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RAD: Kampf um Aufmerksamkeit

Claudio Imhof hat sich als Radprofi auf die Bahn spezialisiert, weist hervorragende Ergebnisse vor und doch muss er um mehr Anerkennung für seine Sportart kämpfen.
Peter Birrer
Claudio Imhof setzt sich hohe Ziele. Auch Olympia 2020 in Tokio könnte für ihn zum Thema werden. (Bild: Christophe Petit Tesson)

Claudio Imhof setzt sich hohe Ziele. Auch Olympia 2020 in Tokio könnte für ihn zum Thema werden. (Bild: Christophe Petit Tesson)

Peter Birrer

sport@thurgauerzeitung.ch

Der Bescheid kam Ende 2014, und unweigerlich stellten sich Fragen: Wie sollte es weitergehen? Gab es überhaupt eine Möglichkeit, als Radprofi seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können? Würde er vielleicht in den Beruf als Käser zurückkehren?

Claudio Imhof aus Sommeri war bis dahin als «Praktikant» für IAM Cycling gefahren, natürlich hoffte er darauf, einen Vertrag als Profi zu erhalten. Stattdessen bekam er die Nachricht, dass ohne ihn geplant wird. Da stand er nun also da, ohne Team, ohne Perspektive, ohne schnelle Lösung.Aber vielleicht ist just diese Situation im Nachhinein als Glücksfall zu werten. Weil die Chance, einen Arbeitgeber für die neue Strassensaison zu finden, gering war, dachte er um. Er entschied sich, ganz auf die Bahn zu setzen, suchte und fand Sponsoren. Heute kann er mit Genugtuung sagen: «Es hat sich gelohnt.» Der Gedanke, in seinen Beruf als Käser zurückzukehren, schoss ihm zwar durch den Kopf. Aber er verwarf ihn wieder, als sich das Projekt konkretisierte und die finanzielle Basis für ein Radprofi-Leben geschaffen war. Er sagt: «Die Leidenschaft für den Sport setzte sich durch. Ich wollte es unbedingt probieren.»

In Disziplinen zu Hause, die sich seltsam anhören

Der 27-Jährige ist in Disziplinen zu Hause, die sich für Nicht-Experten seltsam anhören und sich nicht mit wenigen Worten erklären lassen. Scratch, Omnium, Madison, Einzel- und Mannschaftsverfolgung, dazu Punktefahren – das sind die Spezialgebiete von Imhof, und – um es knapp zusammenzufassen – alles Ausdauerdisziplinen. Die Geschwindigkeit, die Ästhetik und die technischen Herausforderungen machen für Imhof die Faszination der Wettkämpfe auf der Bahn aus. Und rasch hat er gemerkt, dass Strassenrennen im Jahreskalender nur noch spärlich Platz finden können: «Wenn man auf der Bahn erfolgreich sein will, ist es nicht möglich, von März bis September eine volle Saison zu bestreiten und danach noch Energie für den Winter zu haben.»

Er will erfolgreich sein. Und er ist es auch. 2015 belegte er an der EM auf der ihm vertrauten Bahn von Grenchen Rang 3 im Punktefahren. 2016 verdiente er sich an der WM in London die Bronzemedaille im Scratch. Im Oktober verpasste der mehrfache Schweizer Meister an den EM in Berlin im Madison (Zweier-Mannschaftsfahren) das Podest nur um einen winzigen Punkt. Und in der Einerverfolgung über vier Kilometer belegte er mit einer hervorragenden Zeit von 4:16 Minuten den fünften Platz. Zum Sprung aufs Podest fehlten ihm am Ende nicht einmal 1,5 Sekunden. Danach fuhr er im Weltcup im polnischen Pruszkow in der olympischen Disziplin Omnium auf Rang 3. Und unterstrich schliesslich in Manchester, ebenfalls an einem Weltcupanlass, im Omnium mit dem siebten Platz seine bestechende Form.

Popularität ist in der Schweiz überschaubar

Imhof hat beeindruckende Ergebnisse vorzuweisen, aber auch mit dem Problem zu kämpfen, dass die Popularität der Bahnrennen in der Schweiz überschaubar ist. «Dabei sind die Bahnrennen enorm zuschauerfreundlich», sagt der Werbeträger seines Sports, «an einem Strassenrennen dauert es ein paar Sekunden, bis der Tross vorbeigefahren ist. In der Halle hingegen bekommt der Besucher mehr zu sehen.»

Es gab Zeiten, als der Bahnsport in der Schweiz mindestens dann Interesse generierte, als in Zürich noch das Sechstagerennen stattfand, als es Figuren gab wie Bruno Risi und Kurt Betschart oder später Franco Marvulli. Inzwischen muss Imhof in Grossbritannien oder Belgien antreten, um vor einer stattlichen Kulisse fahren zu können. «In diesen Ländern hat unser Sport einen hohen Status», sagt Imhof und fügt an: «Etwas mehr Aufmerksamkeit bei uns wäre wünschenswert.» Das wäre es nur schon, weil es ihm die eigene Vermarktung erleichtern würde. Und doch sind ihm bei allem Kampf um Unterstützung und Sponsorengelder nie die Lust am Bahnsport und der Hunger auf Erfolg abhandengekommen. Oder um es in seinen Worten auszudrücken: «So schnell gebe ich mich nicht geschlagen.» Der Satz passt gut zum Fahrstil, den der Athlet selber so beschreibt: «Immer sehr aktiv und offensiv.»

Genau so will er sich in der Woche ab dem 28. Februar präsentieren, wenn im holländischen Apeldoorn die WM ausgetragen wird. Bis dahin wird er keine grösseren Wettkämpfe mehr bestreiten, sondern sich minutiös vorbereiten in der Hoffnung, dass er in mindestens zwei Bewerben an den Start gehen darf. Die Schweizer Nummer 1 im Omnium hat Ambitionen, er merkt, wie er unter Anleitung seines Trainers Bruno Diethelm Fortschritte erzielt hat. Und vielleicht werden danach bald einmal die Olympischen Spiele 2020 in Tokio für ihn ein Thema. Nur ist Imhof keiner, der zu forsch über solche Ziele redet: «In meiner Karriere habe ich die Erfahrung gemacht, dass oft Sachen passieren, mit denen ich nicht gerechnet habe. Also plane ich lieber nicht zu langfristig.»

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