«Primo podio»

Mugello war am vergangenen Wochenende die sechste Station der aktuellen Motorrad-Saison. An diesem Ort feierte Thomas Lüthi eine Premiere. Er stand als Dritter des GP von Italien erstmals in der 250-ccm-Klasse auf dem Podest.

Drucken
Teilen
Thomas Lüthi analysiert sein erfolgreiches Rennen in Mugello. (Bild: Peter Schwager)

Thomas Lüthi analysiert sein erfolgreiches Rennen in Mugello. (Bild: Peter Schwager)

Mugello war am vergangenen Wochenende die sechste Station der aktuellen Motorrad-Saison. An diesem Ort feierte Thomas Lüthi eine Premiere. Er stand als Dritter des GP von Italien erstmals in der 250-ccm-Klasse auf dem Podest. Und just an diesem Wochenende gewährte das Widnauer Unternehmen «saw», das seit drei Jahren das Projekt Lüthi sponsert, einigen seiner Kunden einen Blick hinter die Kulissen des Motorradsports, der eine Mischung aus Showbusiness und Spitzensport ist. Beides sei nötig, sagte Lüthis Chef und Teambesitzer Daniel M. Epp, um in diesem harten Geschäft überleben zu können. Für die aktuelle Saison beträgt das Budget vier Millionen Franken. Der grösste Teil davon steht Lüthis Team zur Verfügung. Der Berner wird jeweils von acht Mechanikern und Technikern an die Grand Prixs begleitet.

Tagwache um sieben Uhr

Bereits am Mittwoch war das Team von Lüthi nach Mugello gereist. Die 25 Mitarbeiter der Equipe waren zuerst damit beschäftigt, die Box sowie den Gäste- und Verpflegungssektor einzurichten. Bis am Donnerstagabend und dem Eintreffen der Fahrer musste die Infrastruktur aufgebaut sein. Denn die drei Fahrer von Epp – Lüthi und der Tscheche Lukas Pesek sowie der Deutsche Sandro Cortese, der in der 125-ccm-Klasse fährt – sollten sich nur auf das Wesentliche konzentrieren können – das schnelle Motorradfahren. Regelmässige Plazierungen unter den ersten sechs lautet Lüthis Zielsetzung für die Saison.

Nach seiner Ankunft und in den Tagen vor dem Rennen, zu dem am Sonntag um 12.15 Uhr gestartet wurde, fokussierte sich Lüthi ausschliesslich auf den GP von Italien. Nur Termine, die wirklich nötig waren, nahm der 21jährige Berner auch wahr. Zu diesen gehörte unter anderem die Arbeit mit den nationalen und internationalen Medien. Am Sonntag begann der Renntag für Lüthi bereits um sieben Uhr. Zwei Stunden später verliess er mit seiner Aprilia das erstemal die Box, um sich mit den Bedingungen vertraut zu machen und die letzten Einstellungen am Motorrad vorzunehmen. Dem Team standen dafür gerade 20 Minuten zur Verfügung. Es folgten die letzten Besprechungen mit den Technikern und Mechanikern, ehe sich Lüthi in sein Motorhome zurückzog. Er tut dies vor jedem Rennen. So wie sich der ehemalige Weltmeister von 2005 auch stets mit der Musik seiner Lieblingsband Linkin Park auf Touren bringt.

Anspannung und Nervosität

Kurz vor 12.15 Uhr brachte Lüthi schliesslich auch seine Maschine auf Betriebstemperatur. Von da an war er in Mugello auf sich alleine gestellt. Vor den verschiedenen Bildschirmen in der Box verfolgte das Team von Lüthi das Rennen. Die Anspannung und Nervosität war spürbar. Beinahe jedes Manöver wurde lautstark kommentiert. Und an diesem Wochenende lagen Freud und Leid nahe beieinander. Lüthis Teamkollege, der Tscheche Pesek, rutschte nach einem Sturz über das Vorderrad ins Kiesbett. Fast gleichzeitig kämpfte sich der Schweizer vom achten auf den vierten Platz vor.

Ein fürchterlicher Sturz von Hector Barbera, der zu jenem Zeitpunkt den zweiten Platz eingenommen hatte, brachte den Berner schliesslich auf den dritten Platz. Noch zwei Runden trennten Lüthi vom langersehnten ersten Podestplatz in der 250-ccm-Klasse. «Primo podio», sagte ein Mechaniker leise zu seinem Kollegen und lächelte.

Die Zeit drängt

Endlich meisterte Lüthi die letzte Kurve und fuhr über die Ziellinie. Der erste Platz auf dem Podest in der 250-ccm-Klasse war Tatsache geworden. In der Box des Teams brach grosser Jubel aus. Während der Berner seinen Erfolg auf der sogenannten Auslaufrunde genoss, rannten die Crewmitglieder die Boxengasse hinunter und jubelten dem Drittplazierten zu.

Doch für eine ausgiebige Feier blieb am Ende nur wenig Zeit. Denn kurz nach dem Rennen musste das Team damit beginnen, die Infrastruktur wieder abzubauen. Die Zeit drängte. Schliesslich steht an diesem Wochenende der GP von Katalonien auf dem Programm. In Montmeló werden die Mitarbeiter des Lüthi-Rennstalls ab heute die Box herrichten. Damit der Berner auch am Sonntag in der Nähe von Barcelona sein gewohntes Umfeld vorfindet.

Peter Schwager, Mugello

Aktuelle Nachrichten