Rassismus-Eklat
FC-Wil-Präsident Maurice Weber beleidigt dunkelhäutigen Spieler – die Liga leitet ein Verfahren ein

Im Spiel des FC Wil gegen Xamax im vergangenen Mai in der Maladière ist es zu einer verbalen Entgleisung von Wil-Präsident Maurice Weber gekommen. Er diskriminierte einen dunkelhäutigen Fussballer. Der rassistische Ausrutscher dürfte den Präsidenten noch lange begleiten – die Swiss Football League hat ein Verfahren eingeleitet.

Ralf Streule Jetzt kommentieren
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FC-Wil-Präsident Maurice Weber.

FC-Wil-Präsident Maurice Weber.

Bild: Urs Bucher

Eigentlich sollte sich derzeit beim FC Wil ja alles um den Cup-Sechzehntelfinal gegen Yverdon vom Freitagabend drehen. Es kommt aber ganz anders. Am Nachmittag vor dem Spiel wird publik, dass sich FC-Wil-Präsident Maurice Weber am vergangenen 7. Mai während des Auswärtsspiels bei Xamax eine rassistische Entgleisung geleistet haben soll. Gemäss dem Online-Portal nau.ch beschimpfte er einen dunkelhäutigen Spieler als «N...». Dass der Vorfall erst jetzt publik wird, ist überraschend. Gemäss nau.ch sind es aber mehrere unabhängige Quellen, die diese Entgleisung bestätigen.

Weber: «Ich entschuldige mich in aller Form»

Der FC Wil und sein Präsident streiten die Sachlage nicht ab. Vielmehr lassen sie in einer Mitteilung verlauten, dass sich Weber tatsächlich in Neuenburg «nicht an die ethischen Grundsätze des Vereins gehalten» habe - ethische Grundsätze, die der Präsident zu 100 Prozent mittrage. Ein «nicht tolerierbarer Zwischenruf» sei ihm über die Lippen gekommen. Weber, der an diesem Wochenende wegen eines privaten Anlasses nicht beim Team weilt und nicht für eine Stellungnahme zur Verfügung steht, wird in der Mitteilung so zitiert: «Ich entschuldige mich in aller Form für mein Handeln. Ich bin mir bewusst, meine Vorbildfunktion mit dieser verbalen Entgleisung nicht wahrgenommen zu haben.»

Pikantes Detail: Im Spiel gegen Xamax hatte der dunkelhäutige Wiler Stürmer Noah Jones zum späten 2:2 getroffen. Gut möglich, dass der Vorfall auch teamintern hohe Wellen schlug, auch wenn dies Medienchef Dani Wyler auf Anfrage nicht so formuliert haben will. Der Vorfall sei aber intern mit allen Beteiligten besprochen und abgeschlossen worden. In Medienberichten wird vermutet, dass das viertägige Trainingslager des FC Wil in Crans-Montana im Sommer so etwas wie ein Geschenk und eine Wiedergutmachung des Präsidenten war. Entsprechende Berichte werden vom Klub so nicht bestätigt.

SFL untersucht den Sachverhalt im Detail

Maurice Weber dürfte diese rassistische Entgleisung nicht so schnell loslassen. Die Swiss Football League (SFL) hat unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Vorfalls ein Verfahren gegen das SFL-Mitglied Weber eingeleitet. Der Sachverhalt soll detailliert untersucht werden. Die SFL schreibt, man wolle «weiterhin mit den Klubs, Spielern , Offiziellen, Fans und Partnern zusammenarbeiten, um diskriminierendes Verhalten nicht nur zu verurteilen, sondern gemeinsam zu verhindern.» Weber dürfte mindestens eine Busse drohen. Entschuldigung hin oder her.

Der FC Wil stellt aber seinerseits ebenfalls klar, man werde auch «künftig alle Bemühungen im Kampf gegen Diskriminierung und Rassismus aktiv unterstützen.»

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