PRÄSIDENTENSUCHE: «Der Neue muss den FC St. Gallen zusammenhalten»

Welche Eigenschaften braucht der neue starke Mann beim FC St. Gallen? Unter anderem ein hohes Mass an Glaubwürdigkeit, sagt Thomas Müller. Unter dem 64-Jährigen wurde St. Gallen im Jahr 2000 Schweizer Meister.

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Thomas Müller, der FC St. Gallen sucht einen neuen Präsidenten. Was muss der Nachfolger von Dölf Früh mitbringen?

Ich teile die Auffassung von Dölf Früh, dass der fussballerische Sachverstand nicht zentral ist. Der Präsident muss den Club zusammenhalten, vor allem gegen innen. Heute ist ja der FC St. Gallen nicht mehr einfach ein Verein. Man muss allen gerecht werden, den Aktionären, den Donatoren, den Angestellten, aber auch dem Umfeld. Und wenn man gute Leute mit mehr Sachverstand um sich schart, muss man sie arbeiten lassen. Ich hatte mit Peter Stadelmann ja einen super Sportchef.

Was braucht es im Umgang mit den Anhängern?

Ein hohes Mass an Glaubwürdigkeit. Und man muss zeigen, dass man Erfolg haben will.

Viele Fans vermissten in den vergangenen Jahren, in denen der Nichtabstieg als Saisonziel formuliert wurde, diese Erwartungshaltung.

In die Arbeit von Dölf Früh will ich mich nicht einmischen. Wenn man zurücktritt, muss man auch loslassen können.

Ist die wichtigste Funktion eines Clubpräsidenten nicht, Geld aufzutreiben?

Der ständige Kampf ums Geld ist das grosse Problem unserer Zeit. Dölf Früh brachte dafür genau das richtige Netzwerk mit. Dass der FC St. Gallen heute finanziell solide dasteht, ist eine grosse Leistung und für die Zukunft des Vereins absolut entscheidend. Heute sind die Strukturen beim FC St. Gallen dafür besser geeignet.

Unter Ihnen als Präsident wurde der FC St. Gallen im Jahr 2000 überraschend Schweizer Meister. Was hat damals gepasst?

Alles. Es war eine Teamleistung. Wir haben damals im Vorstand um Entscheide gestritten wie Weltmeister, diese danach aber konsequent umgesetzt. Zu dieser offenen Gesprächskultur passte auch der Trainer Marcel Koller bestens. Und wir haben an der definierten Stossrichtung festgehalten, auch als es ein halbes Jahr lang nicht gut lief. Da ist es wie in der Politik: Ständige Richtungswechsel machen einen unberechenbar. Das ist nicht gut.

Auch Marcel Koller musste 1999 eine Niederlagenserie überstehen, bevor er das Team zum Meistertitel führte. Derzeit wünschen sich viele Anhänger den Abgang von Trainer Joe Zinnbauer. Wird es für ihn unter einem neuen Präsidenten eng?

Auch dazu will ich nichts sagen. Zumal ich Zinnbauers Arbeit überhaupt nicht beurteilen kann.

Zum Fussball ein paar Ligen tiefer. Vor einigen Jahren sahen Sie beim FC Rorschach und beim FC Goldach Challenge-League-Potenzial – sofern nur einer der Vereine dies anstrebt. Nun haben die Clubs fusioniert. Spielt der FC Rorschach-Goldach bald Profifussball?

Ich glaube, das wird mittelfristig so sein. Man muss das nicht schon in zwei Jahren erwarten. Aber er ist nun mit über 600 Mitgliedern einer der grösseren Clubs, die Kräfte sind konzentriert, und es sind gute Leute am Ruder. Zudem ist mit der Sportanlage Kellen eine gute Infrastruktur vorhanden. Und schon an der Fusionsversammlung habe ich angekündigt, mich für eine zusätzliche Tribüne stark zu machen.

Johannes Wey