Radprofi Patrick Schelling gehört wieder zur Weltklasse: Aber das Corona-Virus bremst auch den Toggenburger

Der Toggenburger Veloprofi Patrick Schelling fährt seit dieser Saison in der World Tour. Es ist eine Rückkehr in den Elitezirkel.

Daniel Good
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Patrick Schelling (vorne) mit der Elite der Bergfahrer während der Königsetappe der Tour de Suisse.

Patrick Schelling (vorne) mit der Elite der Bergfahrer während der Königsetappe der Tour de Suisse. 

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE
  • Es waren entbehrungsreiche Jahre im Team Vorarlberg.
  • Von 2016 bis 2019 trat Patrick Schelling für den Rennstall mit subalternem Status in die Pedale.
  • Zuvor war er mit der Equipe IAM Cycling in der World Tour unterwegs gewesen war.
  • Immerhin war der bald 30-jährige Toggenburger der beste Fahrer im Team Vorarlberg.
  • Mit ansehnlichen Resultaten in Rennen abseits der World Tour.
  • Deshalb erinnerte man sich an den starken Kletterer aus Hemberg.

Schelling sagt:

«Ohne Kontakte geht nichts»

Auf Vermittlung eines ehemaligen Sportlichen Leiters von IAM Cycling erhielt er auf diese Saison hin einen Vertrag beim World-Tour-Team Israel Start-Up Nation.

Die Equipe, für die auch der Thurgauer Reto Hollenstein fährt, wird vom israelisch-kanadischen Milliardär Sylvan Adams finanziert. Der 61-Jährige fährt gerne Velo und war auch schon mit den Profis seines Rennstalls unterwegs.

Zum ersten Mal in Afrika

Zu Schellings neuen Teamkollegen zählen die Deutschen André Greipel, elffacher Etappensieger an der Tour de France, und Nils Politt, 2019 Zweiter bei Paris-Roubaix. Greipel fällt wegen eines schweren Sturzes monatelang aus. So müssen andere Resultate liefern.

Patrick Schelling, Mitglied der Schweizer Nationalmannschaft

Patrick Schelling, Mitglied der Schweizer Nationalmannschaft

Maxime Schmid / KEYSTONE

Schelling etwa beendete die Ruanda-Rundfahrt als Gesamtdritter. Auch in Argentinien und Kolumbien stand er schon im Einsatz. In Ruanda hätte Schelling locker gewonnen, wenn er nicht in einer Etappe fünf Minuten verloren hätte. «Es war ein wildes Rennen. Ich war zum ersten Mal in Afrika. Während der acht Tage hatte es drei bis vier Millionen Zuschauer», sagt Schelling.

Das Rennen in Italien kann er nicht bestreiten

Die Ruanda-Rundfahrt ist ein kleines Rennen. Bald stehen für den Ostschweizer vielleicht grössere Aufgaben an. Er soll den Giro d’Italia bestreiten – sofern dieser stattfindet. Zu einem Rennen am vergangenen Sonntag in Italien konnte Schelling wegen des Corona-Virus schon nicht starten.

«Ich hoffe wie alle, dass das mit dem Corona-Virus bald vorbei ist. Was die Hygiene betrifft, haben wir im Team während des ganzen Jahres höchste Standards. Man muss jetzt einfach vorsichtig sein», so Schelling. Er sollte ab dem 23. März an der Katalonien-Rundfahrt starten, einem Rennen der höchsten Stufe. Aber auch dieses Rennen wurde am Donnerstag abgesagt. 

Der Schritt nach oben verlief problemlos

Den Sprung von der sogenannten Continental in die World Tour vollzog er auf Anhieb. «In den Trainingslagern kam ich problemlos mit. Ich fuhr ja schon früher während dreier Saisons auf höchster Stufe.»

Mannschaften der World Tour sind wesentlich besser organisiert als eine drittklassige Equipe. «Ich muss eigentlich nur noch Velo fahren. Um alles andere kümmert sich der Staff», sagt der Maturand mit Schwerpunkt Mathematik/Physik. «Auch das Material ist viel besser. So gute Velos hatte ich noch nie.» Und natürlich fällt in Israel auch der Zahltag üppiger aus.

Eine Heim-WM wie gemacht für den Kletterer

Weil die Heim-WM im September im Unterwallis über viele steile Strassen führt, kann Schelling mit einer Selektion rechnen. Schon 2018 in Innsbruck war er am Start, aber die adäquaten Vorbereitungsrennen fehlten. «Nun darf ich an allen wichtigen Wettkämpfen teilnehmen», sagt Schelling. Das ist der grösste Vorteil des Teamwechsels.

Der beste Schweizer an der Tour de Suisse

Die Tour de Suisse 2019 wird Patrick Schelling nie vergessen. Er beendete sie als Elfter und bester Schweizer. Ein Wermutstropfen freilich blieb: «Es ist schade, dass ich eine Klassierung unter den ersten zehn knapp verpasst habe.» Nach 1173 Kilometern fehlten elf Sekunden. Auch in diesem Jahr ist die Tour de Suisse ein wichtiges Ziel – wenn möglich mit einer besseren Klassierung als 2019. Allerdings wird Schelling wohl nicht mehr als Teamleader zur Tour de Suisse 2020 starten – wenn sie überhaupt durchgeführt wird. (dg)

«Ich war nicht mehr interessant»

Der Traum von der World Tour, der Belétage im Radsport, ist vorerst zu Ende. IAM Cycling hat den auslaufenden Vertrag mit Patrick Schelling nicht verlängert. Der Hemberger will es nun auf einer tieferen Stufe nochmals versuchen.
Christian Brägger