Interview

Das finale Duell: Die Ringer von Willisau wollen den 14. Meistertitel

Am Samstagabend steigt in Willisau (19.00, BBZ) der alles entscheidende Finalkampf zwischen Willisau und Kriessern. Die beiden Cheftrainer Thomas Bucheli (Willisau) und Hugo Dietsche (Kriessern) loten die Chancen ihrer Teams aus.

Simon Gerber
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Der Willisauer Andreas Vetsch (oben) wehrt den Angriff von Kriesserns Isa Usupov ab und gewinnt den 74-kg-Greco-Kampf in der zweiten Begegnung mit 4:0 für sich. Bild: Roger Grütter (Willisau, 15. Dezember 2018)

Der Willisauer Andreas Vetsch (oben) wehrt den Angriff von Kriesserns Isa Usupov ab und gewinnt den 74-kg-Greco-Kampf in der zweiten Begegnung mit 4:0 für sich. Bild: Roger Grütter (Willisau, 15. Dezember 2018)

Thomas Bucheli prägte als Freistilspezialist die Schweizer Ringerszene während vieler Jahre in der Gewichtsklasse bis 84 Kilogramm. Die glanzvolle Karriere des heute 41-Jährigen wurde von 23 Schweizer-Meister-Titeln gekrönt. Als sein schönstes Erfolgserlebnis bezeichnet der gelernte Zimmermann den achten Platz an den Weltmeisterschaften 2005 in Budapest. Nach Abschluss der Karriere wechselte Thomas Bucheli 2010 nahtlos in die Funktion des Cheftrainers. Fünf Jahre später führte der diplomierte Trainer Leistungssport die Mannschaft zum 13. Meistertitel. Dank seinem grossen Einfühlungsvermögen findet Thomas Bucheli für jeden Athleten immer die richtigen Worte. Hinzu kommt seine grosse Akzeptanz im ganzen Verein.

Thomas Bucheli, was ging Ihnen nach dem grandiosen 29:9-Sieg am vergangenen Samstag gegen Kriessern als Erstes durch den Kopf?

Zum einen eine grosse Erleichterung und zugleich auch eine Riesenfreude. Nach einer optimal gelungenen Mannschaftsaufstellung lieferten auch alle Athleten auf der Matte eine perfekte Punktlandung ab. Allerdings trat unser Gegner dezimiert an. Trotzdem rechnete ich nie mit einem so deutlichen Resultat, dank dem wir den dritten Kampf wieder vor dem eigenen Publikum austragen können. Für uns ist dies ein Vorteil.

Wo setzen Sie die Akzente in der Vorbereitung?

Wir führen mit den Athleten individuelle Gespräche. Dabei liegt der Fokus auf der Technik und der Taktik. Viel verändern müssen wir nicht mehr.

Wir wollen den Schwung mitnehmen.

Mental versuchen wir, wieder die gleiche Spannung wie vor einer Woche aufzubauen. Das Selbstvertrauen nach dem Sieg ist natürlich sehr gross.

Welches ist die wichtigste Message, die Sie den Ringern mitgeben?

Den Fokus behalten und wieder in die genau gleiche Richtung marschieren wie am letzten Samstag. Möglichst in jedem Kampf dem Gegner einen Punkt abjagen und auf keinen Fall eine für das Team schädliche 0:4- oder 0:3-Niederlage kassieren.

Welche Reaktion erwarten Sie von Kriessern?

Die Ostschweizer haben im ersten Kampf mit dem 24:12-Heimsieg unterstrichen, wozu sie mit ihrer kompakten Mannschaft ­fähig sind. Sie werden nochmals das ganze Können auspacken, sofern sie mit allen Athleten antreten können.

Willisau ist also für einen weiteren Titelgewinn bereit?

Alle glauben fest daran, dass es uns gelingen wird, den 14. Meisterpokal zu feiern. Wir wollen uns nicht, wie letztes Jahr, wieder mit dem zweiten Platz begnügen. Der Hunger auf Gold ist extrem gross. Es wäre nicht nur für mich, sondern auch für die vielen Fans und den ganzen Verein ein wunderbares Weihnachtsgeschenk.

Für Kriessern spricht die Stilart

Hugo Dietsche erlebte seine Sternstunde an den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles. Als erster Schweizer seit 36 Jahren gewann der Ostschweizer eine Medaille, die erste eines Grecoringers überhaupt. Der damals 21-Jährige löste mit seiner sensationellen Leistung eine Begeisterungswelle aus. Nach seinem Rücktritt 1998 engagierte sich der gelernte Elektromonteur zuerst als Juniorentrainer. Seit 2011 ist der heute 55-Jährige Cheftrainer von Kriessern. Seither führte Hugo Dietsche das Team fünf Mal in den Final und wurde mit ihm 2011, 2016 und 2017 Schweizer Mannschaftsmeister. Der Rheintaler zeichnet sich durch eine grosse Fachkompetenz aus und ist seit Jahrzehnten ein Ringer mit Leib und Seele.

Hugo Dietsche, wie fällt die Analyse nach der 9:29-Kanterniederlage gegen Willisau am letzten Samstag aus?

Nach dem Ausfall von zwei unserer Leistungsträgern und durch den Wechsel der Stilarten lagen die Vorteile von Beginn weg bei unserem Gegner. In der Mannschaftsaufstellung gingen wir ein zu hohes Risiko ein, das sich am Schluss nicht auszahlte. Zudem ist keiner unserer Athleten über sich hinausgewachsen. Dadurch ging auch noch das angestrebte Heimrecht für den dritten Kampf verloren.

Wie gross ist der Druck, der am Samstagabend auf dem Team lastet?

Ich spüre keinen grossen Druck. Dieser dürfte bei den Luzernern wesentlich höher sein. Schon letztes Jahr setzten wir uns erst im dritten Duell gegen die Willisau Lions durch und konnten unseren Titel erfolgreich verteidigen. Wir bauen das Selbstvertrauen in dieser Woche neu auf, bleiben fokussiert und sind parat, am Samstag das Triple zu schaffen.

Welche Taktik verfolgen Sie gegen den Rekordmeister?

Für mich gibt es kein Taktieren mehr.

Die Karten liegen auf dem Tisch.

Jetzt geht es darum, wer von den beiden Teams in den zehn Gewichtsklassen die besseren Trümpfe ausspielen kann.

Was spricht für Kriessern?

Wir sind routiniert und haben den Titel in den vergangenen beiden Jahren gewonnen. Der erneute Wechsel der Stilarten kommt uns, wie schon im ersten Kampf, entgegen. Wichtig ist für uns jedoch, dass wir wieder mit allen Leistungsträgern ins Luzerner Hinterland reisen können. Der Einsatz des am Knie verletzten Marc Dietsche ist noch offen. Der erkrankte Urs Wild ist auf dem Weg der Besserung.

Wagen Sie eine Prognose?

Ich rechne nicht mehr mit einem so deutlichen Resultat wie in den ersten beiden Finalbegegnungen. Der dritte Match dürfte bis zuletzt offen und spannend bleiben, mit einem 21:19-Sieg für Kriessern.

Samstag. Playoff-Final. 3. Kampf: Willisau – Kriessern (19.00, BBZ).