Die Fussballer von Zug 94 sind zum Siegen verdammt

1.-Ligist Zug 94 steht vor dem Abstieg und hat enorm viele Kaderänderungen erfahren. Der Trainer Vural Oenen setzt auf die Hoffnung.

Michael Wyss
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Ausnahme: Aleksandar Radovic (vorne) hat das sinkende Schiff Zug 94 in der Winterpause nicht verlassen.

Ausnahme: Aleksandar Radovic (vorne) hat das sinkende Schiff Zug 94 in der Winterpause nicht verlassen.

Bild: Maria Schmid (12. Oktober 2019)

Das Zuger Team wird im Vergleich zum Herbst 2019 kaum mehr zu erkennen sein. Die sportliche und finanzielle Misere haben dazu geführt, dass die Hälfte des Kaders den Verein verlassen hat. Der Trainer Vural Oenen zeigt auf: «14 Spieler sind weg. Das wird natürlich zu einer grossen Challenge.»

Unter anderen werden fünf Akteure aus dem eigenen Nachwuchs die Chance erhalten, sich in der 1. Liga zu beweisen. Dazu sind aus dem Aktivfussball neu zu den Stadtzugern gestossen: Marco Kurtulus und Valentin Bagavac aus der zweiten Mannschaft (3. Liga) sowie Gjelbrim Sadiku, Nemanja Cvijanovic, Mirzet Mehidic (alle vereinslos), Lukas Aeberli (Red Star Zürich, 1. Liga), Dominik Fabbricatore (Zofingen, 2. Liga inter), Florim Mani (Emmenbrücke, 2. Liga inter), Mert Kahveci (Cham II, 2. Liga), Rexhep Thaqi, Pashk Nikollaj (beide Muri, 2. Liga inter) und Mamadou Sylla (Frankreich). Mit dem Torhüter Mario Pastore sowie Daniel Babic, Olivier Kleiner und Aleksandar Radovic blieben überdies auch einige Routiniers dem Klub treu.

Wie schwierig war es, überhaupt ein Team zusammenstellen zu können? «Das war nicht einfach für unseren Sportchef Besnik Reci und mich», schildert Vural Oenen. «Wir waren praktisch jeden Tag mit verschiedenen Spielern in Kontakt. Es waren schwierige Wochen zwischen Dezember und Februar. Der eine oder andere Akteur, den wir gerne gehabt hätten, erteilte uns eine Absage.»

«Wir wissen, dass uns nur ein Sieg etwas bringt»

Man muss kein Mathematiker sein, um die Tabellenlage zu interpretieren. Die Zuger starten mit einer Hypothek von zehn Punkten Rückstand auf den rettenden 12. Rang in die zweite Phase der Saison. Sie sind also zum Siegen verdammt. Morgen empfangen sie den FC Schötz (16.00, Hertiallmend). Der Trainer Oenen sagt: «Wir wissen, dass uns nur ein Sieg etwas bringt. Mit jeder Niederlage kommen wir dem Abstieg näher. Deshalb ist dieses Auftaktspiel für uns natürlich bereits sehr wegweisend.» Oenen baut auf die Kraft freisetzender Wirkung von Erfolgserlebnissen: «Siege stärken dich und das Selbstvertrauen. Gerade in unserer Situation kann das vieles auslösen.» Erfolgserlebnisse gab es bislang nicht viele. Der einzige Sieg in den bisherigen 14 Meisterschaftsspielen resultierte am 3. August dank eines 1:0-Erfolgs über Buochs. Der zweite in einem Pflichtspiel 2019/20 gelang den Zugern im Cup (6:5 nach Penaltyschiessen in Goldau). Deshalb winkt ihnen trotz der düsteren Lage eine grosse Chance: Am 22. März wird Zug gegen den FC Gossau SG um den Einzug in die Hauptrunde spielen.

Warum tut sich der 39-jährige Vural Oenen, der einst als Spieler Profi im FC Zürich war und ein Vertrauter des abgewanderten Ergün Dogru ist, diese Aufgabe in Zug an? «Es hätte natürlich einfachere Aufgaben gegeben, doch mit einem jungen Team zu arbeiten, welches als Absteiger tituliert wird, ist eine grosse Herausforderung für mich», sagt er offen, um auszuführen: «Wir können ja nur gewinnen. Zu verlieren hat man bei dieser Konstellation nichts.» Er sei bereit, an das Unmögliche zu glauben. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.