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Plötzlich ganz irdisch

Das grosse Real Madrid befindet sich in der Krise. Ausgerechnet der Clásico gegen den FC Barcelona soll am Sonntag (16.15 Uhr) für die Wende sorgen.
Carsten Meyer
Angezählt: Real Madrids Coach Julen Lopetegui (Juri Koschetkow/EPA (Moskau, 2. Oktober 2018))

Angezählt: Real Madrids Coach Julen Lopetegui (Juri Koschetkow/EPA (Moskau, 2. Oktober 2018))

Sie sind halt schon ein bisschen verwöhnt, die Fans von Real Madrid. Das Aussergewöhnliche ist für sie längst zur Normalität geworden. Da gab es in der jüngeren Club-Geschichte beispielsweise die Galaktischen um Zinedine Zidane, Luís Figo, David Beckham und Ronaldo (den brasilianischen). Als sie Mitte der 2000er durch die Arenen zogen, erinnerten sie eher an die Harlem Globetrotters als an eine professionelle Fussballmannschaft.

Und zuletzt hatten die Königlichen einen Galaktischen an der Seitenlinie (Zidane) und einen Ausserirdischen auf dem Feld (Ronaldo, den portugiesischen). Eine Kombination die dazu führte, dass in den vergangenen drei Jahren drei weitere Champions-League-Pokale für beengte Zustände in der Trophäen-Vitrine sorgten.

Normalsterbliche stehen wieder in der Verantwortung

Doch seit dieser Saison haben wieder Normalsterbliche das Sagen. Zidane reichte seine Demission ein, weil er an am sportlichen Zukunftskonzept des Clubs zweifelte – und Ronaldo stellt seine Dienste mittlerweile Juventus Turin zur Verfügung. Mit ihm gingen unglaubliche 450 Tore in 438 Pflichtspielen für Real.

Die fehlen der Truppe nun an allen Ecken und Enden. Natürlich, die Madrilenen verfügen noch immer über eine talentierte Mannschaft und mit Julen Lopetegui über einen anerkannten Trainer. Aber alles halt ein bisschen irdischer als bisher. Oder um es mit Goalie Keylor Navas zu sagen, der bei der Frage, wie man Ronaldo ersetzen könnte, leicht ins Philosophische abdriftete: «Man kann die Sonne nicht mit einem Finger zudecken.»

Zumal sie sich den gerade auch noch heftig verbrennen. Vor dem Clásico schrillen jedenfalls sämtliche Alarmglocken. In den vergangenen sechs Spielen gab es gerade einmal einen Erfolg – am vergangenen Dienstag in der Champions League gegen einen Gegner, dessen Existenz für die meisten Real-Fans eine faustdicke Überraschung war: Viktoria Pilsen. Das Team mühte sich zu einem knappen 2:1, woraufhin Lopetegui den erstaunten Zuhörern versicherte: «Dieser Sieg war ein Wendepunkt.»

Tor-Impotenz wie noch nie in 116 Jahren Clubhistorie

Das werteten selbst Beobachter, die es gut mit dem 52-Jährigen meinen, als mutige Einordnung. Nach neun Ligaspielen ist Real mit vier Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Barça nur Siebter, am vergangenen Wochenende gab es zu Hause gegen eine Art spanisches Pilsen (Levante) ein 1:2. Das einzig Positive war, dass Marcelos Anschlusstreffer nach 72 Minuten eine torlose Serie von über acht Stunden beendete. So eine Offensivflaute gab es in der 116-jährigen Club-Historie noch nie.

Und so kommt es, dass das vielleicht bedeutendste Duell im Fussball noch ein bisschen wichtiger geworden ist. Zumindest für Lopetegui. Sollte es im Clásico gegen den FC Barcelona eine weitere Niederlage geben, könnte es das für ihn gewesen sein. Auch wenn sich seine Spieler bei diesem Thema mit grösster Leidenschaft in den verbalen Zweikampf stürzen. Sergio Ramos sagt: «Wir stehen hinter Julen. Er ist ein brillanter Trainer.» Isco findet: «Wenn sie ihn rauswerfen, müssen sie uns alle rauswerfen.» Und Marcelo versteift sich gar auf die Aussage: «Wir verteidigen ihn bis zum Tod.»

Fürs Erste würde es Lopetegui schon mal helfen, wenn sie das Spiel am Sonntagabend gewinnen. Ein unmögliches Unterfangen ist das trotz der aktuellen Formdelle nicht. Erstens fehlt den Katalanen Lionel Messi wegen eines Armbruchs. Und zweitens steht der FC Barcelona in der Saison auch nicht unter Verdacht, wie ein Orkan über seine Gegner hinwegzufegen. Einen Vorteil haben sie aber gegenüber Real: Sie sind halt trotzdem Erster.

Lopetegui weiss das natürlich. Er kann die Tabelle lesen – ebenso wie die Schlagzeilen, die sein baldiges Aus prophezeien. Doch zumindest nach aussen ficht ihn das nicht an. Noch Anfang der Woche sagte er: «Ich fühle mich so stark wie selten zuvor.»

Das kann sich am Sonntagabend ganz schnell ändern.

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