Luzernerin Luana Bühler spielt beim Bundesligisten Hoffenheim – «Ich kann vom Fussball leben»

Die Altishoferin Luana Bühler spielt beim Bundesligisten Hoffenheim. Wie sie aufgenommen wurde, und was sie aus der Schweiz vermisst.

Theres Bühlmann
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Luana Bühler spielt auch für die Schweizer Nationalmannschaft, hier am 13. November 2018 gegen die Niederlande in Schaffhausen.

Luana Bühler spielt auch für die Schweizer Nationalmannschaft, hier am 13. November 2018 gegen die Niederlande in Schaffhausen.  

Bild: Melanie Duchene / Keystone

Einmal im Monat fährt sie nach Hause. Sie nimmt die 311 Kilometer unter die Räder, von Hoffenheim nach Altishofen. Seit Mitte des letzten Jahres ist die 3300 Einwohner zählende Gemeinde, 26 Kilometer südöstlich von Heidelberg gelegen und dem Bundesland Baden-Württemberg zugehörig, der Arbeitsort von Luana Bühler. Genauer gesagt, es ist der deutsche Bundesligist TSG 1899 Hoffenheim.

Die 23-jährige, kopfballstarke Verteidigerin aus dem Luzerner Hinterland fühlt sich wohl in ihrer neuen Heimat. «Ich wurde bestens aufgenommen, das Umfeld ist sehr familiär, und wir sind ein junges Team. Es passt alles zusammen», sagt Luana Bühler. Sie ist die einzige Schweizerin in der von Jürgen Ehrmann trainierten Equipe. Der Kontakt zu Hoffenheim kam über die ehemalige Schweizer Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg zustande. «Für mich war klar, wenn ich im Ausland spiele, dann muss viel zusammenpassen», erzählt Luana Bühler. «Ich habe mir alles angeschaut, die Infrastruktur, die Trainingsanlage und war positiv überrascht, wie professionell die Strukturen sind. Zudem geniesst dieser Verein einen hervorragenden Ruf.» Hoffenheim gehört übrigens zu den wenigen Vereinen, die mit einem Footbonauten (siehe Kasten) arbeiten, um die technischen Fähigkeiten weiter zu entwickeln.

Wenn es im Footbonaut piepst und blinkt

Der Footbonaut ist eine moderne Hightech-Ballmaschine. Der Spieler steht auf einem 14 x 14 Meter grossen Rasenfeld, das von 5,5 Meter hohen Gitterwänden umgeben ist, die aus 72 Quadraten bestehen. Installiert sind acht Ballmaschinen, die Bälle ausspucken und mit einem akustischen Signal verraten, aus welcher Richtung der Ball kommt, der eine maximale Geschwindigkeit von 100 km/h aufweist. Dann gilt es, den Ball möglichst schnell anzunehmen und durch eines der aufleuchtenden Vierecke zu schiessen, welche 1,4 x 1,4 Meter gross sind. Die Ballmaschinen bieten verschiedene Einstellmöglichkeiten. So kann der Abschusswinkel, die Geschwindigkeit oder der Drall des Fussballs gesteuert werden. (T.B.)

Hoffen auf einen Champions-League-Platz

Die bisherige Bilanz lässt sich sehen: Hoffenheim, das letztjährige Saison auf Platz 6 beendet hatte und in diesem Jahr im Cup bis in den Halbfinal vorgestossen war, liegt zwei Runden vor der Winterpause auf Platz 2, drei Zähler hinter Wolfsburg. «Ich wünsche mir, dass wir mit Rang 2 in die Pause gehen», sagt Luana Bühler. Dieser Platz wäre gleichbedeutend mit der Teilnahme an der Champions-League. Um dieses Ziel zu erreichen, wird sehr individuell gearbeitet. Nebst dem Mannschaftstraining, fünfmal in der Woche, stehen individuelle Technikeinheiten und Videoanalysen auf dem Programm.

Sie musste sich zu Beginn erst an die Gegebenheiten in Deutschland gewöhnen, denn die Unterschiede zur Schweiz seien recht gross. «Der Fussball in der deutschen Bundesliga – der wohl besten Liga in Europa – ist temporeicher, taktisch und spielerisch auf einem höheren Niveau und professioneller organisiert als in der obersten Schweizer Liga.» Sie stellt bei den Schweizer Vereinen auch grosse Fortschritte fest, «aber die Voraussetzungen sind anders», und schiebt nach: «In Deutschland kann ich vom Fussball leben, das wäre in der Schweiz nicht der Fall.»

Luana Bühler spielt auch für die Schweizer Nationalmannschaft.

Luana Bühler spielt auch für die Schweizer Nationalmannschaft.

Bild: Freshfocus/Urs Lindt (Thun, 8. Oktober 2018)

Wohngemeinschaft mit zwei Österreicherinnen

Zusammen mit den beiden österreichischen Teamkolleginnen Nicole Billa und Katharina Naschenweng bildet sie eine Wohngemeinschaft. Das Leben im «Drei-Mädel-Haus» klappt bestens, «ich hätte es nicht besser treffen können», sagt Luana Bühler. Was sie in Deutschland aus der Schweiz vermisst? Die Familie und auch den Sonntagszopf von Mutter Evelyne.

