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Schweizer Nationalmannschaft: Provozieren folgt auf Experimentieren

Nach dem 2:1-Sieg in Island und vor dem Spiel gegen Belgien in Luzern am 18. November: Wie das Schweizer Nationalteam zwischen Freuden und Sorgen pendelt.
Etienne Wuillemin, Reykjavik
Prägt in der Mitte des Spielfelds das Schweizer Spiel: Xherdan Shaqiri (in Weiss-Rot). (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Reykjavik, 15. Oktober 2018))

Prägt in der Mitte des Spielfelds das Schweizer Spiel: Xherdan Shaqiri (in Weiss-Rot). (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Reykjavik, 15. Oktober 2018))

Als die Nacht über Reykjavik hereinbrach, musste Vladimir Petkovic noch eine letzte kleine Hürde nehmen. «Was für ein Spiel haben Sie denn gesehen?», wollte ein isländischer Journalist verwundert wissen, nachdem er höflich nachgefragt hatte, ob er richtig verstanden habe, dass Petkovic zu keinem Zeitpunkt den Ausgleich der Isländer befürchtet habe. «Das ist meine Art, immer ruhig zu bleiben», erklärte Petkovic entschuldigend. Denn es war keinesfalls so, dass der Nationaltrainer den 2:1-Sieg der Schweiz schöngeredet hätte.

Petkovic fordert von seinem Team «mehr Persönlichkeit» in gewissen Momenten, natürlich hätte auch er lieber ein 3:0 als ein 2:1 besprochen. Aber am Ende überwog doch das positive Fazit. Die Schweizer bekamen, was sie wollten: Ihren Final gegen Belgien um den Gruppensieg. Dazu ist bereits sicher, dass sie in der EM-Qualifikation als einer der zehn Gruppenköpfe gesetzt sein werden – und damit den stärksten Teams aus dem Weg gehen.

Von einem Zwischenfazit nach den Länderspielen im September und Oktober wollte Petkovic zwar nicht sprechen. Dennoch gefiel ihm mehrheitlich, was er zu sehen bekam. Vor allem eines: «Wir können unsere Spielidee durchziehen, egal in welcher taktischen Formation wir aufgestellt sind.» Einen kleinen Ausblick in Richtung des Finals gegen Belgien wagte der entspannte und gut aufgelegte Nationaltrainer auch noch. Einen entwaffnend ehrlichen. «Belgien ist die bessere Mannschaft. Wir müssen versuchen, etwas zu provozieren, den Sieg irgendwie zu stehlen. Manchmal ist ja der Fussball komisch, es gewinnt nicht immer der Bessere.» Dann verschwand er zufrieden in der kalten Nacht.

Wie geht es weiter mit dem Captain?

Was aber bleibt nach den ersten vier Spielen seit der WM? Petkovic erklärte den Herbst zur Phase des Experimentierens. Gegen Belgien und Island verzichtete er erstmals komplett auf die «alte Garde». Behrami und Gelson Fernandes sind zurückgetreten. Dzemaili, Djourou und Captain Lichtsteiner wurden nicht aufgeboten. Die Frage ist nun, ob das so bleibt oder der eine oder andere wieder zurückgeholt wird, spätestens wenn im März die EM-Qualifikation beginnt.

Entscheidend wird, ob sich die Arrivierten auch eine Rolle als Notnägel vorstellen könnten. Djourou und Dzemaili würden höchstens dann noch zum Zug kommen, wenn sich andere verletzen. Bei Lichtsteiner hingegen liegt der Fall anders. Stand jetzt ist er rein sportlich gesehen auf Augenhöhe mit seinen Konkurrenten Mbabu und Lang. Dazu ist es zumindest bedenkenswert, nicht gleich auf einen Schlag auf ein Quintett zu verzichten, dessen Erfahrung für die Mannschaft wertvoll ist.

In Abwesenheit von Lichtsteiner trägt Granit Xhaka die Captain-Binde. Sie tut ihm gut. Er hat seine Präsenz noch einmal steigern können. Es gibt längst keinen Zweifel mehr, Xhaka ist der Mastermind dieser Schweizer Mannschaft. Das Spiel gegen Belgien bezeichnet er schon mal als «vom Gefühl her ein Endrunden-Spiel». Und darum fordert er: «Jeder muss Stolz zeigen und den absoluten Willen, dieses Duell zu gewinnen.»

Unbestritten ist, dass die Schweiz seit der WM variabler geworden ist. Petkovic setzt bisweilen auf eine Dreierkette, das Team weiss etwas damit anzufangen. Die grösste Veränderung gegenüber der WM ist aber, dass Xherdan Shaqiri in der Mitte agiert. Er nutzt den grösseren Aktionsradius, er prägt das Spiel mehr als von der Seite. «Ich denke, das Team kommt zu mehr Chancen, wenn ich auf meiner neuen Position spiele», stellt Shaqiri fest. Und ganz grundsätzlich sieht er die Schweiz auf «gutem Weg».

Positiv wirkt sich insbesondere aus, dass Xhaka und Shaqiri nicht mehr so weit auseinander sind. Als nächsten Schritt müssen sie es hinkriegen, den Ball noch etwas zielstrebiger in die gefährliche Zone zu bringen. Wenn eine Schwäche deutlich sichtbar wurde, dann ist es diese: Auf den letzten 30 Metern vor dem Tor ist die Schweiz zu harmlos. Es ist die entscheidende Zone.

Der Optimismus bleibt verhalten

Es wäre also falsch, nun ein allzu euphorisches Bild zu zeichnen. Das gerne vorgetragene Ideal des grossen Konkurrenzkampfes stösst schnell an Grenzen. Die Abhängigkeit von den Führungsspielern ist gross. Xhaka, Shaqiri, aber auch Ricardo Rodriguez sind nicht zu ersetzen. Und das wird sich so schnell auch nicht ändern.

Die Schweizer Achillesferse ist der Bereich um die offensiven Positionen. Sowohl im Sturm, als auch auf den Flügeln fehlt es im Vergleich zur Weltspitze an Qualität. Das mag gegen Länder von der Hubraumklasse Islands zu verschmerzen sein. Nicht aber, wenn der Widerstand grösser wird. Es ist kaum Zufall, dass sich die Schweiz dann schwer tut mit dem Toreschiessen. Egal, ob der Gegner nun Belgien, England oder Schweden heisst, die Durchschlagskraft fehlt.

Belgien hat Lukaku, Hazard, Mertens, De Bruyne oder Batshuayi. Die Schweiz hat Embolo, Seferovic, Gavranovic, Drmic, Zuber, Ajeti, Steffen, Mehmedi. Die Liste kann noch so lange sein. Es bleibt derzeit kaum mehr als die Hoffnung, dass einige dieser Spieler anstatt zu stagnieren, noch einmal einen heftigen Sprung nach vorne machen. Denn wirkliche Alternativen zeichnen sich in nächster Zeit kaum ab. Es ist dieses ­Reservoir, auf das die Schweiz auch an der EM 2020 angewiesen sein wird. Und darum bleibt der Optimismus verhalten.

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