Die Schötzer Fussballer stellen kurz vor Ende das Spiel auf den Kopf

Erstligist Schötz dreht einen 0:2-Rückstand, siegt gegen Muttenz 3:2 (0:1) und holt den ersten Saisonsieg.

René Leupi
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Der Schötzer Gent Mazreku (Mitte) behauptet den Ball gegen den Muttenzer Loris Minnig.

Der Schötzer Gent Mazreku (Mitte) behauptet den Ball gegen den Muttenzer Loris Minnig.

Bild: Pius Amrein (Schötz, 3. Oktober 2020)

Peter Schädler, der Trainer des SV Muttenz, konnte, als er kurz nach Spielschluss enttäuscht den Rasen auf Wissenhusen verliess, die Geschehnisse der letzten zehn Spielminuten nicht nachvollziehen. Seine Mannschaft hatte bis zur 85. Minute 2:0 geführt, sah dabei wie der sichere Sieger aus und musste letztlich doch mit leeren Händen die Reise ins basellandschaftliche Muttenz antreten. «Unglaublich, einfach unglaublich», mehr brachte Schädler zu diesem Zeitpunkt nicht über die Lippen.

Dass die Basler überhaupt in diese komfortable Ausgangslage gerieten, hatte seinen Ursprung im fehlerhaften Spielaufbau des Heimteams. Unzulänglichkeiten, die sich seit dem ersten Spieltag im Team von Trainer Roger Felber eingeschlichen hatten und die auch für den Fehlstart der Luzerner Hinterländer mitverantwortlich sind. Auch am Samstag waren beide Gegentreffer (45./55.) auf unerklärliche Fehlpässe zurückzuführen. Hätte Muttenz nach der 2:0-Führung nur eine der vielen Kontermöglichkeiten genutzt, wäre der Sieg in trockenen Tüchern gewesen.

Drei fragwürdige Wechsel des Muttenzer Trainers

So hielt Torhüter Philip Bolliger, der sich beim 0:2 mit einem Lob aus 45 Metern überlisten liess, seine Farben mit starken Paraden im Spiel. Spätestens als Eduard Nikmengjaj in der 70. Minute alleine vor Torhüter Sahin nicht reüssierte, verlor auch Trainer Felber kurzzeitig den Glauben an ein positives Resultat. Doch die starke physische Verfassung des Heimteams und die Fehlgriffe von Schädler, er nahm seine drei auffälligsten Spieler Hänggi (62.), Sudar (79.) und Ferreira (84.) vom Platz, stellten das Spiel in der Schlussphase auf den Kopf. Weiter machte sich bei den Baslern auch die kräfteraubende Spielweise bemerkbar. Zweimal Patrik Gijdoda, der Neuzugang aus Buochs hatte in der ersten Halbzeit (39.) die einzige Schötzer Topchance versiebt, sorgte innert drei Minuten (86./89.) für die Kehrtwende. Und als die Schötzer im Anschluss an einen von Gent Mazreku getretenen Eckball gar den Siegtreffer (94.) markierten, stand die Fussballwelt im Luzerner Hinterland endgültig Kopf. Dass dabei der Muttenzer Gysin seinen Kopf im Spiel hatte, verkam zu diesem Zeitpunkt zur Makulatur. «Wir haben uns diese Niederlage selbst eingebrockt», bemerkte Schädler, der vor rund 30 Jahren selber zwei Spielzeiten in Schötz als Spielertrainer gewirkt hatte.

Sein Antipode Roger Felber brauchte nach dem Spiel geraume Zeit, um das Geschehene zu begreifen. «Wir treffen zu viele falsche Entscheidungen, spielen zu wenig genau, zu wenig sauber, und handeln uns damit immer wieder unnötige Tore ein. Das zieht sich im bisherigen Saisonverlauf wie ein roter Faden durch unsere Spiele.» Doch er sprach auch den Charakter der Mannschaft, niemals aufzugeben und auch nach haarsträubenden Fehlern wieder ins Spiel zurückzufinden, an. «Die Qualität im Spielaufbau des FC Schötz fehlt», hatte auch Schädler festgestellt. Dass sein Team nicht mehr die spielerische Qualität der letzten Jahre besitzt, war Roger Felber schon bei Amtsantritt bewusst. «Ich arbeite gerne mit jungen, willigen Spielern. Spieler, die bereit sind, lange Wege zu gehen und sich dem Teamgedanken zu unterstellen.» Doch derzeit fehle die Breite im Team. Das könne sich ändern, wenn die Verletzten Luca Frey, Lars Schmid und Marko Mijatovic ins Team zurückkehren würden.

Eines scheint sich beim FC Schötz aber grundlegend geändert zu haben. «Die Trainerfrage», so Teammanager Edi Iseli, «steht in Zukunft beim FC Schötz nicht mehr zur Diskussion. Wir haben uns für den Weg der Budgetreduktion entschieden und das Arbeiten mit regionalen Spielern entschieden. Daran halten wir fest, auch wenn die Resultate nicht immer stimmen sollten.»