Krienser Fussballer zuerst schwach, dann dominant, am Schluss im Glück

Kriens spielt daheim in der Challenge-League-Partie gegen Schaffhausen 2:2 (1:1). Weil Chiasso in Winterthur verliert, kann sich der SCK um einen weiteren Punkt vom Tabellenende entfernen.

Turi Bucher
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Schaffhausen-Trainer Murat Yakin hatte schon recht, als er sagte, es sei insgesamt keine gute Partie gewesen. Trotzdem hatte das Spiel vier Tore und eine richtig turbulente Schlussphase zu bieten. Kriens hätte die Partie auf Grund der Überlegenheit in der zweiten Halbzeit gewinnen müssen. Doch am Schluss mussten die Krienser tief durchatmen, denn der SCK hätte die Partie in der Nachspielzeit auch noch verlieren können.

Die Krienser Nico Siegrist (rechts) und Liridon Berisha (links) können sich am Ende über einen Punkt gegen Schaffhausen freuen. (Bild: Philipp Schmidli, 26. Oktober 2019)

Die Krienser Nico Siegrist (rechts) und Liridon Berisha (links) können sich am Ende über einen Punkt gegen Schaffhausen freuen. (Bild: Philipp Schmidli, 26. Oktober 2019)

Es war vor allem eine ziemlich fade erste Halbzeit vor nur 1150 Zuschauern. Sie war geprägt von Fehlpässen, Unkonzentriertheiten und Missverständnissen. Es schien, als ob Schaffhausen nicht mehr zu bieten hatte und Kriens … auch nicht. Wobei: Die Nordschweizer wehrten sich mit einem sehr hohen Pressing – taktisch natürlich von Trainer Murat Yakin optimal aufgestellt –, was sehr viele Balleroberungen zur Folge hatte. Viel Konstruktives brachten die Schaffhausener allerdings auch nicht zu Stande. Der Ballbesitz hatte immerhin zur Folge, dass die Krienser selber nicht richtig ins Spiel kamen.

Schnell in Rückstand, schneller Ausgleich

Schaffhausen gelang schon nach neun Minuten mit einem Flachschuss von Hélios Sessolo der Führungstreffer. Das Yakin-Team hatte das 1:0 vor allem der lethargischen, schläfrigen Strafraumarbeit der Krienser zu verdanken. Der Kriens-Ausgleich fiel bald, in der 16. Minute. Das 1:1 war immerhin die schönste Szene der ersten Halbzeit. Omer Dzonlagic bediente von rechts Nico Siegrist, der zentral stehend den Ball mit einer Direktabnahme ins Netz drosch.

Nico Siegrist brachte die Krienser mit seinem 1:1 zurück ins Spiel. (Bild: Philipp Schmidli, 26. Oktober 2019)

Nico Siegrist brachte die Krienser mit seinem 1:1 zurück ins Spiel. (Bild: Philipp Schmidli, 26. Oktober 2019)

Dzonlagic hatte sich an der rechten Grundlinie elegant und hartnäckig zugleich durchgedribbelt. Dieser Mann ist zur Zeit einfach in Topform und für den SC Kriens unentbehrlich. Danach: Flaute, viel Langeweile. Siegrist sorgte in der 31. Minute mit einem Kabinettstücklein noch für etwas Aufregung, Schaffhausen-Torhüter Amir Saipi konnte über die Latte in Corner lenken.

Abubakar und Kukeli sorgen für Schwung

Nach einer Stunde Spielzeit schüttelte Bruno Berner die richtigen Einwechslungen aus dem Trainerärmel. Stürmer Asumah Abubakar und Mittelfeldmann Burim Kukeli kurbelten das Krienser Spiel an, das Heimteam war nun deutlich überlegen. Schon drei Minuten nach seiner Einwechslung war Abubakar zum 2:1 erfolgreich. Siegrist hatte den Ball an ihn weitergeleitet, der Ghanaer Abubakar sah seinen Schuss zuerst von Saipi abgewehrt, reüssierte dann aber im zweiten Anlauf.

Schaffhausen war geschockt, konnte nicht reagieren – Kriens kombinierte nun stilsicher. Ex-Luzern-Profi Daniel Follonier versuchte das SCK-Spiel anzukurbeln, auch er ist in dieser Form ein Gewinn für Kriens. Den Gästen fehlte nun die Kraft für das Pressing, Schaffhausen musste Kriens gewähren lassen. Siegrist hätte in der 80. Minute die Entscheidung, das 3:1 herbeiführen können, ja müssen: Statt den Torschuss selber zu versuchen, spielte er den Ball auf Abubakar – es war ein Querpass zu viel, Schaffhausen überstand die Szene. Und erzielte mit dem nächsten Angriff durch Simone Belometti den überraschenden 2:2-Ausgleich.

