Post aus dem Big Apple

Liebe Mostindia-Leser,

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Liebe Mostindia-Leser,

die erste Woche in New York war grossartig. Kein Wunder, schläft diese Stadt nicht. Sie ist zu überwältigend, um die Zeit mit Schlaf zu verschwenden. Selbst unsere Lehrer predigen uns, nicht mehr als fünf Stunden zu schlafen und einen «tremendous amount of coffee», also sehr viel Kaffee, zu trinken. Wir geben ihnen recht. New York hat so viel zu bieten, und das überfordert uns. Zur selben Zeit wollen wir im Central Park, auf dem Rockerfeller Center und auf der Brooklyn Bridge sein. Gleichzeitig einen Kaffee in Soho, ein Bier in Midtown und Wein an der Upper East Side trinken.

Ich bin seit einer Woche hier, andauernd müde, es ist laut, und es stinkt. Trotzdem kriege ich nicht genug. Die «everything's great!»-Einstellung der Leute hier färbt auf mich ab. Immer wieder muss ich mir vor Augen führen, wo ich bin. In New York, dem Big Apple, der Stadt, die niemals schläft, in der nichts unmöglich und trotzdem vieles verboten ist. Jeden Morgen verbringe ich in der Schule, die Nachmittage in der Stadt. Laufen, viel Kaffee trinken und viel frieren. New York zu dieser Jahreszeit ist kalt. Es schneit, und der Wind bläst. Seinen Zauber verliert die Stadt aber deswegen nicht. Acht Millionen Menschen auf engstem (oder höchstem) Raum. Wolkenkratzer soweit das Auge reicht, die dir das Gefühl geben, winzig zu sein. Den Sonntag habe ich in dem Stadtteil verbracht, der mir am besten gefällt, in Soho. Soho erinnert mich ein bisschen an Europa. Die Strassen dort sind nur noch zweispurig und die Häuser nur noch acht Stockwerke hoch. Wenn ich mal gross bin, möchte ich in Soho leben.

Liebe Grüsse, Johanna

PS: Mich überrascht, wie freundlich die New Yorker sind. Ich habe mich auf nörgelnde, rempelnde Amerikaner eingestellt. Entsprechend erstaunt war ich, nachdem mir das erste von vielen Malen die Tür aufgehalten wurde. In Zürich ist mir das noch nie passiert!

Johanna Schick (19) aus Guntershausen lebt drei Monate in New York und besucht eine Sprachschule. (Bilder: Johanna Schick)

Johanna Schick (19) aus Guntershausen lebt drei Monate in New York und besucht eine Sprachschule. (Bilder: Johanna Schick)

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