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Erste Reaktion von Schwinger-Urgestein Werner Hunziker auf den Austragungsort Zug: «Um Himmels Willen!»

Das Trainer-Urgestein Werner Hunziker (73) bereitet die Zuger auf das Eidgenössische vor. Es ist die 21. Austragung, bei der er zugegen sein wird. Eines gewann einer seiner Schützlinge.
Raphael Biermayr
Werner Hunziker (rechts) bei einem Velorennen im Jahr 1987 in Steinhausen mit dem amtierenden Schwingerkönig Harry Knüsel. (Bild: PD)

Werner Hunziker (rechts) bei einem Velorennen im Jahr 1987 in Steinhausen mit dem amtierenden Schwingerkönig Harry Knüsel. (Bild: PD)

Werner Hunziker führt in diesem Jahr eine eindrückliche Serie fort. Im Jahr 1961 war es, als er bei seinem ersten Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (Esaf) im Einsatz stand: nicht als Schwinger, sondern als Täfelibueb. Er zeigte den Zuschauern also mittels Einstellen der Teilnehmernummern und Drehen der Tafel an, wer mit wem im Ring nebenan zusammengreift. Seither ist der Steinhauser nach eigener Aussage an jedem Esaf gewesen.

Einmarsch am Esaf in Zug am 13. August 1961, hinten links ist Täfelibueb Werner Hunziker zu sehen. (Bild: PD)

Einmarsch am Esaf in Zug am 13. August 1961, hinten links ist Täfelibueb Werner Hunziker zu sehen. (Bild: PD)

Dasjenige im kommenden August wird sein 21. sein, und wie sein Erstes wird es in Zug ausgetragen werden. Hunziker verfügt in der Schwingerszene über einen hohen Bekanntheitsgrad, als Trainer und als Entwicklungshelfer: Mit dem Schwingerkönig Ernst Schläpfer (in den Jahren 1980 und 1983) habe er die Aufnahme des Schwingsports an der Eidgenössischen Hochschule in Magglingen vorangetrieben. Eine Folge daraus ist, dass auch die Schwingtrainer heute Beiträge aus dem Bundesprogramm «Jugend+Sport» erhalten.

Hunziker erzählt nicht von sich aus davon. Er macht nicht viel Aufhebens um seine Person, sondern wirkt lieber im Hintergrund, sagt er. Der ehemalige Kantonspolizist und Schulsekretär ist seit 42 Jahren als Trainer in verschiedenen Sportarten tätig, im Schwingen war er lange auch im Innerschweizer Teilverband engagiert. Aktuell bereitet er die Zuger Spitzenschwinger konditionell auf das Esaf in Zug vor. In Sachen Fitness machen dem 73-Jährigen auch 20-Jährige kaum etwas vor, wie man hört.

15 Jahre an der Seite von Harry Knüsel

Gibt es Besonderheiten der Zuger im Vergleich zu Schwingern aus den Nachbarkantonen? «Sie sind körperlich benachteiligt, nur wenige wiegen mehr als 100 Kilogramm. Und sie sind allgemein nicht solche Prügel wie einige Schwyzer oder Luzerner und deshalb weniger konkurrenzfähig», sagt Hunziker, ohne zu überlegen. Das sei in der Regel schon immer so gewesen. Ausnahmen gibt es gleichwohl: Leo Betschart, den erfolgreichen Kränzesammler von einst beispielsweise, und natürlich Harry Knüsel. Hunziker trainierte ihn während 15 Jahren im Schwingklub Cham-Ennetsee und feierte mit Knüsel im Sommer 1986 in Sion den bis heute einzigen Königstitel eines Innerschweizers. «Sein Name hat bis heute eine grosse Strahlkraft», sagt Hunziker. Manchmal strahlt auch etwas davon auf ihn ab: «Schwinger fragen mich heute noch danach, welche Übungen ich mit Harry machte.»

Der ehemalige Steinhauser Bürgerpräsident Hunziker ist ein Verfechter der alten Schule. Mentaltraining sei zwar wichtig, stehe aber deutlich hinter dem körperlichen Aspekt. «Das Thema wird aufgebauscht. Das Wichtigste, um abzuschalten, sind Familie und Freunde», ist er überzeugt. Das Arbeitspensum zu reduzieren, erachtet er auch im Fall von nationalen Spitzenschwingern als unnötig – gerade in der heutigen Zeit. «Die Erholung ist das Entscheidende. Die war früher schwieriger zu erhalten als heute. Ein Beispiel dafür: Viele hatten kein Auto und waren mit dem Velo unterwegs. Heute ist dank der grösseren Mobilität auch die Erholung einfacher», sagt er. Auf die Frage, ob ihm noch nie jemand gesagt hat, dass seine Ansichten nicht mehr zeitgemäss seien, sagt Hunziker lachend: «Nein, darauf warte ich eigentlich schon lange.» Er vertraut auch dabei auf die grosse Ehrlichkeit in dieser Szene. Diese und die umfassende Kameradschaft seien der Grund, warum es Werner Hunziker so lang mit den Schwingern ausgehalten habe.

Am Eidgenössischen im kommenden August traut er aus dem Zuger Lager den Chamern Pirmin und Marco Reichmuth, dem Edlibacher Marcel Bieri sowie den Walchwilern Rainer und Remo Betschart einen Kranzgewinn zu. Aber nur, wenn alles perfekt laufe. «Drei Kränze wären ein Erfolg für die Zuger», stellt Hunziker klar.

Von der Tribüne aus mitfiebern

Er freut sich auf das zweite Esaf vor der Haustür – nach anfänglichen Bedenken. Seine erste Reaktion, als er vom Zuschlag für Zug als Austragungsort hörte, war nämlich: «Um Himmels Willen!» Hunziker habe sich zunächst nicht vorstellen können, wie für den zuschauerträchtigsten Sportanlass der Schweiz genug Platz sein soll. Während des Fests wird sich der Steinhauser nicht auf dem Wettkampfplatz, sondern auf der Tribüne aufhalten. «Die Schwinger mögen es nicht unbedingt, wenn die Trainer während des Wettkampfs ständig auf sie einreden», sagt Hunziker.

Der grösste Schwinger aller Zeiten aus seiner Sicht ist übrigens Karl Meli mit neun Kränzen an Eidgenössischen Schwingfesten Rekordhalter. Mit Meli verbindet Hunziker einerseits eine gemeinsam erlebte Ski-Woche im Jahr 1960. Andererseits sah er aus nächster Nähe, wie der Winterthurer den ersten von zwei Königstiteln gewann: als Täfelibueb, 1961 in Zug.

Karl Meli mit dem Lebendpreis für seinen Schwingerkönigstitel am Esaf 1961 in Zug. (Bild: PD)

Karl Meli mit dem Lebendpreis für seinen Schwingerkönigstitel am Esaf 1961 in Zug. (Bild: PD)

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