Frauen-Sektionen des FCL nähern sich an

Der FC Luzern verfügt bei den Frauen über zwei verschiedene Sektionen – eine im Spitzen-, die andere im Breitensport. Das war lange kompliziert, könnte nun aber in eine fruchtbare Zusammenarbeit münden.

Stephan Santschi
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Endlich am Ziel: Die Frauen des FC Luzern steigen in die NLB auf. (Bild: Pius Amrein (Sempach, 8. Juni 2019))

Endlich am Ziel: Die Frauen des FC Luzern steigen in die NLB auf. (Bild: Pius Amrein (Sempach, 8. Juni 2019))

Die Konstellation ist speziell und sorgt für Verwirrung. Spricht man über die Frauen des FC Luzern, ist Vorsicht geboten, weil sich im Verein gleich zwei eigenständige Frauensektionen befinden – jene des Spitzen- und jene des Breitensports. Das Aushängeschild der Spitzenfussballerinnen ist das NLA-Team, das einst als SK Root in die höchste Liga aufgestiegen war, später in den SC Kriens integriert wurde und seit 2014 unter dem Dach des FCL spielt.

Die FCL-Frauen im Breitensport sind derweil auf das ehemalige Topteam SC LUwin.ch zurückzuführen, das anfänglich als Abteilung des FC Sursee aufgetreten war. Eine Zeit lang dominierten sie die Szene, zwischen 2002 und 2006 kamen nicht weniger als fünf Schweizer-Meister-Titel und vier Cupsiege zusammen. Im Jahr 2011 wurde LUwin.ch beim FC Luzern eingegliedert, die Equipe stieg bis in die 1. Liga ab.

Luzernerinnen schaffen ersehnten NLB-Aufstieg

So viel zur Vorgeschichte. Am letzten Wochenende nun wurde die aktuelle Saison im Frauenfussball abgeschlossen und sowohl die Spitzen- auch als die Breitensportlerinnen des FCL haben dies mit einem Ausrufezeichen gemacht. Das 1.-Liga-Team siegte zum Abschluss in Sempach mit 8:1, die Promotion in die NLB war ihm schon zuvor nicht mehr zu nehmen gewesen. «Die Erleichterung ist gross», sagt Trainer Adrian «Sämi» Koch. «Vor zwei Jahren verpassten wir den Aufstieg wegen eines Punktes, in der letzten Spielzeit sogar wegen der Anzahl der gelben Karten.»

In der Winterpause hatte der 51-Jährige aus Malters die Nachfolge des ehemaligen Basel-Profis Scott Chipperfield übernommen, der aufgrund eines interessanten Jobangebots nach Australien zurückgekehrt war. Der Start in die Rückrunde missglückte allerdings, das Spiel beim direkten Konkurrenten Balerna ging mit 1:2 verloren. «Das war frustrierend», erzählt Koch, der Misserfolg der Vergangenheit war in den Köpfen der Spielerinnen drin. «Von da an nahmen wir jede Partie als Cupspiel – mit dem Ziel, am Schluss in Sempach im Cupfinal zu stehen. Das nahm uns Druck weg.»

U19-Juniorinnen gewinnen wieder Silber

Damit zur zweiten Frauensektion des FC Luzern, jene des Spitzenfussballs. Während das NLA-Team von Glenn Meier die Saison nur auf dem fünften Platz beendete, schafften es die U19-Juniorinnen als Zweitklassierte in den erstmals ausgetragenen Playoff-Final. Dort mussten sie sich am letzten Samstag jedoch dem klaren Favoriten YB/Wyler mit 1:3 geschlagen geben. «Nach einer Viertelstunde lagen wir bereits mit 0:2 zurück, diese Hypothek war zu gross. Punkto Moral und Einsatzbereitschaft kann ich uns aber keinen Vorwurf machen – wir haben alles probiert», berichtet Trainerin Luzia Odermatt.

Die Luzernerinnen beenden die U19-Saison damit zum vierten Mal in Serie als Nummer zwei. Letztmals errangen sie den Meistertitel im Jahr 2015, als die Meisterschaft noch als U18-Wettbewerb ausgetragen worden war. Ist der Status der ewigen Silbermedaillengewinnerin nicht deprimierend? «Nein», entgegnet Odermatt. «YB/Wyler hat im Nachwuchs eine grössere Breite als wir. Unser Kader war knapp, wir begannen mit 14 gesunden Spielerinnen, später kamen zwei Verletzungen hinzu.»

Zusammenarbeit soll intensiviert werden

Der zweite Rang hinter den ungeschlagenen Bernerinnen sei darum als Erfolg zu werten. «Klar möchten wir auch wieder einmal einen Titel gewinnen. Die Entwicklung steht für uns aber im Vordergrund», betont die 36-jährige Nidwaldnerin, die in Root, Kriens und Luzern selber 12 Jahre lang im defensiven Mittelfeld NLA-Fussball gespielt hat. So wurde zum Beispiel U19-Juniorin Svenja Fölmli bereits in der Winterpause in die NLA-Equipe befördert. Nun sollen ihr mit Goalie Lea van Weezenbeek und Captain Michèle Schnider zwei weitere Talente folgen.

Die beiden Sektionen des FC Luzern stellen künftig also jeweils je ein Team in der NLA und der NLB. Die Zusammenarbeit, an der es aus Rivalitätsgründen lange gehapert hat, soll nun intensiviert werden. Koch findet:

«Es wäre ein Witz, wenn wir auch den Aufstieg in die NLA anstreben würden.»

Vielmehr solle es je nach Entwicklungsstand der Spielerinnen zu einem Austausch unter den Sektionen kommen.

Koch gibt zu, dass er zunächst skeptisch gewesen sei. Mit dem neuen Sportkoordinator Marcel Heimann in der Breitensportabteilung, sowie dem neuen Spitzenfussballsportchef Michael Lendi und NLA-Trainer Meier nähere man sich aber an, «wir verstehen uns sehr gut». Aktuell werde über den Wechsel einer U19-Juniorin ins NLB-Team diskutiert, «das wäre ein bombastischer Anfang», sagt Koch. «So können wir die FCL-Frauen in der Region besser verankern.»