PLAYOFF-HALBFINAL: HCD-Trainer Del Curto: Unausstehlich gut

Mit dem 4:0-Sieg im Viertelfinal gegen Lausanne reiht sich der Hockey Club Davos unter die Titelfavoriten. Im Halbfinal wartet ab heute der favorisierte EV Zug. Doch dem streitbaren Arno del Curto ist ein weiterer Coup zuzutrauen.

Matthias Hafen
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Leitwolf an der HCD-Bande: Arno del Curto (mitte) trainiert Davos schon seit über 20 Jahren. (Bild: Keystone)

Leitwolf an der HCD-Bande: Arno del Curto (mitte) trainiert Davos schon seit über 20 Jahren. (Bild: Keystone)

Wenn Arno del Curto von einer Übergangssaison spricht, dann müssen bei den anderen Clubs die Alarmglocken läuten. Denn mehrere seiner sechs Titel seit der Jahrtausendwende holte der Trainer des HC Davos als Aussenseiter. Am deutlichsten beim bislang letzten Triumph vor zwei Jahren. Kein Experte und kaum ein Laie hatte der damals stark verjüngten Mannschaft einen solchen Exploit zugetraut. Doch del Curto ist ein Trainerfuchs, ein Tiefstapler par excellence. Nur zu gerne würde er seine Mannschaft immer in der Rolle des Aussenseiters sehen. «Davos ein Titelkandidat? Ach wo!»
Tatsächlich schafft es der 60-jährige St. Moritzer selbst in seiner mittlerweile 21. Saison mit dem HC Davos noch, seine Mannschaft geschickt kleinzureden, die Konkurrenten damit aufs Glatteis zu führen. Dabei sollte jedem klar sein: Wo Arno del Curto draufsteht, ist immer genügend Potenzial für den Titelgewinn drin.

Goaliewahl scheint sich auszuzahlen

Auch vor diesem Winter sprach del Curto von einer Übergangssaison. Nicht zu unrecht. Der HC Davos musste nach dem Abgang des langjährigen Rückhalts Leonardo Genoni zu Bern die Goalieposition neu besetzen. Mit der Verpflichtung des erst 19-jährigen Joren van Pottelberghe und des 21-jährigen Gilles Senn ging der Bündner Traditionsverein ein Risiko ein. Nicht wenige sahen schon das erstmalige Verpassen des Playoffs seit dem Wiederaufstieg 1993 kommen.

Doch die weitsichtige Neubesetzung scheint sich auszuzahlen. Waren van Pottelberghe und Senn vor dem Meisterschaftsstart das grosse Thema und ein Unsicherheitsfaktor, so könnte man sechs Monate später meinen, sie gehörten längst zu den Pfeilern des Rekordmeisters.

Arno del Curto ist eben nicht nur ein Schnorrer, er ist in erster Linie ein brillanter Trainer. Er versteht wie kein anderer die Hauptaufgabe seines Schaffens. Und das sind weder Titelgewinne noch Sympathiepunkte. Ein Trainer muss seine Spieler besser machen. Diesbezüglich kann del Curto hierzulande kaum einer das Wasser reichen. Der einzige verbliebene Schweizer unter den NLA-Coaches scheut sich nicht davor, konsequent auf junge Spieler zu setzen. Er nimmt dafür auch sportliche Tiefschläge in Kauf, das Abrutschen in der Tabelle bis unter den Trennstrich. Denn del Curto weiss, dass solche Mini-Krisen, wenn sie denn überhaupt welche sind, seine Spieler charakterlich weiterbringen. Im Gegenzug zerreissen sich die Spieler für ihren Trainer, weil sie von ihm Vertrauen und Rückendeckung erhalten.

So laufen Interviews ab, wenn Arno del Curto keine Lust hat:

Im Playoff-Viertelfinal stand der Tabellenfünfte Davos dem viertplatzierten Lausanne gegenüber, das als positive Überraschung der Qualifikation galt. Doch schnell wurde klar, dass del Curtos Equipe jener von Dan Ratushny, notabene zum Trainer des Jahres ausgezeichnet, das Wasser abgraben würde. Nur vier Begegnungen brauchten die athletisch ausgereifteren und taktisch schlaueren Bündner, um Ratushny und dessen Mannschaft zu entzaubern.

Wie ein Patriarch schützt er seine Spieler

Del Curto weiss eben auch, wann es ernst gilt. Darauf hin trimmt er seine Mannschaft auf Hochform. Und er schützt seine Jungen wie ein Patriarch vor äusseren Einflüssen, lässt Schlüsselspieler keine Interviews mehr geben und stellt sich jeglicher Kritik immer selber. Ausser, er hat auch keine Lust, vor die Mikrofone zu treten. Del Curto verstösst immer wieder gegen Konventionen, lässt Interviewer zuweilen dumm aussehen. Und man wird das Gefühl nicht los, dass er daran Gefallen findet.

Seine Art polarisiert. Wer kein blau-gelbes Davoser Herz hat, der findet del Curto tendenziell unsympathisch, einen «Querulanten» oder einen «arroganten Pinsel». So jedenfalls lauten die noch sanftesten Beleidigungen, die in den Kommentarspalten an den streitbaren Trainer adressiert sind. Doch wenn del Curto beim nächsten Fernseh-interview wieder so unverkennbar über seine Brille in die Kamera guckt, dann sind seine Worte auch an die Kritiker gerichtet. Und egal, was del Curto sagen wird: Es wird auch heissen, dass es der Erfolg ist, der ihm die Neider beschert.

Arno Del Curto spricht "Busch-Englisch":