Volleya Obwalden jubelt nach dem Derby: «Dass wir das noch drehen – cool!»

Packendes Derby in der NLB: Die Obwaldnerinnen schlagen Volley Luzern nach 0:2-Rückstand mit 3:2.

Stephan Santschi
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Die Obwaldnerin Claire Mackenzie (unten) wird von den Luzernerinnen Adrijana Smiljkovic (links) und Emma Schepers geblockt. Bild: Patrick Hürlimann (Sarnen, 3. November 2019)

Die Obwaldnerin Claire Mackenzie (unten) wird von den Luzernerinnen Adrijana Smiljkovic (links) und Emma Schepers geblockt. Bild: Patrick Hürlimann (Sarnen, 3. November 2019)

Viel ausgeglichener hätte die Ausgangslage nicht sein können: Volleya Obwalden und Volley Luzern starteten praktisch gleich in die neue NLB-Saison: Beide siegten in drei Partien zweimal, beide hatten ein Satzverhältnis von 7:3, ja sogar das Ballverhältnis wies lediglich eine Differenz von acht Punkten auf. Erstaunlich war es also nicht, dass sich in der Direktbegegnung am Samstagabend in Sarnen eine knappe Angelegenheit entwickelte.

Zunächst sah es aber nicht danach aus. Die Gäste aus Luzern legten einen Blitzstart hin, führten nach wenigen Minuten bereits mit 6:0. Sarnens Trainer Nik Buser sah sich zu einem frühen Time-out genötigt, derart verkrampft gingen seine Spielerinnen ans Werk. «Die beiden Teams kennen sich sehr gut, von beiden geht etwa die Hälfte gemeinsam an die Talent School», erklärte Buser die Nervosität.

Obwalden trotz Steigerung 0:2 im Rückstand

Seine Intervention zeigte Wirkung, fortan entwickelte sich jenes Duell auf Augenhöhe, dass von Beginn weg erwartet worden war. Die Hypothek aus Satz eins vermochte Obwalden aber nicht mehr zu tilgen – mit 21:25 ging er verloren. Luzern spielte entschlossener, kreativer und machte weniger Fehler.

Eindrücke, die sich im zweiten Durchgang bestätigten. Zwar blieb der Gastgeber bis zum Stand von 20:20 dran. Dann aber schlichen sich wieder zu viele technische Unzulänglichkeiten ein, erneut ging der Satz mit 21:25 an die Konkurrenz. «Es war sehr knapp, wir hatten auch das Glück auf unserer Seite», fand Luzerns Coach Martin Flückiger.

Was folgte, war das grosse Aufbäumen der Obwaldnerinnen. Am Ursprung stand die Einwechslung der Passspielerin Dalia Küchler. Mit ihr kam mehr Tempo und Präzision ins Spiel, vorübergehend zündete die Volleya regelrecht den Turbo, gewann 25:20 und verkürzte auf 1:2-Sätze. So stetig, wie das Selbstvertrauen der Roten nun anstieg, so kontinuierlich sank jenes der Blauen. «Wir haben zu zittern begonnen, wurden zaghaft. Unseren Aktionen mangelte es an Konsequenz», bemerkte Flückiger.

Volleya mit dem ausgewogeneren Spiel

Vor allem die Annahmen waren nun ungenügend, ein gepflegtes Aufbauspiel war nur noch schwer möglich. Volleya Obwalden trat zwar keineswegs konstant auf, der vierte Satz ging letztlich aber doch ziemlich souverän mit 25:23 an sie. Im Tiebreak rappelten sich die Luzernerinnen nochmals auf, erzwangen eine 6:4-Führung. Die Obwaldnerinnen profitierten letztlich aber von ihrem etwas ausgewogeneren Spiel. Die Kanadierin Claire MacKenzie fand mit präzisen und teilweise überraschenden Abschlüssen immer wieder Lücken im Feld des Gegners, die brasilianische Mittelblockerin Kerley Becker punktete humorlos am Netz und die 16-jährige Aussenangreiferin Sandrine Giroud liess ihr Potenzial mit variablem Offensivspiel und starken Services aufblitzen.

Nach einem Smash von Luzerns Spielertrainerin Leona Neumannova ins Netz war die Partie gelaufen – mit 15:11 im Tiebreak und 3:2 nach Sätzen blieb der Sieg in Sarnen. «Dass wir das noch drehen konnten – cool!», zeigte sich Sandrine Giroud glücklich über den Ausgang des Spiels. Ihrer Miene war es bei den Gratulationen aber anzusehen, dass sie nicht ganz zufrieden war. «Gerade im Angriff hätte ich von mir mehr erwartet», sagte die ehrgeizige Walliserin aus Martigny, die wegen ihrer sportlichen Ambitionen in die Zentralschweiz kam.

Trainer Nik Buser war derweil froh, den direkten Konkurrenten im Kampf um die Playoffs (Top 4) bezwungen zu haben, räumte aber auch ein: «Wir könnten wahnsinnig gut sein. Was wir trainieren, bringen wir noch nicht konstant aufs Feld.» Sein Gegenüber Martin Flückiger war derweil trotz Niederlage nicht untröstlich. «Unsere Spielerinnen sind coachable, also leicht zu trainieren. Sie wollen wirklich weiterkommen. Die beiden Teams sind sich sehr ähnlich.» In der Tabelle hat die drittrangierte Volleya nun aber die Nase um einen Punkt und einen Platz vorne.

Volleyball, NLB-Frauen

4. Runde: Volleya Obwalden – Volley Luzern 3:2 (21:25, 21:25, 25:20, 25:23, 15:11). Mendrisio/Bellinzona – Züri Unterland 3:0 (25:21, 25:23, 25:9). Kanti Baden – Aadorf 1:3 (23:25, 25:22, 23:25, 24:26).
Rangliste: 1. Aadorf 4/12. 2. Kanti Baden 5/9. 3. Volleya Obwalden 4/8 (10:5). 4. Volley Luzern 4/7 (9:6). 5. 5. Glaronia Glarus 4/4. 6. Mendrisio/Bellinzoan 5/3. 7. Züri Unterland 4/2.

Volleya Obwalden – Volley Luzern 3:2
Vereinshalle, Sarnen. – 160 Zuschauer. – Spieldauer: 106 Minuten. – Sätze: 21:25, 21:25, 25:20, 25:23, 15:11. – Volleya Obwalden: Capraro, MacKenzie, Becker, Rohrer, Giroud, Garovi, Krummenacher (Libera); Küchler, Omlin, Odermatt. – Volley Luzern: Schepers, Smiljkovic, Neumannova, Bühler, Müller, Nussbaumer, Gehrig (Libera); Erni, Buchli, Wigger, Smith.