PLAYOUT: Die Angst geht um

Mit der drohenden Relegation vor Augen verliert der NLA-Club Ambri abseits des Eises die Nerven und beschimpft sein eigenes Umfeld. Das alles erinnert an den Abstieg von Rapperswil-Jona vor zwei Jahren.

Matthias Hafen, Ambri
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Auf Biegen und Brechen: Fribourgs Marc Abplanalp (links) und Ambris Cory Emmerton. (Bild: Pablo Gianinazzi/KEY)

Auf Biegen und Brechen: Fribourgs Marc Abplanalp (links) und Ambris Cory Emmerton. (Bild: Pablo Gianinazzi/KEY)

Matthias Hafen, Ambri

Der Leuchtturm der Leventina ist noch nicht am Boden. Gleich mit 7:1 gewann Ambri-Piotta das vierte Playout-Spiel gegen Fribourg und verkürzte in der Best-of-7-Serie auf 1:3. Mehr als Balsam für einen Abend dürfte das aber nicht gewesen sein. Fribourgs Widerstand hielt sich gestern in sehr engen Grenzen. Und selbst der hohe Erfolg konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass in der Valascia die Angst umgeht. Die Ligaqualifikation gegen den NLB-Meister bleibt das Schreckszenario der Tessiner. Längst ist das Undenkbare zur Wahrscheinlichkeit geworden: Nach 32 Jahren in der NLA droht dem Dorfclub die Relegation.

Und ausgerechnet in dem Moment, in dem Ambri die grösstmögliche Unterstützung braucht, holte der Vorstand zu einem verbalen Rundumschlag aus. Äussere Einflüsse und eine negative Presse würden die Mannschaft destabilisieren, hiess es in einer am Montag verschickten Medienmitteilung. Die Botschaft galt unmissverständlich den Tessiner Medien und dem grossen Teil der Öffentlichkeit, der sich mit dem möglichen Abstieg auseinandersetzt. Clubpräsident und CVP-Ständerat Filippo Lombardi versuchte daraufhin zu besänftigen. «Wir wollten damit der Mannschaft sagen, dass die Vermutungen in den Medien unwahr sind und wir bis am Ende der Saison auf Gordie Dwyer als Trainer zählen», sagte er gegenüber «Ticinonews». Doch der Schaden war bereits angerichtet.

Wirbel in der Leventina hat Ursprung in Zürich

Jene, die fast täglich über Ambri-Piotta berichten und dem Club tendenziell nahe stehen, wurden verunglimpft. Dabei stammte besagter Artikel aus einer Zürcher Zeitung, in dem spekuliert wird, dass Ambri mit Trainer Luca Cereda vom NLB-Partnerteam Ticino Rockets in eine mögliche Ligaqualifikation steigen würde. Das zeigt, wie unbedarft Ambri derzeit auf äussere Einflüsse reagiert. Und nicht nur das. Auf dem Höhepunkt der Krise, in einem Moment, in dem nichts wichtiger wäre als Kommunikation, verhängte man der Mannschaft ein Redeverbot. Als Interviewpartner stellte sich zuletzt fast nur Präsident Lombardi zur Verfügung. Mit Spielern und Trainern konnte nicht mehr gesprochen werden. Selbst nach den Trainings wurde darauf geachtet, wer Auskunft gibt. Am Donnerstag etwa standen nur die ausländischen Profis Red und Antwort.

Keiner haut mehr auf den Putz

Maulkörbe, Trainerdiskussionen und Nerven, die blank liegen: Durch dieses Fegefeuer ging vor zwei Jahren auch Rapperswil-Jona bevor der Abstieg nach 21 aufeinanderfolgenden NLA-Jahren besiegelt war. Wie bei Ambri redete irgendwann nur noch der Präsident in der Öffentlichkeit – wenn überhaupt. Spieler und Trainer erhielten ein Redeverbot mit der Konsequenz, dass niemand mehr da war, der auf den Putz haute und so vielleicht dem einen oder anderen die Augen hätte öffnen können. Die Folgen sind bekannt. Rapperswil-Jona stieg gegen den NLB-Meister Langnau sang- und klanglos ab.

Noch ist Ambri nicht an diesem Punkt. Und die Tessiner haben schon 2012 eine Ligaqualifikation gegen den damaligen NLB-Meister Langenthal überstanden. Doch sind die Parallelen zu Rapperswil-Jonas Schicksal in diesem Jahr frappant – bis zum Festhalten am Trainer. Anders Eldebrink heisst in Ambri Gordie Dwyer. Der 39-jährige Kanadier, der Ende Januar schon Hans Kossmann ablöste, kann das Schlimmste in den kommenden Tagen noch verhindern. Ihm bleibt zu wünschen, dass das 7:1 seiner Equipe nicht nur ein Strohfeuer war. Eldebrink wurde in Rapperswil nach der Niederlage im ersten Ligaqualifikationsspiel doch noch freigestellt. Spätestens wenn das Dwyer widerfährt, muss sich die Leventina auf den Fall ihres sportlichen Leuchtturms einstellen.