Kälte und Nässe bremsen Manuela Schär und Marcel Hug

Die Corona- und Wetterbedingungen prägen den 40. London Marathon. Für die Zentralschweizer Top-Rollstuhlsportler Manuela Schär und Marcel Hug läuft es nicht wie gewünscht – fürs Podest reicht es trotzdem.

Jörg Greb
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Manuela Schär und Marcel Hug absolvieren das Rennen ohne akustische Unterstützung von Zuschauern.

Manuela Schär und Marcel Hug absolvieren das Rennen ohne akustische Unterstützung von Zuschauern.

Bilder: EPA (London, 4. Oktober 2020)

Je eine Position im Vergleich zum Vorjahr mussten Manuela Schär und Marcel Hug preisgeben in diesem speziellen Rennen. Nicht die Situation mit der Coronapandemie gab dafür den Ausschlag. Also nicht das Leben in einer Bubble, abgeschirmt von der Öffentlichkeit. Und auch nicht das Rennen in kleinem, elitärem Kreis – ausgetragen auf einer 2-km-Schlaufe. Die Erklärung, warum die Zweitplatzierte Schär ihren zehnten Sieg in einem Major Marathon in Folge verpasste und warum Hugs Sprint-Qualitäten «nur» zu Rang 3 reichten, ist das Wetter. Es war kühl und es regnete während der ganzen rund 100 Rennminuten.

«Solche Bedingungen sind für mich das Schreckgespenst»,

sagte die Krienserin Schär. Ihre letzte Marathon-Niederlage auf höchster Ebene (Aufgabe) erlitt sie in Boston 2018 bei ähnlich misslichen Bedingungen. «Hier fror ich wieder früh, und im letzten Rennviertel begannen sich die Armmuskulatur zu versteifen und zu schliessen», erklärte die 34-Jährige.

Ihre Leistungs- und Leidensfähigkeit konnte sie sodann nicht mehr ausspielen. Widersacherin Nikita den Boer aus den Niederlanden musste sie ziehen lassen. Enttäuscht, aber sportlich anerkannte sie: «Chapeau, Nikita verstand es, eine exzellente Leistung abzurufen und sich markant zu steigern.» Um mehr als 10 Minuten unterbot die 29-Jährige ihre bisherige Marathon-Bestmarke.

Hugs Arme und Beine verkrampfen sich

Länger, nämlich bis zum Zielsprint, kämpfte Marcel Hug um den prestigeträchtigen Sieg. Allerdings hatte der Nottwiler seine Perspektiven schon weit früher eingeschränkt gesehen: «Nach der ersten Sprintwertung begann sich die Kälte immer mehr in meine Glieder zu schleichen.» Hug versuchte, auf diesen Missstand zu reagieren. «Die Wärme und die Energie mit meinen Bewegungen in den Körper hämmern», nannte er das. Es gelang mässig. Und weil wie voraussehbar das Tempo auf dem flachen, nicht selektiven Parcours rasch zusammenfiel. «Wir fuhren ein taktisches Rennen, dadurch wurde es noch schwieriger, Wärme im Körper zu produzieren.» Arme und Beine begannen sich zu verkrampfen. Die «runden Bewegungen» glückten nicht mehr. Im Schlussspurt zog er knapp den Kürzeren: Brent Lakatos (Kanada) und David Weir (England) waren um 4 respektive 2 Sekunden schneller. «Natürlich bin ich enttäuscht, aber immerhin habe ich eine Erklärung für das Resultat», bilanzierte Hug nach dem Rennen. Für zwiespältige Empfindungen sorgte der einzige Marathon-Grossevent im 2020 sowieso. Dazu trug nicht nur das Rennen und das Resultat bei. Noch prägender zeigten sich die Covid-19-Auswirkungen vor- und nachher. Die Organisatoren von London verschoben ihr Rennen vom April auf den 4. Oktober und hielten am Termin fest. Neben den drei Eliterennen (Frauen, Männer, Rollstuhlfahrer) bestritten 45000 Volksläufer den Marathon virtuell. Das Erlebnis London Marathon war ein ganz Neues. Abgeschottet und durch einen Abstandsmesser voneinander getrennt lebten die Sportler die Marathon-Tage in einem Hotel für sich. Vom Rennen ausgeschlossen waren Zuschauer. Entsprechend fehlten auch die akustische Unterstützung und die Ambiance, die gewöhnlich einen solchen Städtemarathon auszeichnet.

Hoffen auf Normalität

«Ich schätze es sehr, was London auf die Beine gestellt hat», sagte Hug. «Aber es ist klar: Ich hoffe, wir können bald wieder Rennen im altbekannten Stil abhalten.» Manuela Schär pflichtete dieser Aussage bei und fügte an: «Das Drumherum und das Rennen fühlten sich anders an. Es war wie ein Marathon auf der Leichtathletik-Rundbahn.»

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