Spritzensport

Sollen australische Richter den FC Basel sperren?

Rainer Sommerhalder
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Spritzensport: Diese Kolumne beschäftigt sich alle zwei Wochen mit Themen rund um Doping und den Kampf dagegen.

Spritzensport: Diese Kolumne beschäftigt sich alle zwei Wochen mit Themen rund um Doping und den Kampf dagegen.

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Ben McDevitt ist ein ehrenwerter Mann. Der Australier arbeitet für die Welt-Antidoping-Agentur (Wada) und leitete bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang die Beobachtermission der Wada. Zuvor war McDevitt Chef der australischen Antidoping-Behörde (Asada). Der Wechsel von Canberra nach Montreal fühlte sich für den ehemaligen Kriminalbeamten wie Befreiung und Flucht zugleich an. Denn McDevitt ist in Australien das Feindbild vieler Sportfans.

Seit 2012 beschäftigt man sich in «Down under» mit dem grössten Dopingskandal in der Geschichte des Landes. Dieser endete 2016 mit einer zweijährigen Sperre gegen 34 Spieler des renommierten Australian Football Teams Essendon Bombers und erhitzt die Gemüter nach wie vor. So kämpft die Kampagne «Justice for 34» vehement dafür, dass der Fall nochmals aufgerollt wird.

Angesichts der Popularität der australischen Football-Variante ohne Schutzausrüstung und der Bedeutung des Teams in der heimischen Liga ist diese Sperre etwa mit einem zweijährigen Ausschluss des FC Basel aus der Super League zu vergleichen. Und schuld daran ist für viele Australier Ben McDevitt.

Was war passiert? Im Herbst 2011 suchte die Teamleitung die Zusammenarbeit mit einem umstrittenen Sportwissenschafter. Dieser verabreichte den Spielern Nahrungsergänzungsmittel per Injektion.

Die Sportler mussten eine schriftliche Erklärung abgeben, dass sie mit der Behandlung einverstanden waren. In diesem Dokument stand ausdrücklich, dass die Behandlung Wada-konform sei.

Weil der nicht einverstandene Teamarzt aber Indizien fand, dass auch das verbotene Protein Thymosin beta-4 verabreicht wurde, brach die Klubleitung das Projekt ab und machte eine Selbstanzeige bei der Anti-Doping-Behörde.

Da von keinem der Spieler ein positiver Dopingtest vorhanden war, sprach die zuständige Dopingkammer des Football-Verbandes die Spieler im März 2015 frei und bezeichnete diese als Opfer und nicht als Täter. Das wiederum passte der Asada nicht.

McDevitt lieferte der einspracheberechtigten Wada alle Unterlagen für den Gang vor das Sportschiedsgericht in Lausanne. Im Januar 2016 korrigierte das CAS den Entscheid und sperrte alle 34 Spieler. Der australische Football-Verband rief daraufhin vergeblich das Schweizer Bundesgericht an.

Der Fall warf derart hohe Wellen, dass sich «Nestbeschmutzer» McDevitt sogar bei einer live im TV ausgetragenen Anhörung vor dem Senat rechtfertigen musste. Und noch etwas wollten die polternden Australier partout nicht akzeptieren: Dass letztlich «fremde Richter» in der Schweiz über ihren Nationalsport entscheiden.