Das Talent und der Teamsenior triumphieren in Realp

An den Schweizer Meisterschaften in Realp schreibt Siri Wigger (16) Langlauf-Geschichte. Auch Toni Livers (36) erlebt einen Aufsteller.

Roland Bösch
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Sie feierte einen Elite-Sieg in Realp: die Zürcher Oberländerin Siri Wigger.

Sie feierte einen Elite-Sieg in Realp: die Zürcher Oberländerin Siri Wigger.

Bild: Urs Steger (Realp, 2. Februar 2020)

Gegensätzlicher hätte der erste Teil der Langlauf-Schweizer-Meisterschaften in Realp am Sonntag nicht zu Ende gehen können. Die erst 16-jährige Siri Wigger vom Skiclub am Bachtel dominierte als jüngste Teilnehmerin das Verfolgungsrennen der Frauen, während sich der bereits 36-jährige Toni Livers aus Davos bei den Männern durchsetzen konnte. Zwanzig Jahre liegen zwischen dem A-Kaderathleten von Swiss-Ski und Siri Wigger, die an den Olympischen Jugendspielen in Lausanne Doppelgold gewinnen konnte. Elf Tage bevor die Tochter der ehemaligen Spitzenlangläufer Silvia Honegger und Jeremias Wigger am 9. April 2003 das Licht der Welt erblickte, gewann Livers im Lötschental den zweiten Junioren-Schweizer-Meistertitel in seiner Karriere. In den letzten 20 Jahren folgten Platzierungen mit Weltcup-Punkten. Seit 2006 nahm Livers zudem an sämtlichen Olympischen Winterspielen teil und feierte 2007 in Davos einen Weltcupsieg.

Davoser Toni Livers.

Davoser Toni Livers.

Bild: Urs Steger (Realp, 2. Februar 2020)

Der Erfolg im Urserntal wäre für Livers eigentlich Nebensache, dennoch war dem Teamsenior die Freude anzusehen. «Die Saison verlief nicht nach Wunsch, da ist ein solcher Sieg ein Aufsteller», zog er Bilanz. Den Erfolg musste sich der Bündner auf der 15 Kilometer langen Skating-Strecke hart verdienen. Als Dritter des in der klassischen Technik ausgetragenen Einzelrennens am Vortag griff Livers mit einem Rückstand von 37 Sekunden auf den Schweizer Meister Livio Bieler (26) ins Verfolgungsrennen ein. Bieler zeigte auf der anspruchsvollen Strecke mehr Mühe als 24 Stunden zuvor, so musste er den Vortagszweiten Dajan Danuser und Livers an sich vorbeiziehen lassen. Danuser und Livers lieferten sich in der Folge bis zur Ziellinie ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das die Jury erst nach Konsultation der Zielkamera zu Gunsten von Livers entschied.

Wigger verschärft das Tempo

Bei den Frauen stiegen die ersten vier Athletinnen praktisch zeitgleich ins Verfolgungsrennen ein. Siri Wigger verschärfte auf der dritten von vier Runden das Tempo und sicherte sich mit einem respektablen Vorsprung von 14 Sekunden den Sieg vor der B-Kaderläuferin Alina Meier. Die Athletin des Skiclubs am Bachtel geht mit diesem Triumph als jüngste Schweizer Meisterin bei der Elite in die Geschichte ein. Nur wenig hat gefehlt und sie hätte dieses Kapitel bereits einen Tag früher geschrieben. Beim Einzelrennen über fünf Kilometer wurde die Zürcher Oberländerin mit einem Rückstand von lediglich 2,7 Sekunden hinter den beiden Davoserinnen Désirée Steiner und Alina Meier Dritte.

Siri Wigger verfügt über einen unglaublichen Motor. Während Livers versucht, sich am Zenit seiner Karriere noch einmal für Weltcup-Einsätze aufzudrängen, scheint dies bei Siri Wigger nur eine Frage der Zeit zu sein. Für die junge Athletin selber ist der Weltcup aber noch kein Thema, sie verfolgt in dieser Saison noch andere Ziele. «Nach den Olympischen Jugendspielen fokussiere ich mich auf die Junioren-Weltmeisterschaften anfangs März in Oberwiesenthal», sagte sie.

Buholzer und Näpflin auf Podest

Trotz des einsetzenden Regens am zweiten Wettkampftag konnten die Verantwortlichen der Schweizer Meisterschaften in Realp unter der Leitung des Urner Regierungsrats Beat Jörg ein positives Fazit ziehen. Der erste Testlauf im Hinblick auf die Universiade im Januar 2021 ist geglückt. Viel Lob gab es für das OK bezüglich der neu homologierten, sehr anspruchsvollen Strecke.

Gefallen gefunden an der Strecke hat auch der Nidwaldner C-Kaderathlet Avelino Näpflin. Der Beckenrieder arbeitete sich im Verfolgungsrennen der Junioren mit der schnellsten Skating-Zeit auf den dritten Schlussrang vor. «Eigentlich habe ich mich auch am Samstag bereits sehr wohl gefühlt, ein Sturz in der Anfangsphase des Rennens hat mich dann aber etwas aus dem Rhythmus gebracht», erklärte Näpflin. Souverän war auch der Auftritt der Luzernerin Bianca Buholzer. Mit vielen positiven Eindrücken und Resultaten von den Olympischen Jugendspielen im Rucksack sicherte sich die 17-jährige Schwarzenbergerin im Einzellauf wie in der Verfolgung bei der U18 die Bronzemedaille. (rb)

Realp. Langlauf-SM. 1. Teil. Einzelstart Klassisch. Frauen, 5 km (59 Klassierte): 1. Désirée Steiner (Davos). 2. Alina Meier (Davos). 3. Siri Wigger (am Bachtel) – Ferner: 15. Lea Fischer (Engelberg). –U18 (22): 1. Wigger. – Ferner: 3. Bianca Buholzer (Horw). 11. Selina Haas (Marbach). 14. Fiona Christen (Unterschächen). Männer, 15 km (32 Klassierte): 1. Livio Bieler (Davos). 2. Dajan Danuser (Vättis). 3. Toni Livers (Davos). – Ferner: 10. Cyril Fähndrich (Horw). 14. Janik Riebli (Schwendi-Langis). 16. Andrin Näpflin (Beckenried). 27. Samuel Beeler (Rothenthurm). – U20, 10 km (55): 1. Nicola Wigger (am Bachtel). – Ferner: 4. Avelino Näpflin (Beckenried). – U18, 10 km (36): 1. Gianluca Walpen (Samedan). – Ferner: 14. Philippe Meyer (Horw). 19. Armando Spaeti (Horw). 20. Ramon Riebli (Schwendi-Langis). 25. Cyril Emmenegger (Flühli). 26. Tobias Limacher (Flühli). 31. Rico Felder (Flühli).
Verfolgung freie Technik. Frauen , 10 km (54): 1. Wigger. 2. Meier. 3. Steiner. – Ferner: 10. Fischer. – U18, 10 km (21): 1. Wigger. – Ferner: 3. Buholzer. 11. Christen. 12. Haas. Männer, 15 km (30): 1. Livers. 2. Danuser. 3. Bieler (Davos). – Ferner: 12. Riebli. 13. Fähndrich (Horw). 15. Andrin Näpflin. 26. Beeler. – U20, 10 km (51): 1. Wigger. 2. Cla-Ursin Nufer (Sedrun). 3. Avelino Näpflin. – U18, 10 km (33): 1. Antonin Savary (Riaz). – Ferner: 16. Riebli. 18. Meyer. 21. Spaeti. 25. Limacher. 27. Felder. 28. Emmenegger.