Junge Turnerinnen ganz gross

Rund 250 Turnerinnen zeigen am Wochenende in der Krienser Krauerhalle einen grossen Auftritt. Ein Besuch zeigt, diese Sportart ist eine komplexe Angelegenheit. Und der Trainingsaufwand ist enorm.

Theres Bühlmann
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Turnerinnen vom TV Küssnacht am Rigi haben Spass. (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 18. Mai 2019)
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Eine Turnerin des TV Küssnacht wagt sich auf den Schwebebalken. (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 18. Mai 2019)
Sie absolviert eine Übung am Barren. (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 18. Mai 2019)
(Bild: Nadia Schärli, Kriens, 18. Mai 2019)
Die Turnerinnen aus Uetendorf (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 18. Mai 2019)
Konzentriertes Einturnen (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 18. Mai 2019)
Eleganz ist gefragt (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 18. Mai 2019)
Sowie auch Beweglichkeit (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 18. Mai 2019)
Yasmin Celikci auf dem Schwebebalken (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 18. Mai 2019)
Turnerinnen vom STV Altdorf (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 18. Mai 2019)
Eine Turnerin aus Luzern (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 18. Mai 2019)
Magnesium für den Auftritt (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 18. Mai 2019)

Turnerinnen vom TV Küssnacht am Rigi haben Spass. (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 18. Mai 2019)

Eleganz war am Wochenende in der Krienser Krauerhalle gefragt. Und Anmut, Grazie und Beweglichkeit. Zur Austragung gelangten die Kunstturnerinnentage Luzern, an denen rund 250 Akteurinnen aus der ganzen Schweiz in acht Kategorien ihr Können zeigten, angefangen von den Jüngsten im EP (Einführungsprogramm) ab 5 Jahre bis zu den routinierten P6-Turnerinnen.

Bei den Jüngsten im EP waren auch sieben Turnerinnen des BTV Luzern mit den Jahrgängen 2011 und 2012 dabei, betreut von der langjährigen Trainerin Bettina Schurtenberger. Sie gab vor dem Auftritt an den Geräten letzten Anweisungen, und machte da und dort noch auf Korrekturen aufmerksam. Dann hiess es für die Turnerinnen mit Konzentration die Übungen absolvieren, das im Training erlernte umsetzen. Schlusspose. Abklatschen mit der Trainerin, «super, gut gemacht, bravo.» Und dann den Applaus der Zuschauer entgegennehmen und geniessen. Einige der Turnerinnen nahmen an diesem Wochenende alles relativ locker, gelassen, zeigten sich unbekümmert, während andere doch etwas nervöser und angespannter wirkten. Aber die Freude überwog. Zwischen den Gerätewechseln blieb immer wieder Zeit, den Teamkolleginnen und der Konkurrenz zuzuschauen – mitleiden, mitfiebern, mitzittern. Viel Wert wird jeweils auf die Frisuren gelegt, geflochten, geknotet, hochgesteckt, meistens sind es die Mütter, die sich vor dem Wettkampf bei den Jüngsten um die Haarpracht kümmern.

Schwungvoll: Turnerin des DTV Küssnacht beim Einturnen. (Bild: Nadja Schärli (Kriens, 18. Mai 2019))

Schwungvoll: Turnerin des DTV Küssnacht beim Einturnen. (Bild: Nadja Schärli (Kriens, 18. Mai 2019))

