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Dieses Cowgirl hat alles im Griff

Eliane Gfeller ist Europas Beste in der Disziplin Cowhorse. Die 29-Jährige aus Emmen über Rindertraining, Lagerfeuer und ihren grossen Traum.
Theres Bühlmann
Stilsicher: Die 29-jährige Eliane Gfeller aus Emmen sichert sich beim Cowhorse den EM-Titel. (Bild: PD)

Stilsicher: Die 29-jährige Eliane Gfeller aus Emmen sichert sich beim Cowhorse den EM-Titel. (Bild: PD)

Geschafft: endlich bei der Siegerehrung ganz oben auf dem Podest. Dazu ertönte die Nationalhymne für Eliane Gfeller aus Emmen. «Es war ein sehr emotionaler Moment», blickt die 29-Jährige zurück. Alles geschehen an der Europameisterschaft im August in Kreuth Rieden (GER), wo sie sich im Sattel des 11-jährigen Wallachs Walla Dundee Whiz die Goldmedaille im Cowhorse sicherte, einer Disziplin im Westernreiten (siehe Box). «Auf diesen Augenblick habe ich lange hingearbeitet», gibt sie preis. Denn die Goldmedaille fehlte noch in ihrem reichhaltigen Palmerès, in den letzten Jahren reichte es mehrmals zu Silber und Bronze.

Dieser Sport ist ihre Leidenschaft, ein Teil ihres Lebens. Entdeckt hat sie das Westernreiten sehr früh, dank ihrem Götti Roman Hossmann, der in Champfèr im Engadin einen Reitstall besitzt. Bereits mit fünf Jahren bestritt Eliane Gfeller ihr erstes Westernturnier, in der Disziplin Trail, bei der vor allem Geschicklichkeitsaufgaben gelöst werden müssen. «Ich war die jüngste Reiterin, mein damaliges Pferd das älteste im ganzen Turnier», lässt sie diesen Anlass schmunzelnd Revue passieren. Klassiert hat sie sich im 25. Rang, «ich war sehr stolz, an diesem Turnier mitzumachen». So richtig «Liebe auf den ersten Blick» war diese Sportart damals noch nicht, denn sie bestritt in der Folge Wettkämpfe bei den Springreitern (Freie Prüfungen). Im Alter von zwölf Jahren sattelte sie endgültig zum Westernreiten um.

Reiterin Eliane Gfeller beim Reining: Die vom englischen Wort für Zügel (rein) abgeleitete Disziplin im Westernreiten hat ihren Ursprung in der Arbeit mit dem Rind. (Bild: PD)

Reiterin Eliane Gfeller beim Reining: Die vom englischen Wort für Zügel (rein) abgeleitete Disziplin im Westernreiten hat ihren Ursprung in der Arbeit mit dem Rind. (Bild: PD)

Der Trainer ist Lebenspartner

Eliane Gfeller wohnt in Emmen auf einer Ranch, die rund 50 Pferde zählt, darunter 25 in Pension. Dazu kümmert sie sich auch um die Zucht. Im Alter von rund drei Jahren werden diese edlen Tiere behutsam und spielerisch an den Sport herangeführt. Wie lange diese Ausbildung dauere, dies hänge von den Pferden ab, «denn sie geben das Tempo vor. Wichtig ist das Vertrauen und die Kommunikation zwischen Reiter und Ross», sagt sie. Der Aufwand ist nicht ganz ohne, eine bis zwei Stunden pro Tag arbeitet sie im Sattel mit den Pferden, dazu kommen noch unter anderem Pflege, Physiotherapie, mentales Training und Bodenarbeit mit den Tieren. Alles in allem bewegen sich die wöchentlichen Übungseinheiten um die 15 Stunden. Und dreimal in der Woche ist sie in einem Fitnesscenter anzutreffen.

Christoph Seiler, der den Landwirtschaftsbetrieb in Emmen führt, und auch seit seiner Jugend ein erfolgreicher Westernreiter, ist ihr Trainer und Lebenspartner. «Und dies», sagt sie, «funktioniert sehr gut, wir sind ein eingespieltes Team. Beim Training bestimmt er, wobei ich mich natürlich auch einbringen kann», so Eliane Gfeller. «Und nein», fährt sie fort, «wir diskutieren am Familientisch nicht nur über unseren Sport, auch die Weltpolitik und andere Themen haben ihren Platz.»

