PR-LAUF: Schallmauer verpasst

Eliud Kipchoge scheitert beim Versuch, den Marathon als erster Mensch unter zwei Stunden zu laufen. Der Kenianer braucht lediglich 25 Sekunden länger.

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Es hat Eliud Kipchoge nicht ganz gereicht. (Bild: Luca Bruno/AP)

Es hat Eliud Kipchoge nicht ganz gereicht. (Bild: Luca Bruno/AP)

Eliud Kipchoge, der Olympiasieger von Rio 2016, benötigte im Rahmen des Projekts «Breaking2» auf der Formel-1-Strecke in Monza 2:00:25 Stunden für die 42,195 Kilometer. Kipchoges Bestzeit wird nicht als Weltrekord anerkannt werden, auch weil die Schrittmacher – unter ihnen der Schweizer Julien Wanders – stets ein- und ausgewechselt wurden. Lange Zeit sah es für Kipchoge nicht schlecht aus, unter zwei Stunden zu bleiben. Doch im letzten Fünftel der Strecke vermochte er das Tempo von 2:50 Minuten pro Kilometer oder 17 Sekunden pro 100 Meter nicht mehr ganz zu halten. Sieben Kilometer vor dem Ziel wies der 32-Jährige erst fünf Sekunden Rückstand auf den ambitiösen Fahrplan auf.

In aller Herrgottsfrühe rannte Kipchoge zusammen mit Zersenay Tadese aus Eritrea und Lelisa Desisa aus Äthiopien gestern los, um eine Schallmauer des Sports zu durchbrechen. Das Trio liess sich in das vom Sportartikelhersteller Nike mit grossem Getöse angekündigte und in der Leichtathletikszene umstrittene Projekt einbinden – eine Art Laborversuch unter freiem Himmel: Ständig wechselnde Pacemaker, die Windschatten spenden, keine engen Kurven, ein spezieller Schuh, Spezialgetränke, Startzeit bei den meteorologisch besten Bedingungen.

Drei Minuten weniger sind sehr viel

Der Angriff galt nicht dem Weltrekord von 2:02:57 Stunden, den der Kenianer Dennis Kimetto 2014 in Berlin aufgestellte hatte und immer noch hält. Der Angriff galt der Zweistundenmarke. Doch es zeigte sich, dass drei Minuten weniger auf der klassischen 42,195-Kilometer-Distanz sehr viel sind. Tadese und Desisa waren bei der Halbmarathonmarke schon nicht mehr auf Kurs. Solch ein Wahnsinnstempo über den gesamten Marathon trauten die Experten am ehesten noch Kipchoge zu. Der 32-Jährige verpasste 2016 in London, auf einem schwierigeren Kurs als in Berlin, den Weltrekord nur um ein paar Sekunden. 2015 hatte er in Berlin in 2:04:00 gesiegt, obwohl ihm bereits nach wenigen Kilometern die Einlegesohle aus dem Schuh hing. Kipchoge ist wohl der ak­tuell beste Marathonläufer.

Nike dürfte dennoch zufrieden sein. Der Sportartikelhersteller verstand es, mit grossem Werbeeffekt einen neuen Laufschuh zu promoten. «Ich bin trotzdem glücklich», sagte der 32-jährige Kipchoge nach dem Lauf. «Die letzten zwei Runden waren wir etwas hinter dem Zeitplan. Ich hoffe, das nächste Mal klappt es.» Möglicherweise greift der Kenianer nun beim Berlin-Marathon am 24. September den offiziellen Weltrekord an.

Die Sportwelt begegnete dem Projekt mit Vorbehalten. Peter Haas, Chef Leistungssport bei Swiss Athletics, sagte: «Das ist Werbung, verbunden mit Sport. Leichtathletik aus dem Labor. Da werden Faktoren geschaffen, wie wir sie sonst in unserem Sport nicht antreffen.» Insgeheim sind wohl viele Läufer froh, dass «Breaking2» gescheitert ist. (sda)