Der neue Ausländer von Volley Luzern ist kein Riese – aber riesig clever

Luzerns NLA-Team will diese Saison unter die ersten vier. Weil der Saisonstart nicht optimal glückte, rief man nach Verstärkung: Die heisst Adam Anagnostopoulos und ist 23 Jahre jung.

Roland Bucher
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Adam Anagnostopoulos auf der Treppe in der Luzerner Bahnhofshalle. (Bild: Pius Amrein (27. November 2018)

Adam Anagnostopoulos auf der Treppe in der Luzerner Bahnhofshalle. (Bild: Pius Amrein (27. November 2018)

Die Idee wurde in der Not geboren, die Umsetzung erfolgte postwendend.

Die Not. Volley Luzern, ambitioniert und mit Anspruch auf einen Platz im vordersten Quartett in die neue Saison gestartet, kam nicht ganz wunschgemäss in die Gänge, der Ruf nach einer Verstärkung wurde hörbar. Kam dazu, dass Jeremy Tomasetti, einer der beiden Zulieferer am Netz, sich nicht den Erwartungen entsprechend ins Team einband und seine ihm zugedachte Rolle als Mentor von Positionskollege Luca Widmer (21) wenig inspiriert interpretierte. Teamleiter ­Josef Wicki: «Wir spürten, dass der Druck für Luca zu gross wurde und wir ihn von der hohen ­Bürde entlasten mussten.»

Die Idee. Sie keimte seit längerem. Trainer Liam Sketcher hatte an der Universiade in Taipeh den neuen Mann kennen gelernt und ihn schon seit langem auf seinem Facebook-Radar. «Wir waren uns schnell einig, dass mit Adam der richtige Mann als Ergänzung für Luca Widmer dienen könnte. Er passt exakt in unser Anforderungsprofil für diesen Platz», erklärt Wicki.

Die Umsetzung. Plötzlich ging’s schnell: Mitte Oktober flog Anagnostopoulos die Schweiz an, war dann bei den zwei Auswärtspartien gegen Chênois und Lausanne schon beim Team. Der smarte junge Mann hatte im Sommer noch Angebote aus der 2. Bundesliga abgelehnt, sein Agent meinte nichts anderes als: «In der Schweiz, in Luzern bist du besser aufgehoben.»

«Ich weiss: Das Team will nach oben»

«So ist es», lacht Anagnostopoulos, «ich bin sehr herzlich aufgenommen worden, ich spüre, dass ich in dieser Mannschaft gut aufgehoben bin.» Es sei durchaus eine Win-win-Situation: «Ich kann einen weiteren Karriereschritt tun, andrerseits aber auch helfen.» Helfen, seine Equipe dorthin zu dirigieren, wo sie hin will: «Man macht hier kein Geheimnis daraus, dass wir vorne unter den ersten vier zu Hause sein wollen. Das ist ambitioniert – aber realistisch. Und entspricht meinem Ehrgeiz.» Ein gutes Gefühl also für seine Volleyzukunft (und vor allem auch für jene seiner neuen Formation), starke Bindung aber bereits auch schon für die landschaftlichen Reize seiner neuen Destination: «Die ersten zehn Tage hier», schmunzelt er, «war nichts als Nebel. Wo bin ich denn da gelandet, habe ich mich gefragt.» Dann habe er letzten Mittwoch erstmals Luzern und seinen Alpenfirn im Sonnenlicht geniessen dürfen: «Es war einfach fantastisch. Ich habe mich mit diesen vielen Bergen fast wie daheim gefühlt.»

«Daheim»: das ist Kanada, wo er die letzten fünf Jahre in der Universitätsliga in Ontario mit bemerkenswertem Talent die Rolle des Passeurs gespielt hatte. Dass Luzern auf der Karriereleiter nächste Treppenstufe sein wird, ist kein Zufall: «In Kanada geniesst die Schweizer Volleyball-Szene einen hervorragenden Ruf», sagt er, der mit seinem Uni-Team auch schon gegen seinen neuen Vereinskollegen Chris Newcombe duellierte.

Adam Anagnostopoulos ist durchaus eine spannende neue Erscheinung bei Volley Luzern. Der kanadisch-griechische Doppelbürger machte sich in seiner Heimat einen guten Namen als Videomarketing-Jobber bei Walt Disney, treibt jetzt indes seine Karriere in Luzern als Profi an. Die Wurzeln der Volley-Luzern-Verstärkung liegen in Griechenland: Von dort wanderte sein Grossvater mit sieben Kindern nach Kanada aus – wo übrigens Adams Freundin Madeline darauf plangt, ihren Liebsten bald mal in Luzern besuchen zu dürfen.

Und hier Volley Luzern zum Sieg klatschen zu dürfen. Eine wichtige Rolle könnte in den nächsten Wochen Anagnostopoulos einnehmen. Für einen Volleyballer zwar nicht besonders gross gewachsen (1,89 Meter), beeindrucke, sagt Wicki, Adam dafür mit riesiger Cleverness. «Er kann das Spiel lesen und wird uns in dieser Saison eine wichtige Stütze sein.»

Männer: Uni Bern – Volley Luzern 2:3 (22:25, 25:18, 25:19, 23:25, 14:16). Amriswil – Jona 3:0 (25:13, 25:22, 25:16). Schönenwerd – Lausanne 1:3 (23:25, 21:25, 25:23, 27:29). – Rangliste: 1. Amriswil 8/24. 2. Schönenwerd 8/17. 3. Lausanne UC 8/15. 4. Chênois 7/13. 5. Uni Bern 8/9. 6. Volley Luzern 8/8. 7. Näfels 7/5. 8. Jona 8/2.

Frauen: Lugano – Düdingen 1:3 (24:26, 25:23, 24:26, 19:25). – Rangliste: 1. Düdingen 10/24. 2. Aesch Pfeffingen 9/22. 3. Kanti Schaffhausen 8/17. 4. Lausanne 9/17. 5. Franches-Montagnes 8/9. 6. Lugano 9/9. 7. Genève 9/5. 8. Cheseaux 8/2.