Leidensweg der Schwyzerin Vanessa Bolinger nimmt vorerst kein Ende

Operationssaal statt Eishockey-Nationalmannschaft: Die 20-jährige Torhüterin Vanessa Bolinger hat sich erneut verletzt und fällt länger aus. Damit fällt der Wunschtraum «WM» der 20-jährigen Schwyzerin wohl ins Wasser.

Daniel Monnin
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Die 20-jährige Vanessa Bolinger blickt trotz erneuter Verletzung positiv in die Zukunft. Bild: Sven Walker (Monthey, 10. November 2018)

Die 20-jährige Vanessa Bolinger blickt trotz erneuter Verletzung positiv in die Zukunft. Bild: Sven Walker (Monthey, 10. November 2018)

Eigentlich hätte die Schwyzer Torhüterin Vanessa Bolinger diese Woche am Turnier in Vierumäki im Tor der Schweizer Frauen-Nationalmannschaft stehen sollen. Doch Bolingers Angriff auf eine der drei WM-Plätze im Schweizer Team fällt (vorerst) aus: Die 20-Jährige hat sich bei einem «Back-to-Sports»-Test, einem Leistungsoptimierungstest nach ihrem Kreuzbandriss vom 4. Juni dieses Jahres, erneut am Knie verletzt und wird heute operiert. «Ich habe alle Übungen und Tests problemlos bestanden. Bei der letzten Übung bin ich nach einem Sprung zwar kontrolliert gelandet, doch in meinem Knie machte es «knack». Ich dachte vorerst, das sei nicht beunruhigend, doch die sportärztliche Untersuchung ergab einen neuerlichen Meniskusschaden.»

Für Vanessa Bolinger geht damit der Leidensweg weiter: Nach dem Kreuzbandriss, den sie konservativ ohne Operation behandeln liess, stieg sie im Sommer zwar ins Training mit dem MSL-Club EHC Chur ein, bei dem sie einen Einjahresvertrag unterschrieben hatte, doch trotz schneller Fortschritte und überzeugender Leistungen in Trainings und einem Testspiel, reichte es nicht zum Sprung ins MSL-Team. «Ich hatte wirklich das Gefühl, dass ich auf dem richtigen Weg bin und diese Chance packen kann», sagt Bolinger. Diese erhielt sie jedoch nicht und so wechselte die Torhüterin zurück zum SC Reinach in die Swiss Women’s Hockey League, wo man sie als Nummer 1 eines ambitionierten Teams mit offenen Armen empfangen hat. «Ich fühle mich wohl in Reinach, wir haben ein Team, das um den Titel mitspielen kann.» Bolinger etablierte sich schnell an der Spitze der Torhüterliste: In der Statistik liegt sie mit einem Gegentreffer pro Spiel klar vor ihren Konkurrentinnen aus Zürich (Frankreichs Nationaltorhüterin Caroline Baldin) und Lugano (Jade Dubi). Trotzdem muss die 20-Jährige eingestehen, dass sie die Enttäuschung in Chur – wo sie mittlerweile auch lebt und arbeitet – noch nicht ganz überwunden hat.

Kniespiegelung bringt Gewissheit

Die neuerliche Verletzung passt ins Bild einer «verlorenen Saison», wie sie sagt. «Wenn alles gut geht und nur der Meniskus beschädigt ist, werde ich auf die Playoffs der Frauen-Liga im Februar zurück sein.» Sollte sich bei der heutigen Kniespiegelung jedoch herausstellen, dass das (im letzten Juni lädierte) Kreuzband nicht optimal ausgeheilt und zu wenig straff und stabil ist, wird eine Operation nötig sein und die Schwyzerin wird erneut den langen Weg einer Rekonvaleszenz auf sich nehmen müssen und erst in rund neun Monaten wieder auf dem Eis stehen.

«Natürlich hoffe ich, dass ich mit einem Meniskusschaden davon komme», sagt sie und fügt an: «Es ist wie ein Déjà-vu, allerdings kann ich heute besser mit dieser Verletzung umgehen und bin nicht in ein Loch gefallen, wie vor sechs Monaten.»

So oder so: Auch bei einer Rückkehr ins Reinacher Team für die Playoffs im kommenden Jahr wird Bolinger ihren WM-Traum wohl verschieben müssen. Die ehemalige U18-Internationale ist sich bewusst, dass «es für die WM von Anfang April in Finnland sehr knapp werden wird und meine Chance auf einen WM-Startplatz wohl sehr klein ist.» Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, doch über realistische Zukunftspläne will sie erst nach der Operation nachdenken, wenn sie genauer weiss, wie es weitergehen wird.