Radquer-Weltmeisterschaft
Kevin Kuhns Angriff in seiner neuen Heimat mit dem Ziel: Der drittbeste Fahrer der Welt werden

Kevin Kuhn ist der Schweizer Ausnahmekönner im Radquer. In seiner neuen Heimat Belgien will er an der Weltmeisterschaft brillieren.

Raphael Gutzwiller
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Kevin Kuhn ist auf dem Weg zur Weltspitze.

Kevin Kuhn ist auf dem Weg zur Weltspitze.

Bild: Nico Vereecken/Freshfocus (Hulst, 3. Januar 2021)


Schlamm, Wind und Kälte: Radquer ist kein Schönwetterausflug. Nichts mit geteerten Strassen wie an der Tour de France, nichts mit schönstem Sonnenschein wie bei Mountainbike-Rennen. Für Kevin Kuhn ist es aber das Paradies.

Der 22-Jährige ist ein Ausnahmekönner in jener Sportart, die hierzulande ihre goldenen Tage hinter sich zu haben scheint. Es waren die Zeiten von Albert Zweifel, Peter Frischknecht, Beat Breu, Beat Wabel oder Dieter Runkel. Jahrzehntelang sorgten sie für Erfolge und Begeisterung. Noch ist der Glanz alter Tage nicht zurückgekehrt. Aber die Schweizer sind wieder auf dem Weg dahin. Allen voran Kevin Kuhn. Im letzten Jahr holte er als erster Schweizer überhaupt den Gesamtweltcup der U23, an der Heim-WM in Dübendorf gewann er Silber. Inzwischen ist Kuhn bei der Elite angekommen, wo er sogleich überzeugt.

In Belgien an die Weltspitze

Kuhn verdankt dies seinem riesigen Talent, aber auch einem grossen Schritt, der von Entschlossenheit zeugt: Kuhn zügelte für den Winter ins flämische Geel. Dort, in der Nähe von Antwerpen, fährt Kuhn für das belgische Tormans Cyclo Cross Team. Weil es keine Schweizer Mannschaft gibt, war es für den Zürcher nötig, nach Belgien umzuziehen. «Im Moment ist es der einzige Weg, auf höchstem Niveau diesen Sport auszuüben», sagt Kuhn per Videocall. Von Geel aus reist er an die Weltcup-Rennen, die zu einem Grossteil in Belgien stattfinden. «Ich spare mir damit auch lange Reisen», sagt Kuhn. Nur für die Schweizer Meisterschaft, wo er sich zum besten Radquer-Fahrer des Landes krönte, kehrte er kurz in seine Heimat zurück.

Kevin Kuhn bei der Zieleinfahrt als neuer Schweizermeister.

Kevin Kuhn bei der Zieleinfahrt als neuer Schweizermeister.

Bild: Christian Merz/Keystone (Hittnau, 10. Januar 2021)

Der Schweizer-Meister-Titel ist die logische Folge einer ersten Elite-Saison, in der Kuhn die Erwartungen übertrifft. Rang 9 im ersten Weltcup-Rennen: Es ist das erste Top-Ten-Resultat für die Schweiz seit fünf Jahren. Und im Gesamtweltcup steht Kuhn auf dem zehnten Rang. «Ich muss noch viel lernen, doch ich bin sehr zufrieden mit meinem Start bei den Grossen.»

Im Radquer ist es schwierig, sich nach vorne zu kämpfen. Wer einen guten Startplatz hat, besitzt grosse Vorteile. Dank der überragenden U23-Saison ist der Startplatz für Kuhn ein guter. «Davon habe ich sicher profitiert», sagt er. Mit seinen starken Auftritten im Weltcup hat er aber seinen Platz zementiert, die Ausgangslage für weitere Topresultate ist günstig.

Die Bewunderung für die beiden Stars

Ganz vorne am Start stehen zwei Stars, die dieser Sportart eigentlich längst entwachsen scheinen: der Niederländer Mathieu van der Poel und der Belgier Wout van Aert. Auf der Strasse gehören sie zu den Radstars, van der Poel will zudem nebenbei gegen Nino Schurter Olympiagold auf dem Mountainbike gewinnen. Egal, wie stark sie auf anderen Unterlagen sind: Zu Hause fühlen sich beide noch immer im Radquer. Wenn sie am Start stehen, machen sie den Sieger jeweils unter sich aus. Den Gesamtweltcup hat van Aert in extremis gegen van der Poel gewonnen. Im WM-Rennen am Sonntag in der belgischen Hafenstadt Ostende will der niederländische Titelverteidiger zurückschlagen.

Kuhn bewundert die beiden Überflieger: «Sie sind wie von einem anderen Stern. Ich weiss nicht, wie es möglich ist, dass sie überall so gut sind», meint Kuhn, der sich selber gar nicht mit den beiden Cracks vergleichen möchte. «Stattdessen schaue ich lieber in Richtung Platz 3. Wenn ich hart an mir arbeite, kann dieser Rang in ein, zwei Saisons möglich sein», so Kuhn.

Kevin Kuhn hat schöne Erinnerungen an die Heim-Weltmeisterschaften in Dübendorf vor einem Jahr.

Kevin Kuhn hat schöne Erinnerungen an die Heim-Weltmeisterschaften in Dübendorf vor einem Jahr.

Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (Dübendorf, 1. Februar 2020)

Natürlich sind die Erinnerungen an die U23-Heim-WM auf dem Flugplatz in Dübendorf und den Silbermedaillengewinn noch präsent bei Kevin Kuhn.

Die Fans haben Kevin Kuhn in Dübendorf hochleben lassen:

Kevin Kuhn sagt:

«Es war das schönste Rennen, das ich je erlebt habe.»

Auf einen ähnlich guten Auftritt hofft er ein Jahr später wieder, auch wenn die Fans diesmal fehlen. «Ich fühle mich fit und parat», sagt Kuhn. Parat für den Angriff in seiner neuen Heimat.