Interview

André Küchler, Präsident von Ad Astra Sarnen sagt: «Diese Erinnerungen nimmt uns niemand»

Der Saison-Abbruch in allen Unihockey-Ligen stellt Ad Astra Sarnen vor eine ungewisse Situation.

Melk von Flüe
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Sarnen-Stürmer Cornel von Wyl (rechts) gegen Usters Verteidiger Florian Bolliger.

Sarnen-Stürmer Cornel von Wyl (rechts) gegen Usters Verteidiger Florian Bolliger.

Simon Abächerli

Ad Astra Sarnen verlor die Playout-Serie gegen den UHC Uster und bereitete sich auf die Abstiegsspiele gegen das NLB-Team Unihockey Basel Regio vor. Diese hätten am nächsten Wochenende starten sollen. Nun hat der Unihockey-Verband entschieden, die Saison per sofort zu beenden. André Küchler, der Präsident von Ad Astra, nimmt im Interview zur aktuellen Situation Stellung und führt aus, was dies für den Verein bedeutet.

André Küchler, wie ist Ihre persönliche Gefühlslage in diesen Tagen, in denen immer deutlicher sichtbar wird, welche weitreichenden Konsequenzen das Corona-Virus für uns alle hat?

André Küchler: Persönlich fühle ich eine gewisse Leere. Ich habe Respekt vor dieser Situation und darum auch vor den Massnahmen, die vom Bundesrat und dem Kanton getroffen wurden. Etwas flau wird mir, wenn ich daran denke, was noch kommen könnte. Die Situation betrifft bei weitem nicht nur den Sport. Wir sind alle gefordert, mal schauen wie es weiter geht.

Wie die meisten Verbände hat auch Swiss Unihockey letzte Woche entschieden, die Saison per sofort abzubrechen. Was bedeutet dies für Ad Astra Sarnen?

Am Donnerstagabend fand eine Nationalliga-Versammlung statt. Die vom Verband einberufene Taskforce hat an diesem Meeting bekanntgegeben, dass die Saison abgebrochen und dass darum kein Meister gekürt wird. Leider haben sie nicht bekanntgegeben, wie die Auf-/Abstiegsfragen gelöst werden sollen. Dies wiederum führte zu angeregten, teils emotionalen Diskussionen. Zur Lösung der offenen Fragen wurden verschiedene Ideen in den Raum gestellt, die jedoch teilweise bereits wieder hinfällig wurden aufgrund der neusten Beschlüsse vom Bundesrat am Freitagnachmittag. Ein Vorschlag war beispielsweise, ein einziges Spiel auf neutralem Boden durchzuführen, das über die Ligazugehörigkeit in der nächsten Spielzeit entscheidet. Ein Konsens wurde in diesen Diskussionen jedoch nicht gefunden.

Was wäre aus Sicht von Ad Astra Sarnen das Wunschszenario im Umgang mit der Situation?

Erst einmal möchte ich klarstellen, dass diese Situation für uns nicht im Entferntesten etwas mit einem Wunschszenario zu tun hat. Als Sportverein wünscht man sich, dass eine Saison wie geplant durchgeführt werden kann und am Ende die Entscheide auf dem Platz gefällt werden – so wie dies in der Vergangenheit immer der Fall war. Spannende Abstiegsspiele vor vielen Zuschauern und am Ende die sportliche Sicherung des Ligaerhalts, das wäre unser Wunschszenario. Dies müssen wir uns aber leider abschminken, die aktuelle Situation lässt dies nicht zu. Alle anderen Varianten haben mit Wunschszenarien wenig zu tun, sondern sind logische Folgen des Saisonabbruchs.

Der Unihockey-Verband hat somit noch nicht entschieden, wie die offenen Fragen zum Auf- und Abstieg gelöst werden. Wie geht es nun weiter?

Der Verband hat die betroffenen Vereine dazu aufgefordert, an diesem Wochenende eine Stellungnahme zur aktuellen Situation einzureichen. Dies haben wir gemacht und darin klar Position bezogen. Für uns ist die einzige sinnvolle Variante, gleich vorzugehen wie der Eishockey-Verband. Dieser hat entschieden, die Saison nicht zu werten. Folglich gibt es weder einen Meister, was auch im Unihockey bereits entschieden wurde, noch einen Auf- oder Absteiger. Das ist natürlich völlig unzufriedenstellend für Basel und Thurgau, die beiden Teams aus der NLB mit Aufstiegsambitionen. Sportlich sind wir jedoch nicht abgestiegen und sie auch nicht aufgestiegen. Ich bin mir aber auch nicht sicher, ob ein Aufstieg am grünen Tisch wirklich befriedigend wäre. Die spannenden und emotionalen Aufstiegsspiele vom letzten Jahr mit der unvergesslichen Aufstiegsfeier möchte ich auf keinen Fall missen. Das sind Erinnerungen, die uns niemand nehmen kann und bei einem Aufstieg am grünen Tisch vollkommen fehlen würden.

Wann wird der Verband einen Entscheid treffen?

Dies wurde noch nicht kommuniziert. Ich hoffe, dass wir im Verlauf der nächsten Woche Klarheit haben. Zurzeit ist jedoch schwierig abzuschätzen, wann dies genau der Fall sein wird. Eine rechtliche Grundlage für einen Entscheid in dieser ausserordentlichen Situation fehlt. Zudem ist unklar, ob erneut eine ausserordentliche Nationalliga-Versammlung notwendig ist. Sobald ein Entscheid da ist, was hoffentlich bald der Fall sein wird, werden wir vereinsintern wieder tagen und entsprechend reagieren.

Eine interne Vorstandssitzung habt ihr bereits am Freitagabend durchgeführt. Was wurde dort diskutiert und entschieden?

Wie viele andere Vereine auch, haben wir entschieden, den Trainingsbetrieb aller Mannschaften per sofort einzustellen und die Saison abzubrechen. Beispielsweise haben dies auch Volleya Obwalden und der BSV Stans gemacht. Einzig die Spieler vom NLA-Team sind momentan aufgrund der unklaren Situation noch auf Standby, sie werden laufend informiert über die neusten Entwicklungen. Sonst gibt es sicher bis Ostern vorerst kein Unihockey. Wir bedauern dies sehr, allerdings mussten wir im Sinne der Vernunft diesen Entscheid treffen. Unser Vertrauen in die Massnahmen der Behörden ist da, darum mussten wir diese Konsequenzen ableiten.