RADBALL: Der Rückkehrer

Als junger Spieler marschierte Adrian Osterwalder von der 1. Liga direkt in die NLA – auch dank der Hilfe seines Vaters. Doch mit 25 Jahren trat er plötzlich zurück. Nun spielt er für St. Gallen am Olma-Turnier.

Raya Badraun
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«Es nahm mich wunder, was noch möglich ist», sagt Adrian Osterwalder. (Bild: Ralph Ribi)

«Es nahm mich wunder, was noch möglich ist», sagt Adrian Osterwalder. (Bild: Ralph Ribi)

Raya Badraun

Die erste Erinnerung an Radball war schmerzhaft. Adrian Osterwalder war vier Jahre alt, als 1985 in der St. Galler Kreuzbleiche die WM stattfand. Sein Vater Jörg spielte damals mit und holte Bronze. Am Spielfeldrand sass in diesen Tagen auch der kleine Adrian. Und da passierte es: Einer dieser harten Bälle traf den Buben am Kopf. Adrian Osterwalder lacht beim Erzählen. Der Schmerz hat ihn damals nicht abgeschreckt. Als sein Vater aufhörte, begann er zu spielen. Und nun, mit 36 Jahren, steckt er mitten in der zweiten Karriere als Radballer – auch wenn er sie nicht als solche bezeichnen würde. Es geht ihm heute mehr denn je um den Spass. Dennoch ist er ehrgeizig geblieben. «Ich bin ein Spielertyp», sagt Osterwalder an diesem Abend im Säntispark. Neben ihm steht seine Sporttasche mit dem Squashschläger. Eben ist er noch dem Ball nachgejagt. «Wenn ich auf dem Feld bin, dann gebe ich nicht auf», sagt er. Da sei es egal, ob er mit einem Freund Squash spiele oder in der NLB Radball. Er will gewinnen.

Als junger Spieler marschierte Osterwalder von der 1. Liga direkt in die NLA. Sein Vater begleitete ihn dabei als Coach. Meist stand er hinter dem Tor, wo er den Überblick hatte, und dirigierte das Geschehen. Nach der Partie erklärte er seinen Schützlingen, was sie falsch gemacht haben. Und als sein Sohn keinen Partner hatte, da übernahm er für eine Saison die Goalieposition. «Damals habe ich das nicht so zu schätzen gewusst», sagt Adrian Osterwalder. «Wenn ich heute daran denke, dann finde ich es schön, dass ich einen Vater habe, der mich unterstützte und sich Zeit genommen hat.»

Sein Grossvater holte sechs WM-Titel

Einfach war es jedoch nicht immer. «Mit dem Namen Osterwalder war man vorbelastet», sagt Adrian. Vielleicht war auch das ein Grund, warum sein Vater ihn nicht in den Radballsport gedrängt hatte. Er wäre gar froh gewesen, wenn sich der Sohn für eine andere Sportart entschieden hätte. Denn er ahnte wohl, was auf ihn zukommen würde. Bereits Walter Osterwalder, der Vater von Jörg, war ein höchst erfolgreicher Radballer gewesen. Sechs WM-Titel holte er und machte den Veloclub St. Gallen-St. Georgen auch international bekannt. Als Kind spürte Jörg Osterwalder deshalb viel Neid. Im Training bekam er meist das schlechteste Material. Und später, da galt er im Verband als unbequem, weil er seine Meinung laut aussprach. Auch Adrian erlebte hin und wieder Ungerechtigkeiten auf dem Spielfeld. «Da gab ich umso mehr Gas, um es zurückzuzahlen», sagt er.

Seine besten Ergebnisse waren am Ende ein zweiter Rang im Schweizer Cup und ein dritter Platz in der Meisterschaft. «Um ein Topspieler zu werden, fehlte mir das Training», sagt Adrian Osterwalder. Als er in der NLA spielte, arbeitete der Maschinenmechaniker oft im Schichtbetrieb. So konnte er teilweise nur alle zwei Wochen in die Radballhalle. Zudem fehlte ihm je länger, je mehr der Biss neben dem Spielfeld. Statt in der Halle zu spielen, wäre er manchmal lieber auf der Skipiste gewesen. «Radballspielen wurde zur Pflichterfüllung», sagt er. Mit 25 Jahren nahm er schliesslich zum letzten Mal am Olma-Turnier teil. Danach stellte er das Velo in eine Ecke und liess es vier Jahre dort. Zeit, den Sport zu vermissen, hatte er nicht. An mehreren Abenden pro Woche absolvierte er eine Weiterbildung. Heute ist er Teamleiter bei einem Informatikdienstleister und wohnt in Wil.

«Ich hoffe, dass wir nicht untergehen»

Dem Verein kehrte Osterwalder jedoch nie ganz den Rücken. Fast jedes Jahr half er beim Olma-Turnier mit, und schliesslich kehrte er auch ins Training zurück. Nur Meisterschaft spielen wollte er nicht mehr. Doch dann hörte der Partner von Matias Klarer auf. Weil im Verein die Alternative fehlte und die Nachwuchsspieler noch zu jung sind, sprang Osterwalder ein. «Es nahm mich wunder, was noch möglich ist», sagt er. Diesen Sommer erreichten die St. Galler in der NLB den vierten Rang. Weit schwerer werden sie es morgen am Olma-Turnier haben. «Ich hoffe, dass wir nicht untergehen», sagt Osterwalder. Denn auch wenn der Spass im Vordergrund steht, ehrgeizig ist er geblieben.