Das gehört zum Westernreiten

Westernreiten beseht aus vielen Disziplinen. Drei davon bestreitet Eliane Gfeller: Reining ist die zur Zeit in Europa populärste Disziplin und wird auch als Dressur im Westernreiten genannt. Geritten wird im Galopp, gemischt mit Tempowechseln, Drehungen, Stopps und Rückwärtsrichten. Um diese Disziplin richtig auszuüben, haben die Pferde spezielle Hufeisen. Reining ist seit April 2000 offiziell als Disziplin von der FEI (Internationale Dachorganisation des Pferdesportes) anerkannt und ist Bestandteil der Weltreiterspiele. Cutting ist jene Disziplin, bei der mit Rindern gearbeitet wird. Der Reiter muss ein Rind aus einer Herde trennen, herausschneiden, daher cutting (to cut) und dieses daran hindern, seinem natürlichen Herdentrieb folgend, zur Herde zurückzukehren. Dazu bleiben dem Reiter 2:30 Minuten Zeit. Jeder Reiter bestimmt ein Team, das ihm bei der Arbeit hilft. Die Arbeit des Helferteams wird dabei nicht bewertet. Working Cowhorse. Diese Rinderdisziplin wird in zwei Teilen geritten. Der erste Teil besteht aus Reining-Pattern, wobei Reiter und Pferd vorgeschriebene Aufgaben mit verschiedenen Manövern, wie Drehungen, Stopps, Zirkel, fliegende Galoppwechsel oder Geschwindigkeitskontrolle ausführen müssen. Im zweiten Teil muss der Reiter zunächst ein Rind an der kurzen Seite halten (boxing), dann zweimal gegen die lange Seite (Bande) wenden. Den Abschluss bildet das Zirkeln des Rindes auf jeder Hand in der Bahnmitte, mit fliegendem Galoppwechsel des Pferdes. (T.B.)

Hinweis Mehr zu den Disziplinen unter: www.swisswesternhorse.ch

Auf der Ranch hilft auch ihre Mutter Käthi Gfeller im Training mit, die sich im letzten Jahr übrigens den Schweizer-Meister-Titel in der Disziplin Cutting holte und Vater Reto reitet ebenfalls. Fast täglich auf dem Hof anzutreffen ist auch Christoph Seilers Vater Walter, der vor allem den landwirtschaftlichen Teil der Ranch managt. «Wir sind ein richtiger Familienbetrieb», sagt Eliane Gfeller. Sie besuchte einst das Sportgymnasium Minerva in Zürich, schloss die Matura ab, dieses Jahr den Master in Heilpädagogik und arbeitet in einem 90-Prozent-Pensum als schulische Heilpädagogin in Risch-Rotkreuz.

Beim Cutting, einer anderen Disziplin im Westernreiten, muss Eliane Gfeller ein Rind aus einer Herde «herausschneiden» (daher cutting = to cut) und es daran hindern, seinem natürlichen Herdentrieb folgend zum Rest der Herde zurückzukehren. (Bild: PD)

Beim Cutting, einer anderen Disziplin im Westernreiten, muss Eliane Gfeller ein Rind aus einer Herde «herausschneiden» (daher cutting = to cut) und es daran hindern, seinem natürlichen Herdentrieb folgend zum Rest der Herde zurückzukehren. (Bild: PD)

Gefragt beim Cowhorse ist logischerweise auch das Rindertraining: das Gewöhnen der Pferde an diese Tiere, gepaart mit viel Basisarbeit. Auch hier ist Vertrauen zwischen Reiter und Ross wichtig, denn die Pferde müssen klar definierte Aufgaben erfüllen. Für dieses Training kann Eliane Gfeller auf hofeigene Rinder zurückgreifen, zudem steht auch eine mechanische Kuh, also eine Attrappe zur Verfügung.

Ein Outfit, das viel hergibt

Was das Westernreiten auch auszeichnet, ist der Dresscode: Der charakteristische Hut, ein Oberteil mit Kragen und langen Ärmeln, Stiefel, Lederhosen oder Chaps, das sind Überziehhosen ohne Gesässbesatz und mit Fransen an der Seite. Das ganze Outfit gibt optisch schon was her, und gehört zum «guten Ton» in den Rinderdisziplinen.

Westernreiten lehnt sich an die Arbeit der Cowboys an. «Und ja», sagt Eliane Gfeller, «etwas von diesem Feeling ist schon spürbar, vor allem abends am Lagerfeuer und bei Countrymusik. Jedoch auch in der Arbeit mit dem Pferd bildet der Cowboyspirit immer die Grundlage.»

Einen Wunsch hegt sie noch: Einmal an der Weltmeisterschaft in der Disziplin Cowhorse teilzunehmen. Diese findet immer in den USA statt. Qualifiziert für diese Welttitelkämpfe hat sich schon mehrmals, doch der finanzielle und zeitliche Aufwand war ihr bisher zu gross. Vorerst bleibt also das Mitmachen an diesem internationalen Grossanlass ein Traum. Apropos Finanzen: Obwohl an einigen Turnieren Preisgelder ausbezahlt werden, viel zu verdienen gibt es in dieser Sportart nicht. «Meistens sind die Ausgaben grösser als die Einnahmen.»

Wenn Eliane Gfeller an grosse Turniere reist, darf ein kleiner Buddha, ein Geschenk ihrer Freundin, nie im Gepäck fehlen. Möge er ihr weiterhin Glück bringen.

Zur Person

Geboren: 16. März 1989
Wohnort: Emmen
Beruf: Schulische Heilpädagogin
Erfolge:
2005: Team-Europameisterin.
2006: Schweizer Jugendmeisterin.
2008–2017: fünfmal EM-Silber und sechsmal EM-Bronze im Cowhorse.
2010: Schweizer Rookie-Meisterin.
2016: Schweizer Meisterin Novice Horse Cutting.
2017: Silber Nation-Cup Team Cowhorse.
2018: Europameisterin Cowhorse.
Kader: Schweizer Cowhorse Nationalmannschaft Trainer Christoph Seiler Hobbys Pferde, Hunde, Kochen (am liebsten thailändische Küche) und Backen

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