian zum Beispiel zwölf 400-m-Intervalle läuft, kann ich mit längeren Regenerationspausen drei Einheiten im selben Rhythmus laufen.»