Derby geht an Emmens «Künstler»

Dagmersellen und Emmen – zuerst bekämpfen sie sich auf dem Platz, dann sitzen sie gemeinsam beim Gnagiessen.

Stephan Santschi
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Der Emmer Luka Kovacevic beim Sprungwurf. Bild: Boris Bürgisser (Dagmersellen, 2. November 2019)

Der Emmer Luka Kovacevic beim Sprungwurf. Bild: Boris Bürgisser (Dagmersellen, 2. November 2019)

Es hat Tradition, das Gnagiessen in der Dagmerseller Chrüzmatt. Einmal pro Saison findet es im Anschluss an ein meist publikumswirksames Handballspiel statt. So auch diesmal, als die Emmer zum 1.-Liga-Derby anreisten. 530 Zuschauer sorgten für eine volle Tribüne und einen stimmungsvollen Rahmen. Die Trainer lobten das «super Publikum» (Dagmersellens Martin Prachar) und die «super Atmosphäre» (Emmens Heinz Fuhrimann).

Auch die beiden Mannschaften trugen ihren Teil zum gelungenen Abend bei. Der Aufsteiger aus der 2. Liga und der Absteiger aus der NLB lieferten sich ein spannendes, ausgeglichenes Spiel, das die Emmer hauchdünn mit 28:27 gewannen. Rund 15 Sekunden hatten die Dagmerseller in ihrem letzten Angriff noch Zeit, um den Ausgleich zu erzwingen, in den Abschluss kamen sie allerdings nicht mehr. «Schade, ein Punkt wäre eine tolle Sache gewesen», bedauerte Prachar.

So wehren sich die «kleinen» Dagmerseller

Die Luzerner Hinterländer haben damit auch die fünfte Partie gegen eines der vier Topteams der Gruppe (Olten, Altdorf, Emmen, Muotathal) verloren. Bisher spielen sie zwar eine solide Saison, «der Exploit aber fehlt», weiss auch Prachar. Warum das so ist, erklärt er so: «Wir haben zwar einen breiten Kader, aber wir können nicht wie andere Teams Spieler bezahlen. Wir leben vom Teamspirit und von speziellen taktischen Massnahmen.» Mit Letzterem bezieht er sich auf die offensive Deckung (5:1, 4:2) oder auf das 7:6-Überzahlspiel im Angriff. «Unsere Spieler sind klein, uns fehlt die Kraft aus dem Rückraum. Wir haben keinen Shooter.»

Qualitäten, mit denen sie am Samstag dem Favoriten aus Emmen lange Zeit Paroli boten. Hin und Her wog das Geschehen in der ersten Halbzeit. Die Emmer starteten besser (8:10), die Dagmerseller kamen auf (14:12), zur Pause lag man gleichauf (14:14). Nach dem Seitenwechsel legte Dagmersellen vor (18:16), Emmen reagierte, setzte sich etwas ab (20:23) und kam trotz einer Dreitoreführung rund zwei Minuten vor Schluss (25:28) nochmals ins Zittern. «Beide Teams zeigten eine gute Leistung. Wir hatten etwas mehr Wettkampfglück», resümierte Fuhrimann.

Emmen hat schwächste Abwehr der 1. Liga

Während die sechstrangierten Dagmerseller im nächsten Frühjahr aller Voraussicht nach in der Abstiegsrunde um den Ligaerhalt kämpfen müssen, dürfen die drittplatzierten Emmer noch mit der Finalrunde liebäugeln. Aktuell fehlt ihnen auf den nötigen, von Altdorf belegten, zweiten Platz lediglich ein Punkt – und dies bei noch sechs ausstehenden Spieltagen. Der Schlüssel zum Erfolg ist die Stabilisierung der Defensive, mit 259 Gegentoren (32,4 pro Spiel) verfügt Emmen über die schlechteste Abwehr der gesamten 1. Liga. «Das ist eine Frage des Wollens, Wissens und Könnens», sagt Fuhrimann. «Mit dem Wollen ist das so eine Sache. Ich habe viele Künstler im Team, die lieber angreifen.»

In Dagmersellen war er mit der Leistung in der Verteidigung aber zufrieden, zum zweiten Mal kassierte Emmen in dieser Saison weniger als 30 Treffer. Und dies erst noch ohne den am Bizeps verletzten Abwehrchef Luka Ravlija. Valentino Augugliaro ersetzte ihn aber vorzüglich, darüber hinaus trat er als Kreisläufer mit sechs Toren und einer 100-prozentigen Abschlussquote auch im Angriff positiv in Erscheinung.

Trainer mit verschiedenen Geschmäckern

Bleibt die Frage, ob den beiden Übungsleitern das Schweizer Traditionsgericht «Gnagi» überhaupt geschmeckt hat. «Nein, ich ass lieber die feinen Dagmersellerli», sagte Emmens Fuhrimann. Und Dagmersellens Prachar hielt fest: «Nicht jeden Tag, aber einmal im Jahr esse ich gerne ein Gnagi.»

Männer, 1. Liga. Gruppe 3: Kriens – Muri 28:23 (17:11). Wohlen – SG Olten 30:33 (15:20). Altdorf – Muotathal 29:27 (13:10). Dagmersellen – Emmen 27:28 (14:14).
Rangliste: 1. SG Olten 8/14. 2. KTV Altdorf 8/13. 3. Handball Emmen 8/12. 4. KTV Muotathal 8/8. 5. Muri AG 8/7. 6. TV Dagmersellen 8/6. 7. Wohlen 8/2. HC Kriens 8/2.

Dagmersellen – Emmen 27:28 (14:14)
Chrüzmatt. – 530 Zuschauer. – SR Maurer/Abalo. – Strafen: je 2-mal 2 Minuten. – Dagmersellen: Häller/Schöpfer; Pascal Tschupp (2), Kilian Tschupp (5), Peter (3), Sommer (7/1), Häfliger (4), Döös (1), Peyer, Theiler (5), Hofstetter, Huber. – Emmen: Schnellmann/Luthiger (1); Schelbert (7), Häberli (1), Brunner, Stirnimann (2), Hartmann (1), Augugliaro (6), Bucher (5/4), Lou Dürger, Flavio Dürger, Kovacevic (4), Baumann (1). – Bemerkung: Schöpfer pariert Penalty von Bucher (54./23:25).