Stimmen zum Spiel

Nico Siegrist (Kriens-Stürmer): «Das Resultat ist für uns ernüchternd. Wir hätten uns den Sieg verdient, kämpferisch und spielerisch. Wir bringen uns selber um den Lohn. Es fühlt sich an wie eine Niederlage. Ich nehme mich an der eigenen Nase, ich wollte es zu schön machen. Den letzten Querpass hätte es nicht gebraucht. Ich muss mich bei der Mannschaft entschuldigen. Es ist bitter, dass der Gegenzug dann gleich ausgenutzt wird. Am Schluss müssen wir uns sogar noch glücklich schätzen, dass beim Eigentor abseits gepfiffen wird. Ansonsten wären wir mit leeren Händen dagestanden.»

Bruno Berner (Kriens-Trainer): «Am Schluss müssen wir den Punkt so hinnehmen. Wie haben es verpasst, das 3:1 zu schiessen. Der Doppelwechsel hat sofort Wirkung gezeigt. Wir hatten die Kontrolle über das Spiel, Schiessen wir das 3:1, holen wir drei Punkte. Wir waren zu wenig konsequent vor dem Tor. Das Momentum kehrte nach dem 2:2. Gegen das Spiel von Murat Yakin brauchst du Geduld. Es ist immerhin ein Punkt, und wir sind zum ersten Mal zwei Spiele nacheinander ungeschlagen. Es war ein hochinteressanter Match auf taktischer Ebene.»

Murat Yakin (Schaffhausen-Trainer): «Der SC Kriens ist immer ein unangenehmer Gegner. Kriens spielt mit viel Selbstvertrauen und mit einem System, welches auf Konter ausgelegt ist. Es war insgesamt kein gutes Spiel. Dass unser drittes Tor aberkannt wurde, kann ich immer noch nicht nachvollziehen. Ich werde die Szene auf Video genau studieren. Aber ich kann mit diesem Punkt leben.» (swe/tbu.)

Bürgisser-Eigentor wird als Abseits gewertet

Beinahe wäre es in der turbulenten Nachspielzeit noch zur «Kriens-Katastrophe» gekommen. Eine letzte Freistossflanke von Schaffhausen, und der Krienser Anthony Bürgisser lenkte den Ball mit dem Hinterkopf ins eigene Tor zum vermeintlichen 2:3 ab. Zum Entsetzen von Murat Yakin und der gesamten FC-Schaffhausen-Crew diktierte der Schiedsrichter aber eine Abseitsposition. «Weil der Schaffhausen-Stürmer im Zweikampf mit dem köpfelnden Krienser Kontakt hatte, entstand eine aktive Abseitsposition», erklärte Ref Luca Piccolo nach seinem Schlusspfiff.

Telegramm:

Kriens – Schaffhausen 2:2 (1:1)
Kleinfeld. – 1150 Zuschauer. – SR Piccolo.
Tore: 9. Sessolo 0:1. 16. Siegrist 1:1. 64. Abubakar 2:1. 80. Belometti 2:2.

Kriens: Osigwe; Fäh, Elvedi, Berisha; Ulrich, Follonier, Wiget (76. Bürgisser), Yesilçayir (61. Abubakar), Sadrijaj (61. Kukeli), Dzonlagic; Siegrist (87. Tadic).

Schaffhausen: Saipi; Krasniqi (7. Qollaku), Müller, Mevlja, Belometti; Kronig (65. Tranquili); Paulinho, Lika, Sessolo (88. Coulibaly), Del Toro; Zé Turbo (58. Missi Mezu).

Bemerkungen: Kriens ohne Texeira, Alessandrini, Hoxha, Urtic und Fanger; Schaffhausen ohne Bislimi, Nikci und Bunjaku (alle verletzt). 65. Flanke von Ulrich auf die Latte. 93. Eigentor von Bürgisser wegen Schaffhausen-Abseits aberkannt. Verwarnungen: 55. Dzonlagic, 56. Lika, 79. Del Toro, 92. Berisha, 94. Dzonlagic (Fouls), 95. Follonier und Paulinho (Unsportlichkeit).