RAD: Dumoulin schreibt Geschichte

Tom Dumoulin sichert sich den Gesamtsieg im 100. Giro d’Italia. Damit schafft er Historisches: Es ist der erste Triumph eines Niederländers bei der Italien-Rundfahrt.

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Der Niederländer Tom Dumouline musste für seinen Sieg vor allem in den Bergetappen leiden. (Bild: Alessandro di Meo)

Der Niederländer Tom Dumouline musste für seinen Sieg vor allem in den Bergetappen leiden. (Bild: Alessandro di Meo)

Nach 3580 anspruchsvollen Kilometern, verteilt auf 20 Etappen, mussten die letzten 29,3 km von Monza nach Mailand die Entscheidung bei der Jubiläumsausgabe des Giros bringen. Schon nach der ersten Zwischenzeit nach 8,8 km zeichnete sich ab, dass Nairo Quintana die Maglia rosa an Dumoulin würde abtreten müssen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Kolumbianer, der seine Stärken klar in den Bergetappen und weniger in den Prüfungen ­ im Kampf gegen die Uhr hat, bereits 31 von seinem ursprünglich 53 Sekunden grossen Polster auf den niederländischen Zeitfahrmeister eingebüsst. Im Ziel waren es dann genau 31 Sekunden, die Dumoulin in der Gesamt­wertung vor Quintana lag. «Es ist wirklich verrückt, ich kann es nicht in Worte fassen», freute sich ein erschöpfter, aber überglücklicher Dumoulin vor dem Mailänder Dom über seinen Sieg.

Während sich Dumoulin von Platz vier auf eins verbesserte, musste sich Quintana mit dem zweiten Gesamtrang begnügen. Nur neun Sekunden dahinter klassierte sich mit dem Italiener Vincenzo Nibali der Sieger aus dem Vorjahr. Der Franzose Thibaut Pinot verlor ebenfalls eine Position und musste mit dem vierten Gesamtrang vorliebnehmen. Sein wichtigster Helfer, der Walliser Sébastien Reichenbach, schloss den Giro als bester Schweizer auf Platz 15 ab.

Erster niederländischer Sieg seit 37 Jahren

Mit Dumoulin triumphierte erstmals seit 1980 wieder ein Niederländer in einer der drei grossen Rundfahrten über drei Wochen. Zuletzt durfte sich die radsportverrückte Nation mit Joop Zoetemelk über den Gesamtsieg in der Tour de France freuen. Zoetemelk hatte im Jahr zuvor bereits die Spanien-Rundfahrt gewonnen. Dieser Doppelerfolg war in den Jahren 1968/1967 bereits Jan Janssen gelungen.

Den Grundstein zum grössten Erfolg in seiner noch jungen Karriere legte Dumoulin, dem sein Sportdirektor Luke Robert eine «grosse Zukunft» vorhersagt, mit zwei starken Auftritten in den beiden Zeitfahren. Bereits vor eineinhalb Wochen nahm der 26-jährige Captain des deutschen Teams Sunweb, der im Vorjahr in Rio hinter Fabian Cancellara Silber gewonnen hatte, in der ersten Prüfung gegen die Uhr der direkten Konkurrenz als Tagessieger mehr als zwei Minuten ab. Seine Meisterprüfung legte der einstiege Zeitfahrspezialist aber in den Bergen ab.

Nach einem Ausrufezeichen in der 14. Etappe, als er bei der Bergankunft in Oropa solo gewann, musste Dumoulin in der letzten Giro-Woche stark leiden. Anders als seine Rivalen, verfügte er in den schweren Bergetappen nicht über ähnlich starke ­Helferdienste. Und als ihm in der 16. Etappe nach Bormio auch noch schwere Magenprobleme zu schaffen machten, schien er definitiv aus der Entscheidung zu fallen. Doch er wehrte sich im steilen Terrain stets vehement dagegen und schaffte schlussendlich den grandiosen Sieg. (sda)

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