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Sempacher Rudererfolge: Der grosse Stolz eines Landvereins

Der Seeclub Sempach sorgt wieder für Furore. Aushängeschild ist der neue Gesamtweltcupsieger Roman Röösli.
Stephan Santschi
André Vonarburg (links) und Christian Stofer (Dritter von links) vertrat den Seeclub Sempach vor 19 Jahren an den Olympischen Spielen in Sydney. Der Schweizer Doppelvierer wird schliesslich Fünfter und holt ein Diplom. Bild: Fabrice Coffrini/Keystone (Sydney, 22. September 2000)

André Vonarburg (links) und Christian Stofer (Dritter von links) vertrat den Seeclub Sempach vor 19 Jahren an den Olympischen Spielen in Sydney. Der Schweizer Doppelvierer wird schliesslich Fünfter und holt ein Diplom. Bild: Fabrice Coffrini/Keystone (Sydney, 22. September 2000)

Er ist historisch, der Erfolg, den Roman Röösli am letzten Sonntag errungen hat. Historisch für seinen Verein, den Seeclub Sempach, bei dem er das ABC des Ruderns erlernt hat. Dank dem Weltcupsieg in Rotterdam, dem zweiten in Folge, gewann der 25-jährige Neuenkircher mit dem Lausanner Barnabé Delarze den Gesamtweltcup im Doppelzweier. «Das gelang Sempacher Ruderern letztmals vor 20 Jahren», weiss Seeclub-Präsident Roland Renggli und bezieht sich dabei auf André Vonarburg und Christian Stofer. Sie waren Teil des Doppelvierers, der 1999 den Gesamtweltcup für sich beansprucht hatte.

Und nun also Roman Röösli. Er reiht sich nahtlos ein in eine Serie von Sempacher Topathleten, die sich in der Weltspitze etablieren konnten. André Vonarburg, Christian Stofer, Florian Stofer und Röösli sorgen dafür, dass der Luzerner Landverein seit 2000 an sämtlichen Olympischen Spielen vertreten war. «Eine solche Serie kann in der Schweiz kein anderer Klub vorweisen. Das ist unser grosser Stolz», betont Renggli.

Seeclub Sempach überragt im Nachwuchs alle

Wie hält sich ein mit 280 Mitgliedern verhältnismässig kleiner Verein auf hohem Level konkurrenzfähig? «Mit dem Fokus auf Leistungssport und Jugendarbeit. Wir verzetteln uns nicht, setzen unsere wenigen Ressourcen gezielt ein», erklärt Renggli. Beweis dafür waren die Schweizer Meisterschaften von Anfang Juli auf dem Rotsee. Erstmals überhaupt gewann der Seeclub Sempach die Wertung «Vive la relève de l’aviron Suisse», was so viel bedeutet wie: Im U17- und U15-Nachwuchs ist man die nationale Nummer eins. Als Toptalente gelten U23-Kadermitglied Patrick Brunner, sowie die U17-Junioren David Widmer und Kilian Brunner.

Daneben klassierte sich Sempach mit elf Medaillen in der Klubwertung auf dem ausgezeichneten vierten von insgesamt 41 Plätzen – nur die städtische Konkurrenz von GC Zürich, des Seeclubs Luzern und des See-Clubs Zug war erfolgreicher. «Eine geniale Bilanz», schwärmt Nicolas Erni, der kürzlich die Leitung des Leistungssports übernommen hat.

Neben der kompetenten Cheftrainerin Claudia Blasberg, die in einem kleinen Pensum als Profi angestellt ist, sowie weiteren guten Trainern und Helfern sieht Erni den Zusammenhalt als Pluspunkt. «Der Drive ist aussergewöhnlich und die Jungen wollen weiterkommen. Kürzlich baten mich 13-jährige Mädchen um eine weitere Trainingsmöglichkeit am Samstag, weil sie Schweizer Meisterinnen werden wollten.» Alle eifern sie den grossen Vorbildern nach, Roman Röösli eben oder auch Valérie Rosset. «Sie sind unsere Aushängeschilder», sagt Erni und Präsident Renggli ergänzt: «Von ihnen leben wir, ohne ihre Erfolge hätten wir keine Medienpräsenz.» Der Breitensport bilde derweil das Rückgrat des Vereins, sowohl in finanzieller als auch emotionaler Hinsicht. «Die Breitensportler unterstützen uns mit Mitgliederbeiträgen oder in der Gönnervereinigung. Zudem sind sie Fans unserer Topcracks.» Auch Trainings für körperlich Behinderte sind möglich, Sempach gilt im Para-Rowing als nationales Zentrum.

Darüber hinaus ist der Seeclub Sempach offen für Innovationen. «So lancierten wir beispielsweise das Surfbrett mit Aufsätzen für die ersten Ruderversuche», berichtet Renggli. «Oder wir reduzierten das Beitrittsalter auf 10 Jahre, wo der Spass und noch nicht der Wettkampf im Vordergrund steht. Andere Vereine in der Schweiz kopieren unsere Projekte.»

Wie es war, als Jungspund in den Seeclub Sempach einzutreten, daran erinnert sich Roman Röösli noch gut. «Ich war auf dem Motorboot mit dem Trainer unterwegs und sofort begeistert. Als Teenager verbrachte ich praktisch meine ganze Freizeit im Seeclub.» Seine Leidenschaft für das Rudern umschreibt der Vollprofi heute so: «Der Mix aus Kraft, Ausdauer, Technik und Bootgefühl ist mega schön. Zudem arbeite ich gerne in Teams.» Sein Sport sei die beste Lebensschule. «Rudern ist sehr ehrlich. Wenn man viel investiert, kommt auch etwas zurück. Mit Ambition und Motivation ist fast alles möglich.»

Röösli strebt nach Exploits an WM und Olympia

Als nächstes greift Röösli an der WM von Ende August in Linz und an Olympia 2020 in Tokio nach den höchsten internationalen Weihen. Als jeweils Zweitplatzierter an der WM 2018 und EM 2019, sowie frisch gebackener Gesamtweltcupsieger zählt er mit Delarze im Doppelzweier zu den Topfavoriten. «Mit unseren jüngsten Ergebnissen haben wir uns selber Druck gemacht», sagt er mit einem Schmunzeln. Röösli war mit der Silbermedaille im letzten Jahr übrigens der erste Sempacher Ruderer, der an einer WM das Podest bestieg. Gelingt ihm dieser Exploit nächstes Jahr in Tokio, wäre er auch der erste Olympia-Medaillengewinner. Und der Seeclub Sempach käme zu einem weiteren historischen Moment.

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