Moutainbiker Martin Fanger: Vieles richtig gemacht – und dennoch in der Kritik

Mit dem Gewinn der Schweizer Meisterschaft am Nationalpark Bike-Marathon erringt der Obwaldner Martin Fanger seinen bisher bedeutendsten Triumph. Doch seine riskante Fahrweise löst Kritik aus.

Martin Platter
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Der Alpnacher Titelgewinner Martin Fanger.

Der Alpnacher Titelgewinner Martin Fanger.

Bild: Martin Platter

Sechs Tage nach der O-Tour gewann Martin Fanger am Samstag in Scuol auch den Nationalpark Bike-Marathon und damit die Schweizer Meisterschaft. Erneut kam es zu einem Sprintfinale, das jedoch ungleich härter ausgefahren wurde, als noch vor Wochenfrist bei Fangers Heimrennen in Alpnach. Dass dabei einer der drei Kontrahenten, der 22-jährige Ostschweizer Casey South, stürzte und mit Schulterverletzungen und Gehirnerschütterung ins Spital abtransportiert werden musste, löste unter den beteiligten Rennfahrern eine heftige Debatte aus, die sich gegen Fangers draufgängerischen Fahrstil richtete.

Nüchtern betrachtet, muss man jedoch festhalten, dass Fanger nicht anders gehandelt hat als mancher Formel-1-, Motorrad- oder Tour-de-France-Rennfahrer. Er sah seine Chance, reizte die Grenzen aus und riskierte alles für den Sieg. Er war sich bewusst: Dieser Meistertitel wäre ein Highlight in seinem nicht gerade üppig mit Siegen dekorierten, elfjährigen Profidasein als Mountainbiker. Zuletzt an einem Titelkampf stand der Kägiswiler an der Eliminator-SM in Losdorf 2014 zuoberst auf dem Podium.

Logisch passt das den arrivierten Fahrern nicht, quasi von einem Underdog geschlagen zu werden. Mitstreitern wie Marathon-Seriensieger Urs Huber und Lukas Flückiger, dem CrossCountry-WM-Silbergewinner von 2014, die beide ebenfalls gewinnen wollten. Da flammte auch die alte Rivalität zwischen Cross-Country-Fahrern und Marathonspezialisten wieder auf. Zahlreiche Cross-Country­Cracks trachteten nach einer Meisterschaftsmedaille im coronabedingt ausgedünnten Rennkalender. Die reinen Marathonspezialisten wie Huber wiederum wollten sich nicht vorführen lassen und fuhren ein entsprechend aufmerksames Rennen. Dieses fand – ebenfalls coronabedingt – nicht auf der pittoresken, 137 km langen Originalstrecke um den Schweizer Nationalpark statt, da auf einen Abstecher nach Italien verzichtet werden musste. Damit entfiel auch die sehr selektive Fahrt über den 2700 Meter hohen Chaschaunapass. Unterwegs auf den 108 km zwischen Scuol und Zuoz fiel deshalb lange keine Vorentscheidung, da die Favoriten ihre Kräfte fürs Finale schonten.

Protest bleibt aus

Erst als der Belgier Frans Claes 21 km vor dem Ziel davonfuhr, führten Flückiger und Huber resolut nach. Die zehnköpfige Verfolgergruppe wurde kleiner. Sechs Kilometer vor dem Ziel stachen mit Flückiger und Huber auch Fanger und South mit wenigen Sekunden Vorsprung auf den Rest in die Schlussabfahrt. Doch keiner wollte als Erster auf die Zielgerade einbiegen, denn die war zu lang, um den Sprint von der Spitze aus zu gewinnen.

So kam es, das Fanger wiederholt so in die Kurven schnitt, dass seine Gegner bremsen mussten, um einen Sturz zu verhindern. In der letzten Haarnadelkurve musste Flückiger gar so stark verzögern, dass er aus der Entscheidung fiel und Huber als Erster auf die Zielgerade einbog. Der Sprint wurde mit Haken und Ösen gefahren. Fanger, der endschnellste Mann des Quartetts, witterte seine Chance. Mit weit ausgefahrenen Ellenbogen fuhr er in der leichten Linkskurve vor dem Ziel konsequent die Ideallinie. Das führte dazu, dass der Platz zur Balustrade für Huber und South immer enger wurde. Huber kippte zu South, der mit dem Vorderrad in der Abschrankung hängen blieb und schliesslich stürzte.

Ein Protest von Souths Teamchef Beni Ruf blieb nach Sichtung des Foto- und Filmmaterials und Anhörung der Involvierten jedoch aus. Mit der Kritik konfrontiert, sagte Martin Fanger: «Es war ein Sprint wie bei einem Strassenrennen. Ich bin geradeaus gefahren, wie es sich gehört, und musste es auf einen Sprint ankommen lassen, da dies meine einzige Chance war, um zu gewinnen.»

Schweizer Meisterschaft. Männer (108 km): 1. Martin Fanger 4:03:20. 2. Urs Huber gl. Zt. 3. Lukas Flückiger (Wynigen) 0:03. 4. Simon Vitzthum (Rheineck) 0:09. 5. Daniel Geismayr (Ö) gl. Zt. 6. Andri Frischknecht (Feldbach) 0:10. – Frauen (108 km): 1. Steffi Häberlin 4:47:53. 2. Ariane Lüthi 3:03. 3. Irina Lützelschwab 4:36. 4. Ramona Forchini 8:09. 5. Esther Süss 8:11. 6. Janina Wüst 20:55.