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Im Kranzkasten des Luzerner Turners Simon Stalder hat es noch Platz

Seine Medaillen sind kaum mehr zu zählen. Der Rickenbacher Simon Stalder gehört zu den Erfolgreichsten seiner Zunft. Doch der Erfolgshunger des 27-Jährigen ist noch lange nicht gestillt.
Theres Bühlmann
Medaillensegen: Simon Stalder räumte an den diesjährigen Schweizer Meisterschaften im Geräteturnen tüchtig ab. (Bild: Corinne Glanzmann (Rickenbach, 1. Dezember 2018)

Medaillensegen: Simon Stalder räumte an den diesjährigen Schweizer Meisterschaften im Geräteturnen tüchtig ab. (Bild: Corinne Glanzmann (Rickenbach, 1. Dezember 2018)

In mehreren Kranzkästen hängen sie an der Wand. Die Medaillen, die der 27-jährige Rickenbacher Simon Stalder in seiner Karriere gewonnen hat. Die genaue Zahl weiss er nicht, mit Ausnahme der Goldenen, die er an Schweizer Meisterschaften gewonnen hat. Die hat er gezählt, weil sein Onkel ihn kürzlich danach fragte. «18 sind es», sagte Simon Stalder. Alles in allem mag es wohl mehr als dreimal so viel Edelmetall sein. Was nicht verwundert, denn er gehört zu den erfolgreichsten Schweizer Geräteturnern, was er auch in dieser Saison eindrücklich unter Beweis stellte. Er stand bei jenem Team von Luzern, Ob- und Nidwalden im Einsatz, das an den Schweizer Meisterschaften in der Kategorie A der Konkurrenz das Nachsehen gab. Zudem holte er sich im Mehrkampf in der Königsklasse den prestigeträchtigen Titel. Gold gab es auch am Sprung und je eine Silbermedaille am Boden und Reck. Beim Verbandsturnfest in Hochdorf ging er ebenfalls als K7-Sieger vom Platz, von den vielen Podestplätzen bei regionalen Anlässen ganz zu schweigen.

Sein Talent zeichnete sich schon früh ab, im Alter von fünf Jahren. Begonnen hat er seine Laufbahn bei den Kunstturnern, brachte es bis ins Nachwuchskader des Schweizerischen Turnverbandes. Doch mit 14 Jahren war Schluss, der Trainingsaufwand mit 3,5 Stunden am Tag, und dies sechsmal in der Woche, war zu gross. Seine neue Herausforderung hiess nun Geräteturnen. 2008 liess er sich an den Schweizer Meisterschaften als Sieger in der Kategorie K6 feiern. Und dann ging es für den heutigen Liftmonteur aufwärts. Nur ein Jahr später stand er an der SM in der höchsten Klasse im Mehrkampf ganz oben, die Premiere in der Königsklasse war vollauf geglückt. Diesen Triumph wiederholte er 2013 und vervollständigte die Triplette mit der Goldmedaille im vergangenen November. Notabene an jener Stätte, an der er bereits vor 10 Jahren gewann – in Biasca.

In den Jahren 2011 und 2016 suchte man Simon Stalder auf den Ranglisten der Gerätturner vergebens. Das hatte seine Gründe. 2010 wurde er nach den Schweizer Meisterschaften von einem Talentscout des Cirque du Soleil angesprochen und entschied sich, das Angebot anzunehmen. Während eineinhalb Jahren reiste er durch Kanada, Mexiko und die USA, und gehörte jener Gruppe an, die an den Schaukelringen die Zuschauer begeisterte. «Ich werde noch immer noch auf dieses Engagement angesprochen», sagte er. «Wenn wieder ein Angebot käme, würde ich es mir sicherlich überlegen, noch einmal zu gehen.»

2016 gab es wieder eine Wende in seinem Leben als Geräteturner. Er wechselte ins Lager der Kunstturner, zu den Amateuren. Dass Kunstturner zum Geräteturnen wechseln, ist ein häufiger Umstand, der umgekehrte Fall ist aber eher selten. «Ich suchte eine neue Herausforderung, auch was den Schwierigkeitsgrad betraf», erklärt Simon Stalder diesen Wechsel. Nach einem Jahr war aber auch hier wieder Schluss. «Die körperliche Belastung und die zunehmenden Beschwerden waren etwas zu viel.» Bereut hat er diesen Abstecher nicht. «Ich konnte das Repertoire an Elementen erweitern und meine Technik verbessern.»