An Gesprächsstoff fehlt es in der WG nicht, denn ihre Teamkolleginnen gehören dem österreichischen Nationalteam an. Was diese Ebene anbelangt, da kann auch Luana Bühler mitreden, die nach dem Mittun in den Schweizer U17- und U19-Mannschaften seit Februar 2018 dem A-Kader angehört. Ihr Début gab sie am Zypern-Cup und verstärkte die Reihen bei EM-Qualifikationsspielen. Die Schweiz steht noch ungeschlagen auf Rang 2 und besitzt gute Chancen, an der EM 2021 in England dabei zu sein. «Dies ist unser erklärtes Ziel», sagt sie. Wegweisend ist wohl der Spitzenkampf im April gegen Tabellenführer Belgien. «Bei uns herrscht diesbezüglich eine sehr optimistische Stimmung.» Unter dem neuen Nationaltrainer Nils Nielsen hätte sich die Mannschaft zu Beginn finden müssen, bis eine homogene Einheit entstand, «aber jetzt läuft es sehr gut». Seine Trainingsmethoden seien jener in Hoffenheim ähnlich: Ein gepflegter Spielaufbau mit konstruktiven Lösungen nach vorne stehen im Vordergrund. Luana Bühler setzt nicht nur auf Fussball, «ich brauche noch einen Ausgleich neben dem Sport». 2019 schloss sie ihr Bachelor-Studium in Betriebswirtschaft an der Uni Zürich ab. Als Nächstes soll der Master-Abschluss folgen. Für dieses Ziel arbeitet sie im Fernstudium, ebenfalls an der Uni Zürich.

Luana Bühler

Geboren: 28. April 1996Wohnort: HoffenheimHeimatort: AltishofenBeruf  2015: Matura. – 2019: Abschluss Studium in Betriebswirtschaft an der Uni Zürich mit dem Bachelor. Absolviert zurzeit das Fernstudium Master in Betriebswirtschaftslehre.Position: VerteidigungStationen: Seit Juli 2019: 1899 Hoffenheim (Deutsche Bundesliga). – 2017–2018: FC Zürich. – 2014–2017: FC Luzern. – 2012–2014: SC Kriens. – 2005–2012: FC Schötz.Kader: Seit Februar 2018: A-NatiErfolge 2018: Double mit dem FC Zürich. – 2019: Pokal-Halbfinal mit 1899 Hoffenheim.
Bild: Anthony Anex / Keystone
Geboren: 28. April 1996
Wohnort: Hoffenheim
Heimatort: Altishofen
Beruf 2015: Matura. – 2019: Abschluss Studium in Betriebswirtschaft an der Uni Zürich mit dem Bachelor. Absolviert zurzeit das Fernstudium Master in Betriebswirtschaftslehre.
Position: Verteidigung
Stationen: Seit Juli 2019: 1899 Hoffenheim (Deutsche Bundesliga). – 2017–2018: FC Zürich. – 2014–2017: FC Luzern. – 2012–2014: SC Kriens. – 2005–2012: FC Schötz.
Kader: Seit Februar 2018: A-Nati
Erfolge 2018: Double mit dem FC Zürich. – 2019: Pokal-Halbfinal mit 1899 Hoffenheim.

Sie stammt aus einer Fussballerfamilie, aufgewachsen in Altishofen mit fünf Geschwistern. Schwester Romina spielt beim B-Ligisten Aarau, Bruder Yannick bei Schötz II, Nando ist beim FC Willisau in der 2. Liga inter engagiert und Massimo bei der U-18-Equipe des FC Luzern. Einzig Schwester Alessia spielt nicht Fussball, sondern Tennis. Vater Gody war dereinst als Trainer tätig, trat nun kürzer und findet vermehrt Zeit, zusammen mit seiner Frau Evelyne die Heimspiele von Luana in Hoffenheim zu besuchen.

«Mit ihm kann ich vieles besprechen, ich schätze seine objektive Meinung.»

Erste Erfahrungen in der Champions-League gesammelt

Ihre fussballerische Laufbahn begann Luana Bühler beim FC Schötz, dann folgten der SC Kriens, der FC Luzern und 2017 wechselte sie zum FC Zürich, mit dem sie 2018 das Double gewann und auch erste Erfahrungen in der Champions-League sammeln konnte. Und jetzt eben Hoffenheim, wo die Aussichten gut sind, bald weitere Einsätze in der Champions-League zu bestreiten. Wohin sie ihre weitere sportliche Laufbahn bringt, das lässt sie offen. «Ich nehme alles mit und schaue dann, wo ich stehe. Ich blicke nicht mehr sehr weit nach vorne, denn meine Kreuzbandrisse 2011 und 2016 haben mich gelehrt, den Moment mit Demut zu geniessen. Ich geniesse es einfach, Fussball zu spielen.»

Und man spürt es im Gespräch: Ihre Liebe und ihre Begeisterung für diesen Sport ist grenzenlos.