PREMIERE: Befreiungsschlag für St. Otmar

Mit einem Tor in letzter Sekunde glückt St. Otmar der erste Saisonsieg – ausgerechnet gegen den bis dahin unbesiegten NLA-Leader Pfadi Winterthur. Die St. Galler setzen sich mit 27:26 durch.

Ralph Weibel
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Ondrej Zdrahala trägt für St. Otmar vier Tore zum überraschenden Sieg gegen Pfadi Winterthur bei. (Bild: Ralph Ribi)

Ondrej Zdrahala trägt für St. Otmar vier Tore zum überraschenden Sieg gegen Pfadi Winterthur bei. (Bild: Ralph Ribi)

Ralph Weibel

Der erste, der sich gestern aufmachte in den Umkleideraum der St.-Otmar-Handballer, war der Stadionwirt. Unter dem Arm in Büchsen die verdiente Belohnung für die St. Galler Spieler. Er sagte: «Ein ganz neues Gefühl.» Derweil feierten die Gewinner vor rund 800 Zuschauern ihren ersten Sieg in dieser Saison. Wie nötig dieser war, zeigte sich in einer Euphorie, als hätte die Mannschaft einen Titel gewonnen. Sicher nahm der Druck mit jedem nicht gewonnenen Spiel in dieser Saison zu. Doch vielleicht kam da mit dem bis gestern unbesiegten Pfadi Winterthur gerade der richtige Gegner.

Schon im Matchprogramm war von Seite des Gastgebers nur von fehlendem Selbstvertrauen die Rede. Auf der anderen Seite strahlte der Gegner genau das Gegenteil aus. Pfadi hat am vergangenen Wochenende die dritte Runde im Europacup erreicht und stand in der Meisterschaft noch ohne Niederlage da. Es hatte sich auch durch viele Verletzte lange nicht aus der Bahn werfen lassen. Dies gelang ausgerechnet dem bisherigen Punktelieferanten. Kein Wunder, war Trainer Vedran Banic stolz: «In erster Linie auf meine Spieler, die sich diesen Sieg verdient haben.»

Fünf Tore Rückstand bis zur Pause

Lange hatte es nicht nach einem Erfolg ausgesehen. Das Spiel schien schnell wie erwartet zu laufen. Fast symbolisch zeigte sich die Zersetzung der Mannschaft nach einer guten Viertelstunde. Ein Angriff musste unterbrochen werden, weil der Klöppel vom Schläger von Pauken Oli abfiel und über das Spielfeld rollte. Ähnlich offensichtlich zerfiel die Mannschaft von St. Otmar, die zu Beginn einigermassen mithalten konnte. Vom Tempo überfordert, gestanden die St. Galler den Gästen viele einfache Tore zu und handelten sich in doppelter Überzahl zwei Gegentreffer zu einem Fünftore-Rückstand ein, der bis zur Pause bestand hatte. Hinten zu wenig kompakt, vorne zu harmlos. So lässt sich die bisherige Saison und die erste Halbzeit zusammenfassen.

Daran änderte sich nach der Pause trotz taktischer Umstellung vorerst wenig. Banic zog Tobias Wetzel in der Verteidigung vor. Schockieren mochte dies den Leader nicht. Aber plötzlich tat sich dieser schwerer im Abschluss. «Wir haben angefangen, etwas sorglos Sachen auszuprobieren», sagte Winterthurs Trainer Adrian Brüngger. So kam St. Otmar heran. Als dann auch noch Michal Shejbal nach seiner Einwechslung in der 39. Minute einen grossen Auftritt hatte und fünf Paraden zeigte, schmolz der Rückstand. Bis zum Ausgleich und einem letzten erfolglosen Winterthurer Angriff. St. Otmar hatte 16 Sekunden Zeit und reizte diese aus, ehe Julian Rauch mit der Schlusssirene zum Sieg traf.

Trainer Banic sagte: «Was genau ich der Mannschaft in der Halbzeit gesagt habe bleibt mein Geheimnis. Jedenfalls hat es geklappt.»