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Probleme mit zeitgenössischer Kunst?

Der Kunstraum Kreuzlingen zeigt mit der neuen Ausstellung «Problems» der jungen Künstlerfreunde Raphael Linsi und Pedro Wirz eine neue Generation künstlerischen Selbstverständnisses: Der Künstler als Kurator und Kollektiv.
Dorothee Kaufmann
…Pedro Lenz mit der Ausstellung «Problems» im Kunstraum Kreuzlingen. (Bilder: Dorothee Kaufmann)

…Pedro Lenz mit der Ausstellung «Problems» im Kunstraum Kreuzlingen. (Bilder: Dorothee Kaufmann)

KREUZLINGEN. «Es kommt aus der Zukunft und braucht seine Zeit», meint der junge Schweizer Künstler Raphael Linsi (*1982 in Zürich, lebt in Basel), der 2010 mit dem Bachelor of Fine Arts in Basel abgeschlossen hat. Er meinte nicht nur die Bilder, die er noch aufhängen will, und die drei Archivgestelle, die er noch nicht ganz ausgepackt hat. Er meint etwas Grundsätzliches im gesellschaftlichen Kunstgeschehen.

Neue Formen der Kooperation

Sein Weg führte über die künstlerische Zusammenarbeit mit Pedro Wirz (*1981 in São Paolo), der wie er in Basel studierte, zu neuen Formen der künstlerisch-kreativen Kooperation. Was in Basel zunächst belächelt wurde – nämlich «Wirzhaus»-Aktionen zu Hause und im schulischen Ausstellungsraum – führte weiter nach Berlin. Dort fanden sich beide wieder in einem grösseren Künstler-Projekt, den «Post Studio Tales», einer Art kollektiven Artist in Residence, bei dem 18 Künstler zusammen auf eigenen turmartigen Werkinseln wohnten und arbeiteten und sich in der Raummitte zum Austausch zusammenfinden konnten. Hier entstanden massgeblich die Ideen für das Kunstraumprojekt und eine neue Form kollektiver Arbeit.

So hat Pedro Wirz dort zehn Künstler rekrutiert, die aus seinem Bausatz aus einem immer gleichen Set an Holz-, Alu-, Stoff- und Schnurelementen je eigene kreative Lösungen zusammenbauten. Material und Farbigkeit hat Pedro Wirz auch teilweise kollektiv entwickeln lassen. Von diesen zehn Arbeiten wird Wirz eine Auswahl in Kreuzlingen zeigen – der kuratorische Aspekt seiner Arbeit – und auch eigene Lösungen beitragen – der kreative Aspekt. Die Begeisterung des Künstlers ist kaum zu bremsen, wenn er durch die Arbeit der Künstlerkollegen zu immer neuen Ideen angeregt wird und am liebsten gleich losbauen möchte. Doch noch steht die grosse Rauminstallation nicht.

Vermischte Rollen

Das Spannende an diesem Ansatz ist, dass sich bei der Ausstellung «Problems» die Rolle des Veranstalters, des Künstlers, des Kurators und manchmal auch des Kritikers mischen. Für das Künstlerduo in Kreuzlingen übernimmt John Beeson (Kunstkritiker aus den USA) auf Einladung der Künstler hin die Rolle des «Kunstschreibers»: Er verfasste den Pressetext, den Saaltext und hält die Einführung an der Vernissage.

Zunehmend entstehen Mischformen der Kunst, die auch von politischer Tragweite sind, werden Rollen erweitert und Kunst-Institutionen in Frage gestellt und die Mechanismen des Kunstmarktes aufgedeckt. Begonnen hat diese Bewegung mit den Sezessionen des 19. Jahrhunderts, wurde fortgeführt mit der für den Kunstmarkt zu sperrigen Landart und dauert an bis zu zeitgenössischer Concept Art.

In diese Richtung gehen die Aktivitäten der beiden in Kreuzlingen ausstellenden Künstler unter dem sehr offenen Titel «Problems». John Beeson wird den theoretischen Background in seiner Einführung liefern.

Die Kunst annektiert die Politik

Mit dem Phänomen der Verschmelzung von Funktionen haben wir einen aktuellen Trend in der Konsumgüterwelt vor uns. Hier geht es um Marktanteile und Kundenbindung, aber auch um neue Möglichkeiten. Mit dem Phänomen der Politisierung von Kunst hatten wir schon einmal im letzten Jahrhundert zu tun, wenn auch von oben. Diesmal ist es eine Kunstannexion der Politik durch die Künstler von unten.

Dies ist ein Trend der zeitgenössischen Kunst, der sich an verschiedenen Orten und in verschiedener Gestalt Bahn bricht: Als künstlerisch-politische Aktionen gibt es eine selbsternannte Kulturhauptstadt der Schweiz, es gibt einen Performance-Kulturminister der Schweiz, und die aktuelle Biennale in Berlin bietet der Occupy-Bewegung Aktionsraum. Eine Infragestellung der Institutionen, ein kreatives Suchen nach neuen kollektiven Formen, aber auch eine Gratwanderung der Gewaltenteilung, über die sich nicht zuletzt die Medien – angeregt durch Kunst oder nicht – ernsthafte Gedanken machen müssten.

Vernissage: Heute Freitag, 19.30, Kunstraum Kreuzlingen; bis 1. Juli. www.kunstraum-kreuzlingen.ch

Raphael Linsi thematisiert die gemeinsame Arbeit und Freundschaft mit…

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