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Wie Martin Schmidt in Augsburg ein bisschen Heimat in der Fremde findet

Erstmals arbeiten drei Schweizer Trainer gleichzeitig in der Bundesliga – Martin Schmidt will den FC Augsburg zu neuem Leben erwecken. Am Samstag trifft er zum Start der Bundesliga-Saison auf Borussia Dortmund mit Lucien Favre.
Raphael Gutzwiller aus Augsburg
Martin Schmidt gibt seinen Spielern Anweisungen. (Keystone)

Martin Schmidt gibt seinen Spielern Anweisungen. (Keystone)

Wenn er dereinst genug hat vom Rummel, geht Martin Schmidt zurück in seine Walliser Heimat. Dann wandert er bei schönstem Sommerwetter oder erfreut sich im Winter am Neuschnee unter seinen Ski. Und geniesst seine Ruhe.

Noch aber befindet sich Schmidt, 52-jährig, im Scheinwerferlicht der Bundesliga. Dort, wo er auch nach vier Jahren immer noch nicht so richtig hinpasst. Er ist erfahrener geworden als damals bei seinem Einstand, war inzwischen für Mainz, Wolfsburg und Augsburg über 100 Mal an der Seitenlinie eines Bundesliga-Spiels. Aber in die Welt der Topstars und Millionäre will er irgendwie immer noch nicht passen.

Schmidt sitzt auf dem Podium im Augsburger Presseraum. Seine Haare sind so lang wie stets, er trägt Dreitagebart. Er gibt jedem im Raum das Gefühl, wichtig zu sein. Schmidt spricht ausführlicher und detaillierter als so mancher Fussball-Trainer. Sogar dann – oder vor allem dann –, wenn die Fragen von herkömmlichen Themen abweichen.

Die Erwartungen in Augsburg steigen nach neun Jahren in der Bundesliga Bundesliga

Wie viel Schweizer Heimat steckt für ihn schon im FC Augsburg? «Viel», sagt er. «Denn Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl. Egal wo ich hingehe, ich nehme sie immer mit. Für mich ist die Heimat in meinem Herz, das sind Bilder, das sind Momente. In Augsburg gibt es, wie auch überall sonst, viel kleine Dinge, die mich an die Heimat erinnern. Zum Beispiel ist bestimmt nicht negativ, wenn es Schweizer Spieler im Team hat und ich in Einzelgesprächen Schweizerdeutsch sprechen kann.»

Holten diesen Sommer zwei Spieler aus der Schweiz: Martin Schmidt (links) und Sportdirektor Stefan Reuter. (Keystone)

Holten diesen Sommer zwei Spieler aus der Schweiz: Martin Schmidt (links) und Sportdirektor Stefan Reuter. (Keystone)

Schweizerdeutsch spricht er seit diesem Sommer mit Neuverpflichtung Ruben Vargas (von Luzern), wobei ein Schweizer Spieler einem Schweizer Trainer das Leben nicht zwingend einfacher macht. «Ich mache mich angreifbar, falls der die Leistung nicht bringt. Dann heisst es schnell einmal: ‹Schmidt stellt den Spieler nur auf, weil er ein Landsmann ist.›»

Der Auftakt in die neue Saison ist Augsburg und Schmidt missglückt. Das blamable Cup-Out gegen den Viertligisten SC Verl (1:2) hat kritische Fragen provoziert. Manch einer stellt erste Vergleiche an zwischen dem Zustand der Mannschaft mit jenem des Stadions – es ist eine Baustelle.

Wobei jede Baustelle mit der Hoffnung verbunden ist, dass am Ende etwas Schönes entsteht. Alles soll grösser und besser werden. Auch das Team soll nochmals Schub erhalten. Längst sind in Augsburg die Erwartungen gestiegen. Nur Bundesliga zu spielen, reicht nach neun Jahren nicht mehr.

Martin Schmidt übernahm das Team von Manuel Baum in der Krise, die Abstiegsränge waren nahe gerückt. Zwei berauschende Auftritte zum Start, ein 3:1 in Frankfurt und ein 6:0 gegen Stuttgart, liessen die Sorgen verschwinden. Doch haften blieb der letzte Eindruck, das 1:8 am letzten Spieltag in Wolfsburg. Augsburg hatte in der Saison 2018/19 die schlechteste Abwehr der Liga. «Zwar hat es Änderungen gegeben, aber die Abwehr bleibt weiter eine Baustelle», sagt Wolfgang Langer, Reporter der «Augsburger Allgemeinen».

Schmidt zeigt seinen Spielern den Klimawandel

Auch in einem Café in Augsburgs Innenstadt hinterfragen zwei Rentner die Abwehr ihres FCA. Und Trainer Schmidt? «Ich glaube, der passt charakterlich perfekt nach Augsburg.» Tatsächlich scheint die gemütliche Art in Augsburg mit dem Wesen Schmidts besser vereinbar zu sein als jene in Wolfsburg. In seiner zweiten Bundesliga-Station wurde Schmidt nicht glücklich, hechelte dem Erfolg hinterher. «Ich möchte Wolfsburg und Augsburg nicht miteinander vergleichen», sagt Schmidt. «Klar ist aber: Hier in Augsburg fühle ich mich seit Beginn wohl.» Die Mentalität der Augsburger ist vergleichbar mit jener der Oberwalliser.

Wie schon bei seinen vorherigen Stationen, liess es sich Schmidt in der Vorbereitung für die neue Saison nicht nehmen, seinem Team die Walliser Heimat zu zeigen. «Ich hatte Sehnsucht», sagt er, «im Ernst: Die Teambildung stand im Zentrum.» Spieler und Staff sollten in den Bergen neue Erfahrungen sammeln. Mehrere Tage verbrachte das Team auf der Belalp beim Aletschgletscher, wo Schmidt seinen Profis auch den Klimawandel sichtbar machen wollte.

Und das Ziel? Einfach eine entspannte Saison erleben

Typisch Martin Schmidt. Er, der einst Porsches restaurierte und eine Bekleidungsfirma gründete. Zum Fussball fand er, weil er vermehrt mit Menschen arbeiten wollte. Die Tür nach Deutschland öffnete sich via eines Junioren-Turniers mit dem FC Thun, als seine Mannschaft Mainz forderte. Vom Nachwuchstrainer stieg er später zum Bundesliga-Trainer auf.

Trotz Vorschusslorbeeren nach seiner ersten Vorbereitung mit Augsburg hält Schmidt die Ziele tief. «Wir wollen einfach eine entspanntere Saison als zuletzt.» Wenn es zu unruhig würde, wüsste Schmidt immerhin genau, wo er sich zurückziehen und die Ruhe geniessen könnte.

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