Ein 47-jähriger Kernser träumt von den Olympischen Spielen

Der Obwaldner Behindertensportler Pädi Ifanger startet das Projekt «Paralympics Tokio 2020».

Ruedi Vollenwyder
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Pädi Ifanger setzt sich sportlich weiterhin hohe Ziele.

Pädi Ifanger setzt sich sportlich weiterhin hohe Ziele.

Bild: PD

Der Weg ist weit, das Ziel zu erreichen höchst ambitioniert: Der Kernser Behindertensportler Pädi Ifanger träumt von den Paralympics 2020 in Tokio. Der 47-Jährige Obwaldner glaubt felsenfest daran, dieses Ziel erreichen zu können und ordnet alles diesem grossen Ziel unter. Der Aussendienstmitarbeiter in der Energiebranche hat harte Jahre hinter sich.

Pädi Ifanger verletzte sich 2015 bei Aufbauarbeiten zum Zentralschweizerischen Jodlerfest in Sarnen am Fussgelenk schwer. Mehrere Operationen folgten, der Fuss konnte nicht mehr gerettet werden. Im April 2017 wurde dem zweifachen Familienvater der rechte Unterschenkel amputiert. «Zum Glück verlief der Heilungsprozess sehr gut. Schon bald konnte ich wieder auf das Bike steigen und erste Fahrten unternehmen», blickt der Obwaldner zurück. Ebenso schnell und voller Zuversicht blickte der Kernser auch nach vorne.

Schon immer viel sportlich unterwegs

Pädi Ifanger war schon vor seinem Unfall viel sportlich unterwegs. Nach der Heilung schloss er sich dem Behindertenverband Plusport an, ist seither dem Mitglied des Para-Cycling-Teams. Und er setzte sich persönlich hohe sportliche Ziele, lancierte sein eigenes Projekt. «Ich möchte an den Paralympics in Tokio die Schweiz in der Disziplin Bahn-Sprint vertreten», deklariert der 47-jährige Obwaldner sein ehrgeiziges Ziel. Doch dazu muss er die Qualifikation schaffen. «Ich lasse nichts unversucht, arbeite nur noch zu 70 Prozent im Beruf. Somit kann noch mehr Zeit und Energie in meine Trainings investieren. Bis zum Stichtag, dem 30. Juni 2020, will ich die Qualifikation geschafft haben.»

Dass der leidenschaftliche Jodler sportlich auf dem richtigen Weg ist, beweisen die beiden Schweizer Rekorde über 200 und 1000 Meter auf der Bahn im holländischen Apeldoom im März dieses Jahr. «Im Sprint über 200 Meter fahre ich mit der Weltspitze mit. Das ist mein schönstes Erlebnis und auch das bisher wertvollste Resultat», sagt Infanger nicht ohne Stolz. Und legt etwas wehmütig nach: «Leider stehen die 200 Meter auf der Bahn nicht im olympischen Programm.» Viel Zeit für seine Familie und seine Freunde bleibt dem ambitionierten Sportler nebst den vielen Trainingseinheiten auf der Bahn im Velodrome in Grenchen oder im Kraftraum nicht. Zu hoch ist sein Einsatz für seinen Sport. «Ein Tag in der Woche gehört meiner Familie», sagt er mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Die bisherigen Resultate können sich sehen lassen. Ende November legte er im englischen Manchester Rang 6 über 1000 Meter. Und am vergangenen Wochenende sicherte sich der Obwaldner in Los Angeles in den Rennen über 200, 1000 und 4000 Meter je zwei vierte und fünfte Plätze. «Diese Rennen habe ich bestritten, um auch taktischer Hinsicht hinzuzulernen», sagt Ifanger. Die Reisen sind auch eine happige finanzielle Belastung für den vom Bahnfahren faszinierten Obwaldner. Obwohl die Rennräder, die Bekleidung und diverses Material von Sponsoren zur Verfügung gestellt wird, muss er persönlich einen beachtlichen finanziellen Betrag für Reisen an Wettkämpfe im In- und Ausland in sein ambitiöses Projekt investieren.

«So lange ich diesen finanziellen Spagat stemmen kann, mache ich weiter. Ich bin überzeugt, dass ich meinen Traum erfüllen kann», sagt Pädi Ifanger voller Zuversicht. Oder in den Worten auf seiner Homepage ausgedrückt: «Yes I can!».

Infos: www.paedi-infanger.ch