Kriens macht in Zagreb kurzen Prozess

Starker Auftritt des HC Kriens-Luzern: 28:19(12:8)-Sieg im Rückspiel gegen RK Dubrava.

Roland Bucher
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Sprungwurf des Kriensers Filip Gavranovic.

Sprungwurf des Kriensers Filip Gavranovic.

Bild: Pius Amrein (Kriens, 29. August 2020)

Die Krienser Handballer haben so richtig mächtig Fahrt aufgenommen. War das Hinspiel vor einer Woche gegen den Dritten der kroatischen Liga noch eine ziemlich träge und zähe Angelegenheit (29:27-Minisieg), so zeigte die Mannschaft im Rückspiel in Zagreb von der ersten Minute an, wer der Chef auf dem Platz ist. «Das war unsere Absicht», fasste Trainer Goran Perkovac zusammen, «und dieses Vorhaben haben wir erfüllt. Ich bin zu 90 Prozent zufrieden.»

Pardon, ein kroatisches Spitzenteam aus den Angeln zu heben und zu Mängelrügen ansetzen? Perkovac, als Captain des kroatischen Olympiasiegers von 1996 eine Legende und von den heimischen Zagreber Fans nach dem Spiel mit sehr viel Applaus bedacht, entgegnet: «Im Gegenstoss waren wir nicht perfekt, im defensiven Block gab’s für meinen Geschmack zu viel Lücken, in der Angriffskombination könnte ich mir noch eine Spur Genialität mehr vorstellen.» Jammern auf hohen Niveau.

Trainer Perkovac richtig stolz auf sein Team

So resolut Kriens anpackte, so krass potenzierte sich der Vorsprung. Bald lagen nicht nur handballerisch Welten, sondern auch vier Tore Differenz zwischen den Widersachern. Kriens verbarrikadierte sich in der Abwehr oft minutenlang mit breiter Brust, war beim Abschluss wesentlich entschlossener als noch vor einer Woche.

«Wir haben die Hemmungen und die Nervosität abgestreift und bewiesen, dass wir auch auf europäischem Parkett etwas auszurichten haben. Die meisten unserer Leute haben noch nie international gespielt und demontieren einen Gegner des Formats von Dubrava. Das macht mich stolz», meinte Perkovac.

Der Trainer durfte sich früh zurücklehnen und das tun, was er am liebsten macht: neue taktische Feinheiten austüfteln, seine Leute andere Wege gehen lassen, ihnen in der Spielge­staltung individuelle Freiheiten offerieren. Handball soll Spass machen, das ist sein Credo: «Wir haben heute mit viel Freude gespielt und gezeigt, dass wir auf einem guten Weg sind», lobte der Trainer.

Die Power der Jungen

Und der schickte schon bald ­einmal auch seine junge Garde aufs Feld. «Es ist unsere Philosophie», erklärt Perkovac, «mit jungen Leuten einen attraktiven, guten Handball zu spielen, uns als gute Adresse für hoffnungsvolle Nachwuchsspieler aus der Schweiz und aus dem Ausland zu empfehlen.»

Beste Referenzen gaben Ammar Idrizi mit fünf spektakulär herausgespielten Toren, Levin Wanner (3) und Moritz Oertli (3) ab. Oertli, der Sohn des HCK-CEO Nick Christen, zeigte in der Angriffsauslösung viel Witz und Pfiff, bewies, dass er in wichtigen Momenten ein guter Stellvertreter von Chefregisseur Lapajne sein wird.

Und dann, wieder einmal, dieser Tim Rellstab, ein 2-Meter-Riese, gesegnet mit Talent und Wille: Der sprunggewaltige Aufbauer absolviert zwei Lehr- und Wanderjahre bei Kriens – bestätigt der Sohn des früheren Internationalen Beat Rellstab in den nächsten Monaten seine Fortschritte, stehen ihm wohl bald alle Wege in die Bundesliga offen.

Rückfahrt zu später Stunde

Nach dem grossen Sieg, der Kriens die Türe für weitere Europacup-Abenteuer öffnet, gab’s ein feines Nachtessen, ­wenig später, schon kurz vor Mitternacht, war bereits die Heim-Carfahrt nach Luzern ­terminiert. Schliesslich will der HC Kriens-Luzern auch auf hiesigem Boden Geschichte schreiben. Am Donnerstag geht’s zum BSV Bern-Muri – mit einem vollgepackten Rucksack Selbstvertrauen.


Dubrava – Kriens-Luzern 19:28 (8:12)

Sportska Dvorana Dubrava (Zagreb) – 300 Zuschauer – SR: Vesovic/Mitrovic (MNE/SR).

HC Kriens-Luzern: Bar/Eicher; Harbuz (4), Wanner (3), Blättler (2), Piroch (1), Papez (1), Rellstab (4), Gavranovic (1), Oertli (3), Schlumpf (1), Lavric (0), Idrizi (5), Lapajne (3).

RK Dubrava: Grahovac, Marlovic; Ivankovic (1), Bahtijarevic (2), Vinkovic (1), Salic (2), Turcic (0), Vucelic (3), Godec (0), Malbasic (1), Mihaljevic (0), Sehic (0), Gaca (1), Obradovic (3), Kastelan (1), Babic (3).

Bemerkungen: Kriens ohne Delchiappo (verletzt). Platzverweis: Harbuz (44:58). Strafen: 3x2 Dubrava; 4x2 Kriens.