Bei den Orientierungslauf-Meisterschaften gewinnt für einmal der andere Bruder

An den Schweizer Mitteldistanz-Meisterschaften in Seelisberg gewinnt Martin Hubmann vor seinem Bruder Daniel.

Jörg Greb
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Daniel Hubmann (vorne) muss diesmal seinem Bruder Martin den Vortritt lassen.

Daniel Hubmann (vorne) muss diesmal seinem Bruder Martin den Vortritt lassen.

Bild: Pius Amrein (Seelisberg, 26. September 2020)

Das ist nicht der Herbst von Martin Hubmann gewesen – zumindest bis zu den Einzelmeisterschaften in diesem Monat. Sowohl im Sprint wie über die Langdistanz verpasste der 31-Jährige den Medaillenplatz knapp. Je undankbarer Vierter wurde er – und war entsprechend enttäuscht. «Das hat gewurmt», sagte er. Zumal die physische Form gepasst hätte.

Bei der letzten Möglichkeit dieses Herbstes, an den Schweizer Mitteldistanz-Meisterschaften in Seelisberg, konnte Martin Hubmann die Chance nutzen. Im anspruchsvollen Gelände mit den vielen Steinen, Felsen und der intensiven Vegetation setzte er sich durch. «Du musstest immer konzentriert sein und auf den Boden schauen», beschrieb er, «und dabei dem exakten Kartenlesen Beachtung schenken. Das machte es schwierig.»

Wieder einmal umgekehrte Reihenfolge

Martin Hubmann löste die Aufgabe mit Bravour. Endlich glückte ihm der Lauf ohne Fehler. Mit einem Vorsprung von gut zwei Minuten und mehr setzte er sich durch. «Dieser Sieg ist Balsam für die Seele», sagte der Thurgauer, der nach Abschluss des Ingenieur-Studiums seit bald zwei Jahren voll auf die Karte Sport setzt. Für Hubmann, den mehrfachen Gold-Gewinner an internationalen Meisterschaften (Sprint-Staffel/Staffel), haben auch nationale Meistertitel Gewicht. «Ich kann sie an einer Hand abzählen», sagte er. Um den erst Dritten handelte es sich.

Ganz klar im Hintertreffen befindet sich Martin Hubmann mit dieser Erfolgsausbeute noch immer im Vergleich zu Bruder Daniel. Dieser hat mit seinen Erfolgen im Sprint und über die Langdistanz seine Meistertitel auf 35 erhöht. Martin Hubmann sagte lachend: «Dass es wieder einmal umgekehrt herausgekommen ist, tut beiden gut.» Er sprach von «zusätzlichem Selbstvertrauen», das er dadurch aufbauen könne.

Und dass sich der Zweitklassierte Daniel Hubmann trotz der eigenen Enttäuschung mitfreuen konnte, machte den Erfolg für Martin Hubmann noch schöner. Die zeitliche Differenz (2:01 Minuten) verdeutlichte die Souveränität von Martin Hubmann. Platz 3 ging an Jonas Egger (2:08 zurück).

Aebersold verteidigt Titel bei den Frauen

Deutlich, auch wenn nicht mit einem ganz so grossen Vorsprung setzte sich bei den Frauen Simona Aebersold durch. Das Grosstalent auf Brügg im Berner Seeland gewann mit einer Reserve von 1:04 Minuten auf die Tessinerin Elena Roos und sehr deutlichen 6:28 auf Sofie Bachmann. «Ich kam ohne grösseren Fehler durch, was heute wohl den Ausschlag gab», sagte die 22-Jährige. Sie gab sich vor allem in der Anfangsphase genügend Zeit für die Routenwahl. Die Ruhe machte sich bezahlt. Zudem wählte sie mehrfach die «einfachen Varianten». Aebersold verteidigte damit ihren Titel erfolgreich.

Die Titelkämpfe in Seelisberg bildeten den Abschluss einer intensiven, einmonatigen Wettkampfserie. Das Spezielle bestand darin, dass die im Frühling absagten Mitteldistanz-Meisterschaften nun an den Austragungsort der ebenfalls annullierten Staffel-Meisterschaften verlegt worden sind. Durch ein aufwendig erarbeitetes Neukonzept wurden sie möglich.

Orientierungslauf

Seelisberg. Schweizer Meisterschaften. Mitteldistanz. Männer (5 km/350 m HD/19 Posten): 1. Martin Hubmann (Eschlikon TG) 38:09. 2. Daniel Hubmann (Bremgarten b. Bern) 2:01 zurück. 3. Jonas Egger (Burgdorf) 2:08. – 83 klassiert. – Frauen (3,9 km/210 m HD/16 Posten): 1. Simona Aebersold (Brügg BE) 39:13. 2. Elena Roos (Cugnasco) 1:04. 3. Sofie Bachmann (Reigoldswil) 6:28.– 46 klassiert.