Mit Spass und Freude dabei – und mit starken Nerven

Der Rickenbacher ist ein Turner, der seinen Sport mit grosser Passion ausübt, ohne dass der Spass und die Freude zu kurz kommen und als nervenstark gilt. Er engagiert sich auch als Funktionär, bekleidet das Amt des Oberturners beim STV Rickenbach und verstärkt deren Reihen bei Wettkämpfen. Die Michelsämter gehören am Barren und am Sprung zu den erfolgreichsten Vereinen, was sie an den nationalen Meisterschaften jeweils mit Gold und Podestplätzen eindrücklich unter Beweis stellen. In diesem Jahr resultierte an der SM an diesen Geräten je eine Bronzemedaille.

Seit Anfang dieses Jahres zeichnet sich Simon Stalder auch verantwortlich für die Schweizer Meisterschaftsteams des Verbandes Luzern, Ob- und Nidwalden. Auch in diesem Bereich gehören die Innerschweizer seit Jahren zu den Erfolgreichsten. Diese Teams bilden sich jeweils aus den besten Akteuren des Verbandsgebietes und bestehen aus Turnern verschiedener Vereinen. «Wir haben einen starken Zusammenhalt und arbeiten nicht gegeneinander, sondern miteinander, jeder hilft jedem», erklärt Simon Stalder eines der Erfolgsrezepte.

Mit seiner Tätigkeit als Leiter und seinen eigenen Trainings steht er in der Woche rund 13 Stunden in der Halle. Nicht nur in Rickenbach, sondern auch in Beromünster und der Turnwerkstatt in Malters, wo er vor allem an den technischen Details seiner Übungen feilt. Korbball spielt er auch, bei seinem Stammverein STV Rickenbach in der 2. Liga und bestreitet auch die Innerschweizer Wintermeisterschaft.

Unsanfte Landung am Turnerabend

Zurzeit muss er aber eine Verletzung am Ellbogen auskurieren, die er sich am Turnerabend des STV Beromünsters am vorletzten Samstag zuzog, bei der Rickenbach als Gastsektion auftrat. Am Reck verpasste er beim Flugelement Katchev die Stange und landete etwas unsanft am Boden. Nun bleibt Zeit, Weihnachtsvorbereitungen zu treffen. «Nein, Geschenke habe ich noch keine gekauft, ich mache mich jetzt an die Planung.»

Auch sportlich hat er sich für die Zukunft einiges vorgenommen. Ihm fehlt noch der Sieg an einem Eidgenössischen Turnfest, das möchte er im nächsten Jahr in Aarau nachholen. 2013 musste er in Biel wegen einer Handverletzung passen, sass aber als Zuschauer in der Halle und erlebte den Triumph seines Verbandskollegen Alexander Kurmann (BTV Luzern) mit. «Ich habe mich sehr für Alexander gefreut.»

Und noch etwas fehlt in Palmarès: ein SM-Titel am Boden und am Barren. Im Kranzkasten hat es noch Platz.

Die wichtigsten Unterschiede zwischen Kunst- und Geräteturnen

Geräteturnen ist eine typisch schweizerische Spezialität ohne internationale Anlässe und ist vor allem dem Breitensport zuzuordnen. Kunstturnen gehört ist Spitzensport, geniesst den Olympiastatus – und es werden Welt- und Europameisterschaften ausgetragen. Im Geräteturnen sind die Schwierigkeitsgrade tiefer als im Kunstturnen. Auch die Wahl der Geräte ist ebenso unterschiedlich wie die Trainingsintensität. Die Höchstnote beim Geräteturnen beträgt 10,00 Punkte, beim Kunstturnen sind die Noten nach oben offen. (T.B.)

Trainingsaufwand Geräteturnen: Je nach Kategorie 6 bis 12 Stunden in der Woche.

Kunstturnen: Die Mitglieder des Nationalteams sind im Profistatus und trainieren 30 Stunden in der Woche. Beim regionalen Leistungszentrum in Malters beträgt der Aufwand bei den 13- bis 15-Jährigen 24 Stunden wöchentlich.

Geräte Geräteturnen, Männer: Boden, Schaukelringe, Sprung, Barren und Reck.

Geräteturnen, Frauen: Schaukelringe, Boden (Längsbahn), Sprung und Reck.

Kunstturnen, Männer: Boden (Viereck), Pauschenpferd, Ring, Sprung, Barren und Reck.

Kunstturnen, Frauen: Sprung, Boden (Viereck mit Musik), Stufenbarren und Schwebebalken.

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