Prinzen- und Enkeltrick

Ursin Broger, Astrophysiker Nicht ohne Grund steht «königlich» für grossartige und prächtige Umstände. Da ist es nicht weit hergeholt, wenn sich gewiefte Bürger eines royalen Titels bedienen, um selbst einem königlichen Dasein zu frönen.

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Ursin Broger, Astrophysiker

Nicht ohne Grund steht «königlich» für grossartige und prächtige Umstände. Da ist es nicht weit hergeholt, wenn sich gewiefte Bürger eines royalen Titels bedienen, um selbst einem königlichen Dasein zu frönen. So geschehen bei einem sechzigjährigen Schweizer, der sich als Prinz Philip de Rothschild anpries. Sein Ziel, gutgläubige und anlagebereite Klienten zu beschwindeln.

Auch im Thurgau kennt man das Phänomen. Vor Jahren machte Ekel Volker Eckel Schlagzeilen. Eckel täuschte mit einem saudischen Prinzentitel, was ziemlich schlau war, zieht man den Kinderreichtum der Saudis in Betracht. Ein Prinz mehr fällt da nicht auf, wird sich Eckel gedacht haben. Sich unbemerkt einen schweizerischen Prinzentitel zuzulegen, ist hingegen schwieriger. Liegt die Geburtenrate hierzulande – ob Adel oder Proletariat – im Rekordtief, finden wir in Saudi- Arabien einen der höchsten Baby-Outputs der Welt.

Warum nur herrscht eine solche Kinderflaute in der Schweiz bzw. funktioniert der Prinzentrick derart schlecht, fragen sich nun Eckel und Rothschild? Genau, wegen der Selbstverwirklichung. Der moderne Schweizer ist mit sich selbst beschäftigt. Kinder sind die Schlaglöcher auf seinem Weg von Einsiedlern nach Solemio de Compostela. Kinder sind die vergeigte Begleitung im Solo der Selbstbespielung. Wer Kinder hat, dem fehlt Raum zur Entfaltung.

Das Betrugsproblem holt uns später wieder ein. Während eine Gesellschaft kinderarmer Individualisten gegen Prinzenbetrüger noch optimal gefeit ist, läuft sie im Alter Gefahr, anderen Betrügereien zu verfallen. Die alten Individualisten wird dereinst die Sehnsucht nach Nachkommen plagen. Wenn dann plötzlich jemand den einsamen, selbstverwirklichten Rentner anruft und sich als Enkel ausgibt, dann legt der nicht auf.

Ursin Broger (27) ist in Arbon aufgewachsen und lebt in Zürich.

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