Zwei Talente aus den Reihen des BTV Luzern

Im Programm 2 turnen auch die beiden Luzernerinnen Jeanne Duss (10) und Livia Künzler (11), die ein wöchentliches Training von 12,5 Stunden absolvieren. Seit fünf Jahren ist Jeanne bei dieser Sportart dabei, und spielt in ihrer Freizeit gerne Blockflöte. Livia steht erst im zweiten Jahr als Kunstturnerin, sie wechselte vom Geräteturnen (K1) zum Kunstturnen, ein Weg, der selten ist. Sie wollte etwas mehr Elemente in ihre Übungen einbauen, dieses Ansinnen kommt ihr nun entgegen, «und das Bodenturnen ist meine Lieblingsdisziplin», gab sie zu Protokoll. «Jeanne und Livia sind talentiert und sehr fleissig», sagte deren Trainerin Karin Fischer. Und das Duo stellte sein Können am Samstag unter Beweis, Jeanne Duss belegt Platz 3 und Livia Künzler ist auf dem 12. Platz zu finden. Beide haben sich an verschiedenen Wettkämpfen für die Schweizer Meisterschaften der Juniorinnen vom 1./2. Juni in Neuenburg qualifiziert. Als weitere BTV Luzern-Turnerin wird an diesen Nationalen Titelkämpfen – ebenfalls im P2 – dann auch Joy Rohrer (10) antreten. Sie war am Wochenende in Kriens nicht am Start. Joy Rohrer gehört dem Nachwuchs-B-Kader des Schweizerischen Turnverbandes (STV) an, trainiert auch beim Nordwestschweizerischen Kunstturn- und Trampolinzentrum Liestal (NKL) und kommt in der Woche auf ein Trainingspensum von gut und gerne 18 Stunden.

Turnerinnen des STV Altdorf warten auf ihren Auftritt. (Bild: Nadja Schärli (Kriens, 18. Mai 2019))

Turnerinnen des STV Altdorf warten auf ihren Auftritt. (Bild: Nadja Schärli (Kriens, 18. Mai 2019))

Früher Einstieg und grosser Trainingsaufwand

Kunstturnen ist eine äusserst komplexe Sportart, gehört zum Bereich Spitzensport, was einen frühen Einstieg und einen grossen Trainingsaufwand mit sich bringt. Beim BTV Luzern zum Beispiel absolvieren schon die Kleinsten im EP (5 bis 6 Jahre) ein Pensum von 4 Stunden in der Woche, ab neun Jahren sind dann 12 Stunden angesagt. Je nach Kaderstatus nimmt der Umfang stetig zu, das bedeutet dann schnell sechs Trainings pro Woche zu je vier Stunden. Die Eliteturnerinnen stehen dann in Magglingen rund 30 Stunden wöchentlich in der Halle. Der Weg bis ganz nach oben ist in dieser Sportart nicht einfach und nicht jede Karriere verläuft gradlinig.

Konzentriert: Turnerinnen des Kutu Obersiggenthal am Barren. (Bild: Nadja Schärli (Kriens, 18. Mai 2019))

Konzentriert: Turnerinnen des Kutu Obersiggenthal am Barren. (Bild: Nadja Schärli (Kriens, 18. Mai 2019))

Drei Medaillen und viele Auszeichnungen

Die Turnerinnen aus den Innerschweizer Vereinen setzten sich mit Siegen und Podestplätzen in Kriens bestens in Szene. Im P2 holte sich Jeanne Duss (BTV Luzern) die Bronzemedaille. Beim P4 der Amateure gewann Anja Gisler aus Altdorf. Das Programm 6 wurde von Céline Sidler (Küssnacht) souverän gemeistert. Die Schwyzerin liess sich im letzten Jahr in Frauenfeld erneut als Schweizer Mehrkampf-Meisterin bei den Amateurinnen (Turnerinnen, die keinem Kader angehören) feiern und holte sich auch den SM-Titel am Sprung, dies in Abwesenheit der verletzten Giulia Steingruber. Zu einem dritten Platz im P6 reichte es der BTV Luzern-Turnerin Jill Iten. Dazu gab es für diese Vereine auch noch jede Menge Auszeichnungen. (T.B.)

Die komplette Rangliste unter: www.kunstturnerinnen.ch

Nicht alle Turnerinnen wollen oder können die Trainingspensen neben Schule und Ausbildung unter einen Hut bringen, wechseln dann oft zum weniger trainingsintensiven Geräteturnenoder auch zu Aerobic, Gymnastik oder Tanz.

Doch der Wettkampf in Kriens hat gezeigt, Talente im Kunstturnen sind vorhanden. Auch in der Innerschweiz.